Studium im Ausland – bleibt der Kindergeldanspruch bestehen?

- 20.11.2015 von Sonja Hess -

Kindergeld im AuslandStudenten haben bis zum Erreichen der Altersgrenze von 25 Jahren Anspruch auf Kindergeld, wenn sie ihren Wohnsitz in Deutschland oder in der EU haben. Auch bei einem mehrjährigen Studium im Ausland kann der Kindergeldanspruch erhalten bleiben.

Im Zuge der Globalisierung entscheiden sich immer mehr junge Menschen nach dem Abitur für die Aufnahme eines Studiums im Ausland. Einige Studenten verbringen ein oder zwei Semester an einer ausländischen Uni, andere möchten den Bachelor oder sogar das gesamte Studium bis zum Master im Ausland absolvieren. Für viele Eltern, die ihre Kinder während des Studiums finanziell unterstützen, stellt sich die Frage, ob das Kindergeld während des Auslandsstudiums weiter gezahlt wird.

Zu den grundsätzlichen Voraussetzungen für den Bezug von Kindergeld bei erwachsenen Kindern, die sich in der Ausbildung befinden, gehören eine Altersgrenze von 25 Jahren und ein Wohnsitz in Deutschland oder in einem Land, das zur Staatengemeinschaft der EU gehört. Entscheidet sich das Kind jedoch für ein Studium in einem außereuropäischen Land, das nicht dem Wirtschaftsraum der EU zuzurechnen ist, verfällt der Kindergeldanspruch. Die Familienkasse wird den Antrag auf Kindergeld ablehnen.

Zahlung von Kindergeld während des Auslandsstudiums möglich

Der Bundesfinanzhof hat sich mit der Problematik näher beschäftigt und einer Familie, deren Sohn sich für ein Studium in China entschieden hatte, das Kindergeld für einen Zeitraum von vier Jahren bewilligt. In dieser Zeit wollte der Sohn in dem asiatischen Land ein Bachelorstudium absolvieren. Die Semesterferien verbrachte er zu Hause bei seinen Eltern. Während seines gesamten Studiums behielt er seinen Wohnsitz bei den Eltern.

Plant das Kind ein Studium im Ausland, das mehrere Jahre andauern wird, muss es seinen Wohnsitz in Deutschland behalten, um weiterhin Kindergeld beziehen zu können. Maßgeblich ist dabei der Hauptwohnsitz: Bezieht das Kind an seinem Studienort im Ausland eine eigene Wohnung, darf diese nur als Nebenwohnsitz in den amtlichen Dokumenten geführt werden. Weiterhin spielt eine Rolle, dass der Student während seines mehrjährigen Auslandsstudiums den Bezug zu seinem Leben in Deutschland nicht vollkommen aufgibt. Es reicht demnach nicht aus, wenn in den amtlichen Dokumenten ein Wohnsitz im Ausland geführt wird. Der BGH sah den Bezug zu dem Leben in Deutschland in dem genannten Fall als erwiesen an, weil der junge Mann mindestens die Hälfte seiner ausbildungsfreien Zeit in Deutschland verbrachte. Dass er bei seinen Eltern wohnte und chinesische Wurzeln hatte, spielte in der Begründung keine Rolle: Auch ein Student deutscher Abstammung, der in Deutschland eine eigene Wohnung unterhält, kann während seines mehrjährigen Auslandsstudiums Kindergeld beziehen, wenn er mindestens die Hälfte seiner ausbildungsfreien Zeit in Deutschland verbringt. Dies ist gegebenenfalls nachzuweisen.

Ausbildungszeiten bis zu einem Jahr bleiben unberücksichtigt

Die genannten Regelungen beziehen sich generell auf ein Auslandsstudium, das länger als ein Jahr andauern soll. Wenn das Kind für höchstens ein Jahr ins außereuropäische Ausland geht, ist der Kindergeldbezug nicht gefährdet. / Fotoquelle: fotolia.de / © Carlos Caetano

Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können