Hartz-Zulage soll jungen Arbeitslosen eine zweite Chance geben

- 17.01.2014 von Marlen Schurr -

Arbeitslosigkeit und Hartz-IVIn Deutschland gibt es rund 1,5 Millionen Menschen im Alter von 25 bis 35 Jahren, die keine berufliche Qualifikation nachweisen können. Sie sind besonders häufig von Arbeitslosigkeit betroffen und müssen Hartz IV beziehen. Diesen Menschen als sogenannten Spätstartern eine zweite Chance zur Qualifizierung zu geben und damit neue berufliche Perspektiven zu eröffnen, ist ein erklärtes Ziel der Bundesagentur für Arbeit.

Nachqualifizierung für Spätstarter

Die Agentur hat aus diesem Grund ein besonderes Programm ins Leben gerufen, das jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss eine entsprechende Nachqualifizierung ermöglichen soll. Bis zum Jahr 2015 sollen insgesamt 100.000 Teilnehmer das Programm absolvieren können. Erste Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr liegen bereits vor. Danach konnten 31.000 Teilnehmer für eine nachträgliche Qualifizierung gewonnen werden. Immerhin ein Fünftel davon hat inzwischen eine Ausbildung in einem Betrieb begonnen. Bei den Ausbildungsberufen stehen Altenpfleger, Büroberufe, Lager- und Logistiktätigkeiten sowie Maschinen- und Fahrzeugtechnik an der Spitze. Über die Hälfte der Ausbildungen erfolgt in diesen Bereichen.

Mit dem Programm wendet sich die Bundesagentur für Arbeit vor allem an junge Menschen, die aufgrund besonderer Lebensumstände keine Qualifikation erworben haben. Häufig waren familiäre Probleme, Krankheit oder der Tod naher Angehöriger Ursache für einen fehlenden Abschluss. Zur Zielgruppe gehören auch Zuwanderer aus Osteuropa oder Afrika, deren heimische Berufsabschlüsse hier nicht anerkannt werden.

Auch Wirtschaft muss umdenken

Junge Erwachsene ohne Qualifikation finden aufgrund ihres Alters und ihrer Leistungsfähigkeit zwar häufig eine Beschäftigung, zum Beispiel in Gelegenheitsjobs. Sie sind allerdings in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten als Erste von Arbeitslosigkeit betroffen. Das Risiko, den Job zu verlieren ist hier viermal größer als bei einer qualifizierten Tätigkeit. Und um den Lebensunterhalt dauerhaft zu sichern und eine Familie zu ernähren, reichen diese Beschäftigungsverhältnisse oft nicht aus.

Auch die Wirtschaft muss flexibler werden. Die Bundesagentur für Arbeit sieht hier noch deutlichen Akzeptanzbedarf. Die Lage erscheint paradox: Einerseits werden Fachkräftemangel und Schwierigkeiten bei der Besetzung von Lehrstellen beklagt, andererseits zeigen sich viele Arbeitgeber zurückhaltend, offene Lehrstellen älteren Kräften anzubieten. Auch die starke Zertifikateorientierung der Unternehmen stellt eine nicht zu unterschätzende Hürde bei der Entwicklung hin zu einer qualifizierteren Tätigkeit dar.

Bessere finanzielle Rahmenbedingungen nötig

Das Programm lässt sich die Bundesagentur einiges kosten. 500 Mio. Euro wurden im vergangenen Jahr dafür eingesetzt. Das Geld wurde dabei vor allem zur Finanzierung der Qualifizierungsmaßnahmen verwandt. Das reicht nach Meinung von Heinrich Alt, Mitglied des Vorstands der Arbeitsagentur, aber nicht aus. Notwendig seien auch finanzielle Anreize, um Spätstartern das Durchhalten ihrer Nachqualifizierung zu erleichtern und die finanziellen Rahmenbedingungen zu verbessern.

Alt fordert daher, dass Programmteilnehmer mit Hartz IV-Bezug eine Mehraufwandsentschädigung analog zur Regelung bei Aufnahme eines Beschäftigungsverhältnisses erhalten. Konkret geht es um einen Größenordnung von 150 Euro im Monat. Damit würde ein gewisser Ausgleich dafür geschaffen, dass die Programmteilnehmer während der Qualifizierung auf Einkommen aus Gelegenheitsjobs verzichten. Bei der neuen Bundesregierung sollte diese Forderung auf offene Ohren stossen, denn die Förderung junger Erwachsener bei der Nachqualifizierung ist Bestandteil des Koalitionsvertrags. / Fotoquelle: fotolia.de / © grafikplusfoto

Autor: Marlen Schurr

Eine Autorin der ersten Stunde und Frauchen von Emma. Marlen hat Betriebswirtschaft studiert und danach lange bei einer großen Bank gearbeitet. Finanzen und Wirtschaftsthemen sind ihr Steckenpferd, auch bei der Altersvorsorge weiß sie, wovon sie schreibt. Während ihrer Elternzeit hat sie zum Glück immer wieder Zeit gefunden, sich durch Seminare und Vorträge auf dem Laufenden zu halten und arbeitet inzwischen wieder stundenweise in ihrem alten Job, getreu dem Motto „einmal Banker, immer Banker“. Wir freuen uns, dass sie auch den Weg zu uns zurückgefunden hat und wieder da ist!