Duales Studium geplant? Finanzielle Lücken trotz Ausbildungsgehalt einkalkulieren!

- 27.03.2013 von Sonja Hess -

Ausbildung und StudiumDas duale Studium hat in den vergangenen Jahren seinen Ruf als attraktive und zukunftsorientierte Ausbildungsform gefestigt: Eine an der beruflichen Praxis orientierte Ausbildung inklusive akademischem Abschluss als direkter Einstieg in eine hochwertige, berufliche Karriere ist eine feine Sache. Anders als andere Studierende hat der duale Student dank des festen Gehalts als Azubi sein gutes Auskommen, die Ausbildung finanziert das Studium sozusagen mit. So die Theorie – wenn man die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage einbezieht, sieht das in der Praxis häufig ganz anders aus.

Ist das Gehalt im dualen Studium ausreichend?

Es gibt viele gute Gründe, sich für ein duales Studium zu entscheiden. Häufig wird die Vergütung als entscheidendes Argument herangezogen. Durchschnittlich 850 Euro Gehalt zahlen Unternehmen ihren ausbildungs- oder praxisintegrierten Studenten – eine Summe, die z.B. deutlich über dem BaFöG-Höchstsatz liegt. Also alles im grünen Bereich? Das Studentenportal Wegweiser wollte es ganz genau wissen und hat 600 Absolventen dualer Studiengänge befragt. Das Ergebnis der Umfrage ist einigermaßen überraschend. Nur ganze 22% der Befragten gaben an, mit dem Gehalt, das sie erhalten, problemlos auszukommen. Fast die Hälfte der Abiturienten, die sich für ein duales Studium entschieden haben, ist auf zusätzliche Einkünfte angewiesen. In der Regel sind es – wie bei den meisten anderen Studenten – Eltern und Familie, die als zusätzliche Geldgeber einspringen. Ein geringer Prozentsatz (6%) erhält zusätzlich zur Ausbildungsvergütung Bafög, ebenfalls 6 % nehmen einen Studien- oder Bildungskredit in Anspruch. Immerhin zehn Prozent der dualen Studenten – und diese Zahl ist einigermaßen erschreckend – sind zusätzlich zu Ausbildung und Studium noch auf einen Nebenjob angewiesen.

Duales Studium – trotzdem eine gute Wahl!

Überraschende Ergebnisse, aber – so die Macher der Studie – kein Grund, an den Qualitäten eines dualen Studiums zu zweifeln. Vielmehr komme es darauf an, auch beim dualen Studium die richtigen Akzente zu setzen. Wer dual studiert, erleichtert sich den Einstieg ins Berufsleben und kann bereits während seines Studiums Praxiserfahrungen sammeln. Theoretische und praktische Ausbildung ergänzen sich – das verlässlich jeden Monat gezahlte feste Gehalt gibt dabei zusätzliche Sicherheit, aber: Lücken zwischen Einkommen und Lebenshaltungskosten kann es auch bei einem dualen Studium immer geben. Wer das weiß, kann frühzeitig über geeignete Wege nachdenken, um mögliche finanzielle Engpässe zu überbrücken. Der regelmäßige Nebenjob sollte bei einem dualen Studium jedenfalls die Ausnahme sein.

Übrigens: Bei den Gehältern, die ausbildende Unternehmen ihren Studenten zahlen, kann es recht deutliche Unterschiede geben. Große Konzerne zahlen in der Regel mehr als kleine Betriebe. Studienberater warnen – gerade auch mit Blick auf die Wegweiser-Studie – jedoch ausdrücklich davor, die Wahl des Arbeitgebers bzw. des Studiengangs vorrangig von finanziellen Aspekten abhängig zu machen. Entscheidend sollte in jedem Fall die eigene Neigung und die Qualität der Ausbildung sein – z.B. die individuelle Betreuung während der Ausbildung und die Ausbildungsbedingungen. Hier haben kleinere Betriebe – trotz möglicherweise geringerer Ausbildungsvergütung – nicht selten die Nase vorn. / Fotoquelle: fotolia.de / © Marco2811

Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können