Änderungen am BAföG geplant – Mehr Geld für Studenten und Schüler ab 2016?

- 22.10.2014 von Sonja Hess -

Studenten und BAföGDer Bundestag hat eine Reform des BAföG beschlossen: Zum ersten Mal seit 2010 sollen die Bedarfssätze für Auszubildende und Studenten angehoben werden. Die neuen Regelungen treten ab 2016 in Kraft.

So ändert sich der BAföG-Satz

Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass die Bedarfssätze und Einkommensfreibeträge um je 7% angehoben werden. Der maximale Fördersatz steigt damit von 670 auf 735 Euro. Außerdem soll der Wohnkostenanteil für Studenten und Auszubildende, die nicht mehr bei den Eltern leben, steigen. Selbiges gilt für den Freibetrag für das Einkommen von Auszubildenden: Wo bislang jährlich 5.200 Euro nebenher verdient werden durften, wird der Freibetrag nun auf 7.500 Euro angehoben. Zudem wird die lange bemängelte BAföG-Lücke zwischen Bachelor- und Masterstudium geschlossen, die für tausende von Studenten einen mehrmonatigen Förderungsausfall bedeutete.
Außerdem ändert sich die Zuständigkeit für das BAföG: Wurde die Ausbildungshilfe bisher zu 35% von den Ländern bezahlt, wird das BAföG bereits ab 2015 Sache des Bundes. Auf diese Weise werden die Länder um 1,2 Milliarden Euro pro Jahr entlastet.

Lebensrealität von Schülern und Studenten im Blick

Vielen BAföG-Empfängern ist die Stütze Fluch und Segen zugleich: Oft reicht der Bedarfssatz nicht für Miete und Lebenskosten, gleichzeitig liegen die Höchstgrenzen für eigene Nebenverdienste jedoch so niedrig, dass das anfallende Loch im Geldbeutel nur mit Mühe und Not gestopft werden kann. Durch die Reform wird jedoch die Wohnpauschale von 224 auf 250 Euro erhöht, die Grenze für Nebenverdienste soll auf 450 Euro angehoben werden (zuvor waren es 400 Euro). Vermögensfreibeträge werden von 2.300 auf 7.500 Euro erhöht.

Chancengleichheit und Vielfalt

Durch die erhöhten Freibeträge des Elterneinkommens werden ab 2016 rund 110.000 mehr Studenten und Auszubildende BAföG erhalten. Auf diese Weise wird die Chancengleichheit auf dem Bildungsmarkt erhöht.
Zudem werden mit der Reform Auszubildende ohne deutsche Staatsangehörigkeit sowie jungen Eltern berücksichtigt: Nicht-deutsche Auszubildende können zukünftig bereits nach 15 Monaten in Deutschland die Ausbildungsförderung beantragen; für Auszubildende mit Kindern gibt es für das erste Kind einen monatlichen Betreuungszuschuss von 130 Euro, für jedes weitere Kind folgen 85 Euro.

Wermutstropfen

Kritiker bemängeln, dass die BAföG-Reform bis zu ihrem späten Eintreten im Herbst 2016 die Chancengleichheit zunächst einmal massiv verletze: Bis zum Wirksamwerden der Veränderungen würden rund 60 000 junge Menschen gänzlich aus dem BAföG und damit aus der Chancengleichheit verdrängt. Gerade weil die kommende Reform trotz massiver Veränderungen der Einkommens- und Preisentwicklung die erste Veränderung am BAföG seit 2010 ist, fordern die Kritiker, die Freibeträge und Sätze bereits zum Anfang des Sommersemesters 2015 anzuheben – und zwar um 10%. Da der Bund den bisherigen Länderanteil bereits ab Januar 2015 übernimmt, wäre dies durchführbar. / Fotoquelle: fotolia.de / © Andrey Popov

Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können