Bezahltes Studieren – Duale Studiengänge voll im Trend

- 28.02.2013 von Sonja Hess -

Duales StudiumWährend in vielen Bundesländern die Schlacht um das für und Wider der Studiengebühren tobt, entscheiden sich immer Schulabgänger ganz pragmatisch für einen dritten Weg. Und der heißt „Duales Studium“.

Dem qualifizierten Nachwuchs eine Chance

Theorie oder Praxis? Das ist für viele Abiturienten nach dem Schulabschluss längst keine Frage mehr. Ein duales Studium bietet alles „all in one“: Praktische Berufserfahrungen sammeln, das erste eigene Geld verdienen und gleichzeitig, wissenschaftliche und theoretische Kenntnisse weiterentwickeln und einen akademischen Abschluss erwerben. War das duale Studium noch vor wenigen Jahren noch die Ausnahme, steigen die Zahlen der Studierenden längst jährlich im zweistelligen Bereich. Mittlerweile gibt es in Deutschland rund 70.000 duale Studenten, Tendenz weiter steigend.

Der Boom zum dualen Studium kommt nicht von ungefähr: Der Wunsch vieler junger Menschen nach praxisorientiertem Lernen trifft hier auf ein ganz konkretes Bedürfnis der Wirtschaft. Für viele Betriebe wird es immer schwieriger, geeignete Nachwuchskräfte zu finden, viele Ausbildungsplätze können nicht besetzt werden. Was liegt näher als selbst die Initiative zu ergreifen? Unternehmen, die duale Studiengänge anbieten, können künftige Jungakademiker frühzeitig an ihr Unternehmen binden. Die talentierten Nachwuchskräfte schulen ihr wissenschaftliches und konzeptionelles Verständnis und haben gleichzeitig die Möglichkeit, fachliche und berufliche Anforderungen von der Pike auf zu lernen und sukzessive in verantwortungsvolle Tätigkeiten, häufig auch in Führungsaufgaben, hineinzuwachsen.

Wie funktioniert ein duales Studium?

Duale Studiengänge werden in unterschiedlichen Formen angeboten. Jedes Bundesland entscheidet selbst, ob und in welcher Form es duale Studiengänge anbietet, die konkrete Ausgestaltung des Studiums liegt zudem in der Hoheit der einzelnen Bildungseinrichtungen. Grundlage ist in jedem Fall eine Kooperation zwischen ausbildendem Betrieb und (Fach)-Hochschule oder Akademie. Der Student schließt mit dem Unternehmen einen Ausbildungsvertrag ab und erhält dafür eine Ausbildungsvergütung, die in der Regel bei ca. 800 Euro im Monat liegt. Der Vertrag gilt für die gesamte Studienzeit, die je nach Studiengang 6 bis 10 Semester dauert, auch das Studieren wird sozusagen „bezahlt“. Während des dualen Studiums wechseln Theorie- und Praxisphasen einander ab und sind eng miteinander verzahnt. Das theoretisch erworbene Wissen kann immer direkt in die Praxis transferiert werden, Praxiserfahrungen können im Lernprozess verarbeitet und verstetigt werden.

Grundsätzlich wird unterschieden zwischen einem praxisintegrierten und einem ausbildungsintegrierten dualen Studium. Bei einem praxisintegrierten Studium hat der Student im Unternehmen den Status eines Praktikanten oder Volontärs, der sukzessive unterschiedliche Aufgabengebiete und Tätigkeitsfelder kennen lernt. Beim ausbildungsintegrierten Studium wird parallel zum Studium gleich noch eine Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf absolviert. Das ist eine nicht unerhebliche zeitliche und intellektuelle Herausforderung, die viel Energie und Zielorientierung erfordert – aber es lohnt sich. In der Regel noch während des Grundstudiums werden die IHK-Prüfungen abgelegt. Nach abgeschlossenem Studium kann der duale Student eine abgeschlossene Berufsausbildung und gleichzeitig den akademischen Grad eines Bachelors vorweisen – und hat in der Regel auch bereits einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Denn selbstverständlich haben die ausbildenden Betriebe ein hohes Interesse daran, die Studenten, deren Studium sie finanziert und fachlich begleitet haben, auch über Studium und Ausbildung hinaus ans Unternehmen zu binden.

Von klassisch bis exotisch

Duale Studiengänge werden in der Regel von Fachhochschulen und Berufsakademien angeboten, während sich die klassischen Hochschulen (noch) zurückhalten. Die Liste der Studiengänge wird dabei immer bunter und umfangreicher, über 900 unterschiedliche Studiengänge sind derzeit im Angebot. Besonders beliebt sind dabei „klassische“ duale Studiengänge wie z.B. Ingenieurwissenschaften in Kombination mit technischen Ausbildungsberufen oder Betriebswirtschaft in Kombination mit Tätigkeiten in Banken, Versicherungen oder im Kulturmanagement. Angewandte Medienwirtschaft lässt sich kombinieren mit kommunikationsorientierten Ausbildungsberufen, aber auch eher exotische Studiengänge wie Raumfahrttechnik oder China Management sind heute bereits als duales Studium möglich. Einen Überblick gibt es z.B. hier: http://www.duales-studium.de/programme

Duales Studium ist im Trend, die Zahl der Bewerber steigt ständig – mittlerweile können die Betriebe es sich bereits wieder leisten, wählerisch zu sein. Deswegen Achtung: Rechtzeitig, am besten noch vor dem Erhalt des Abschlusszeugnisses,auf dem Markt orientieren und Bewerbung losschicken. Oder noch besser: Bereits im Vorfeld mal in interessante Unternehmen hineinschnuppern. Nicht selten ist das Schülerpraktikum oder der Ferienjob der erste Schritt in das duale Studium und in eine erfolgversprechende berufliche Perspektive. / Fotoquelle: fotolia.de / © grafikplusfoto

Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können