Wie berechnet man seinen Rentenanspruch?

- 28.08.2015 von Sonja Hess -

RenteneintrittsalterDie Rente mit 67 hat es schwierig gemacht, den eigenen Rentenanspruch vorab zu bestimmen. Im Jahr 2007 wurde in Deutschland die schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 Jahre ab 2012 beschlossen. Betroffen sind alle Personen, die ab 1947 geboren wurden. Wer im Alter weder auf Sozialleistungen angewiesen sein will, noch gezwungen sein möchte, mit einem Minijob seine Rente aufzubessern, hat einiges zu beachten.

Rente mit 67: ohne Abschläge

Für jedes Jahr, die die Geburt nach 1946 liegt, müssen die Betroffenen nun einen Monat länger warten, bis sie ohne Abschläge in Rente gehen können. Wer im Jahr 1947 geboren wurde, kann also erst einen Monat nach dem 65. Geburtstag abschlagsfrei die gesetzliche Rente in Anspruch nehmen. Für alle, die ab 1964 geboren sind, gilt dann die volle Rente mit 67. Allein unter Nutzung der Altersteilzeitregelung ist es für die Jahrgänge 1947 bis 1954 noch möglich, mit 65 Jahren in Rente zu gehen. Dies setzt voraus, dass die Altersteilzeit bereits bis 2006 vereinbart wurde. Sie wird dann über die Vertrauensschutzregelung garantiert.

Rente mit 63: mit Abschlägen

Seit dem 01. Juli 2014 gibt es außerdem die Rente mit 63. Demnach können gesetzlich Rentenversicherte der Jahrgänge ab 1947, die bis zum Ende ihres 62. Lebensjahrs eine Wartezeit von 35 Jahren angesammelt haben, bereits mit 63 in Rente gehen. Die Wartezeit schließt ein:

  • Studienzeiten
  • Jahre der versicherungspflichtigen Beschäftigung
  • Jahre, in denen Arbeitslosengeld bezogen wurde

Die Rente mit 63 ist mit Abschlägen verbunden. Der Betrag liegt für jeden Monat um 0,3 Prozent unter dem vollen Rentenanspruch. Voraussetzung ist, dass dieser schon ab 65 Jahren besteht. Drei Jahre früher mit der Arbeit aufzuhören führt dadurch zu satten 10,8 Prozent weniger Rente – und zwar bis zum Tod.

Ausnahmeregelungen für langjährige Beschäftigte

Versicherte, die nach 1946 geboren sind, haben Anspruch auf den Renteneintritt mit 65 Jahren, wenn sie bis dahin 45 Jahre lang pflichtversichert waren. Berücksichtigt werden:

  • Jahre der sozialversicherten Beschäftigung
  • Ausbildungszeiten
  • Wehr- und Zivildienst
  • Kindererziehungszeiten
  • Pflegezeiten

Nicht berücksichtigt werden Schule und Studium, Praktika sowie Besuche der Meisterschule, Jahre der Arbeitslosigkeit sowie Zeiten des Versorgungsausgleichs. Die so bevorzugten Personen erhalten ihre Rente mit Beginn des 65. Lebensjahres ohne Abschläge.

Berechnung mit Entgeltpunkten

Über die Rentenhöhe entscheiden die im Berufsleben erworbenen Entgeltpunkte. Sie stehen im Verhältnis zum jährlichen Durchschnittsentgelt aller Arbeitnehmer, weswegen ihr Wert schwankt. Wessen Entgelt dem Durchschnitt entspricht, der bekommt dafür genau einen Punkt. Auch für Mini- und Midijobs sowie Kindererziehungszeiten werden Entgeltpunkte angerechnet.

Sinkende Kaufkraft im Rentenalter

Die durch Rentenkürzungen sowie Abschläge sinkenden Renten führten seit dem Jahr 2000 zu einer abnehmenden Kaufkraft der Rentenbezieher. Allein bis 2012 waren westdeutsche Renten 17 Prozent weniger wert als zum Jahrtausendwechsel, in Ostdeutschland sogar 22 Prozent. Zwar lagen die Inflationsraten in den letzten Jahren aufgrund der andauernden Finanzkrise sehr niedrig (0.9 Prozent in 2014, 1,3 Prozent in 2013). Trotzdem sollten zukünftige Rentner den Wertverlust ihres Einkommens im Auge behalten: Eine Rente von 1.500 Euro im Jahr 2015 wird bei einer angenommenen Inflationsrate von jährlich zwei Prozent (wie im Jahr 2012) in zwanzig Jahren nur noch wenig mehr als 1.000 Euro wert sein. Das heißt, die Kaufkraft nimmt bis 2035 um ein Drittel ab.

Möglichkeiten zur Ergänzung der gesetzlichen Rente

Dass die gesetzliche Rente in Zukunft kaum mehr ausreichen wird, ist allgemein Konsens. Darum sollte man sie ergänzen. Wer Anspruch auf eine Betriebsrente hat, sollte diese Option in jedem Fall für sich prüfen. Außerdem gibt es die staatlich geförderte Riesterrente und die Rüruprente. Mit ihnen setzt die Politik auf den Kapitalmarkt. Kapitalkrisen wie die derzeitige können die Rentenleistung allerdings stark reduzieren. Nützliche Hinweise auf geeignete Verträge bietet die Stiftung Warentest in ihrer Zeitschrift Finanztest.

Ansprüche im Alter beeinflussen die Versorgungslücke

Zukünftige Rentner sollten die eigenen Ansprüche im Alter abschätzen, denn diese haben einen erheblichen Einfluss auf die Versorgungslücke. Auch ist es wichtig, vor dem Renteneintritt Rücklagen zu bilden für zukünftige Anschaffungen. Es empfiehlt sich, die eigene Versorgungslücke vor der Rente alle zwei bis drei Jahre neu zu kalkulieren. / Fotoquelle: fotolia.de / © SZ-Designs

Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können