Ausbilder werden – Wer darf es und wer nicht?

- 18.09.2019 von Daniela Lütke -

Ausbildereignungsprüfung und AdALaut § 28 Berufsbildungsgesetz darf jeder Auszubildende einstellen, wer persönlich geeignet ist. Ausbilden selbst darf allerdings nur jemand, der persönlich und fachlich dazu geeignet ist.

Wie definiert der Gesetzgeber fachliche Eignung?

Fachlich geeignet ist im Sinne von § 30 Berufsbildungsgesetz (BBiG) jemand, der über berufliche sowie berufs- und arbeitspädagogische Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten verfügt.

  • Als Nachweis für das berufliche Wissen gilt eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Studium in einer dem Ausbildungsberuf entsprechenden Fachrichtung. Zudem muss ein Ausbilder eine angemessene Zeit praktisch in seinem Beruf tätig gewesen sein.
  • Eine Besonderheit ergibt sich aus § 22b der Handwerksordnung (HwO): Demnach gilt als fachlich geeignet, wer die Meisterprüfung in dem zulassungspflichtigen Handwerk, in dem ausgebildet werden soll oder in einem mit diesem verwandten Handwerk bestanden hat.
  • Als Nachweis für arbeitspädagogische Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten gilt in der Regel das Absolvieren der Ausbildereignungsprüfung. Auch hier gibt es eine Besonderheit für das Handwerk: Teil IV der Meisterprüfung (Berufs- und Arbeitspädagogik) wird als Pendant für die Ausbildereignungsprüfung (AdA-Prüfung) angesehen.

Doch Achtung: Mit Bestehen der AdA-Prüfung ist man lediglich ausbildungsbefähigt. Um wirklich als Ausbilder tätig zu werden, muss die Kammer zunächst die Ausbildungsberechtigung erteilen. Dies erfolgt, wenn jemand

  • wie bereits erwähnt, die beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten nachweisen kann,
  • persönlich geeignet ist,
  • in einem Ausbildungsbetrieb tätig ist, der als solcher bei der zuständigen Kammer eingetragen ist.

Was bedeutet persönliche Eignung?

Leider ist dies deutlich schwieriger zu definieren, da es für die persönliche Eignung keine Nachweise gibt. Daher hat sich der Gesetzgeber zu einer Negativ-Formulierung in § 29 Berufsbildungsgesetz entschlossen: „Persönlich nicht geeignet ist insbesondere jemand, der Kinder und Jugendliche nicht beschäftigen darf.“

Hinweis: Dazu zählt übrigens auch ein Umgangsverbot mit jenen, selbst wenn es die eigenen Kinder sind und das Verbot im Rahmen eines Scheidungskriegs ausgesprochen wurde. In dem Fall sollte man dringend den Kontakt zur zuständigen Stelle suchen und die Umstände erklären.

Zudem darf man nicht

  • wiederholt oder schwer gegen das Berufsbildungsgesetz, die Handwerksordnung oder andere wichtig Vorschriften und Bestimmungen verstoßen haben,
  • in den letzten fünf Jahren zu einer Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren wegen eines Verbrechen verurteilt worden sein,
  • für ein Sittlichkeitsdelikt bestraft worden sein.

Unabhängig davon, ob es im Gesetz steht oder nicht: Um auszubilden, erfordert es starke Nerven, ein Händchen für den Umgang mit Menschen und Freude daran, anderen etwas beizubringen. Leider bringen all die Nachweise nichts, wenn einem das Ausbilden so gar keinen Spaß macht.

Darf ein Ausbildender auch gleichzeitig Ausbilder sein?

Wie eingangs erwähnt, reicht es aus, wenn der Ausbildende (die Person, die den Auszubildenden einstellt) nur persönlich geeignet ist. Ein Praxisbeispiel dafür sind große Unternehmen, bei denen die Verträge über den Vorstand abgewickelt werden. In der Regel bilden die Vorstandsmitglieder aber gar nicht selbst aus und haben auch ganz andere Berufe gelernt. Für diesen Fall kann der Ausbildende einen Ausbilder bestellen, der entsprechend geeignet ist.

Möchte der Ausbildende allerdings selbst auch ausbilden, ist das problemlos möglich. Dafür muss er jedoch nicht nur persönlich geeignet sein, sondern auch die fachlichen Nachweise erbringen können!

Checkliste: Ausbilder werden

Was bedeutet das nun zusammengefasst?

1. Berufsausbildung oder Studium in dem Beruf oder einer ähnlichen Fachrichtung
2. praktische Berufserfahrung
3. Ausbildereignungsprüfung oder Meisterprüfung bestanden
4. am besten nicht vorbestraft (oder schon sehr lange her)
5. kein Umgangsverbot mit Kindern und Jugendlichen

Bei Problem sollte immer das Gespräch mit der Kammer gesucht werden, da die zuständigen Stellen der Person nach einer eingehenden Prüfung im Normalfall so weit wie möglich entgegenkommen.

Zwei Beispiele:

  • Statt einer Berufsausbildung oder einem Studium erkennen viele Kammern auch eine außergewöhnliche lange Berufserfahrung an. Wenn jemand zum Beispiel 15 Jahre in einem Beruf praktisch tätig war, wird dies meistens auch anerkannt.
  • Sollte der Nachweis über arbeitspädagogische Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten noch nicht vorliegen, kann eine Frist vereinbart werden, in der die Ausbildereignungsprüfung nachgeholt werden kann. Die Ausbildung startet dann zum vereinbarten Termin und der Ausbilder erhält eine Frist von sechs bis zwölf Monaten, den Abschluss der Prüfung vorzuweisen.

Aber Achtung: Alle diese Ausnahmen müssen natürlich von der Kammer genehmigt werden! / Fotoquelle: fotolia.de / © New Africa

Autor: Daniela Lütke

Daniela ist 2016 zu uns gestoßen. Als Journalistin und ehemalige Unternehmensberaterin hat sie sich ein enormes Wissen zu den Themen Ausbildung, Beruf & Karriere aufgebaut und versteht es, dieses geschickt in Worte zu fassen.