Betriebliche Altersvorsorge – Ein Ausweg aus der Rentenfalle?

- 10.08.2015 von Sonja Hess -

Betriebliche AltersvorsorgeDie betriebliche Altersvorsorge wird oft als interessante Lösung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gepriesen. Darüber, dass die gesetzliche Rentenversicherung kaum ausreichen wird, um im Alter den gewohnten Lebensstandard beizubehalten, herrscht weitgehende Übereinstimmung. Und an der Notwendigkeit, die gesetzliche Rente durch weitere Vorsorgekomponenten aufzustocken, besteht wohl auch kein Zweifel. Darüber, wie gut eine betriebliche Altersvorsorge diesen Zweck tatsächlich erfüllen kann, gibt es allerdings geteilte Meinungen.

Zuletzt haben die Diskussionen um die eventuelle flächendeckenden Einführung einer betrieblichen Altersvorsorge in Deutschland das Thema einmal mehr in den Fokus rücken lassen. Sowohl die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) als auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) plädieren für eine solche Lösung. Spätestens die bemerkenswerte Einigkeit von SPD und GDV in dieser Frage sollte für Arbeitnehmer Grund genug sein, sich einmal etwas detaillierter mit dem Thema zu beschäftigen. Denn nur so lässt sich die Frage beantworten, ob es jenseits des politischen Eigeninteresses der SPD und der Interessen der Versicherungswirtschaft auch einen konkreten Nutzen für diejenigen gibt, die von der betrieblichen Altersvorsorge eigentlich profitieren sollen.

Erwartungen an die betriebliche Altersvorsorge werden nicht immer erfüllt

Als Messlatte sollte dabei derjenige Aspekt dienen, der meist als entscheidendes Argument für die betriebliche Altersvorsorge genannt wird: die Verbindung von finanzieller Vorsorge fürs Alter und gesparten Steuern und Sozialabgaben. Vergleicht man die modellhaften Rahmenbedingungen, die der Idee einer betrieblichen Altersvorsorge und den einschlägigen Regelungen zugrunde liegen, mit tatsächlichen Erwerbsbiografien, dann wird schnell deutlich, dass Theorie und Praxis in diesem Bereich oftmals weit auseinanderklaffen. Zwar gibt es durchaus Arbeitnehmer, bei denen das Modell funktioniert, doch in vielen Fällen kann die betriebliche Altersvorsorge den an sie zu stellenden Erwartungen nicht wirklich gerecht werden.

Jobwechsel und Erwerbslosigkeit können zu geringeren Bezügen führen

Schwierig wird es vor allem bei sogenannten gebrochenen Erwerbsbiografien. Wer zwischendurch längere Zeit arbeitslos ist oder sich beruflich völlig neu orientiert, erreicht oftmals nicht die notwendige Kontinuität bei den Einzahlungen und später dementsprechend auch keine attraktiven Auszahlungen aus einer betrieblichen Altersvorsorge. Bei häufigen Arbeitgeberwechseln gibt es häufig Probleme mit den unterschiedlichen Verträgen. Schlimmstenfalls haben die Betroffenen irgendwann zwar eine Reihe von Versicherungspolicen, die aber für sie keinen nennenswerten Wert haben. Leider sind viele betriebliche Altersversorgungssysteme nach wie vor nicht flexibel genug, um die bereits bestehende Versicherung bei einem Jobwechsel einfach zum neuen Arbeitgeber mitnehmen und dort problemlos weiterführen lassen zu können. Vielen Arbeitnehmern ist übrigens auch nicht bewusst, dass sie ihre entsprechenden Verträge auch nicht einfach kündigen oder beleihen können.

Betriebliche Altersvorsorge für Beschäftigte mit geringen Einkommenoft schwierig

Doch auch bei einer langjährigen, kontinuierlichen Tätigkeit für einen Arbeitnehmer ist eine betriebliche Altersvorsorge nicht automatisch die ideale Lösung. Wer beispielsweise im Frisiersalon oder an der Supermarktkasse arbeitet und nur ein Bruttoeinkommen von 1200 Euro erhält, kann mit einem Angebot für eine betriebliche Altersvorsorge über 240 Euro monatlich in der Regel nichts anfangen. Zum einen wird sich auch mit einer solchen Altersversorgung insgesamt keine auskömmliche Rente erzielen lassen, und zum anderen ist fraglich, ob und wie der oder die Betreffende die monatlichen Zahlungen dafür überhaupt aufbringen kann. Letzteres kann insbesondere dann zum Problem werden, wenn es sich um eine reine Gehaltsumwandlung ohne Zuschuss des Arbeitgebers handelt, was in der Praxis durchaus häufig anzutreffen ist.

Die betriebliche Altersvorsorge als Baustein der privaten Altersvorsorge

Andererseits kann die betriebliche Altersvorsorge bei Beschäftigen mit mittleren und höheren Einkommen sehr wohl dazu beitragen, den erreichten Lebensstandard auch für das Rentenalter abzusichern. Für Arbeitgeber ist die betriebliche Altersvorsorge eine Möglichkeit, ihren Arbeitnehmern einen Zusatznutzen zu bieten, ohne dass der Personalaufwand dabei durch weitere Sozialabgaben zusätzlich erhöht wird. Wenn die Bundesarbeitsministerin Nahles für eine flächendeckende Einführung der betrieblichen Altersvorsorge plädiert, dann ist dies sicherlich nicht im generellen Interesse aller Arbeitnehmer. Andererseits hat die betriebliche Altersvorsorge für die Fälle, in denen sie tatsächlich positive Effekte mit sich bringt, durchaus ihre Berechtigung als wichtiger Baustein für die private Altersvorsorge.

Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können