Dass die Arbeit nicht immer Spaß macht, ist vollkommen normal. Wenn am Montagmorgen der Wecker klingelt und es draußen kalt und regnerisch ist oder der Wetterbericht 35 Grad ankündigt, hat wahrscheinlich kaum jemand Lust, zur Arbeit zu gehen. Auch nach dem Urlaub fallen die ersten Tage auf der Arbeit schwer. Eine Arbeitsphobie geht jedoch viel tiefer. Sie kann das Leben der Betroffenen negativ beeinflussen.
Was ist eine Arbeitsphobie?
Wie bei allen Phobien wird die Arbeitsphobie durch mehr oder weniger stark ausgeprägte körperliche Angstreaktionen und einem Vermeidungsverhalten charakterisiert. Zu den typischen Angstreaktionen gehören unter anderem:
- Zittern
- Schwitzen oder Frösteln
- Herzrasen
- Verspannungen
- Kopfschmerzen
- Schwindelgefühl
- Schlafstörungen
Die Symptome zeigen sich bei jedem Betroffenen anders und in unterschiedlicher Stärke. Oft kommen noch Vergesslichkeit und Konzentrationsschwierigkeiten dazu. Allein der Gedanke an die Arbeit oder den Arbeitsplatz kann zum Auftreten der Symptome führen. Typischerweise versuchen die Betroffenen Erleichterung zu finden, indem sie den Arbeitsplatz meiden. Das kann so weit gehen, dass sogar die Umgebung der Firma oder Orte gemieden werden, an denen sie Kollegen oder Vorgesetzte treffen könnten.
Was sind die Ursachen für Arbeitsphobie?
Dahinter stecken schlechte Erfahrungen, die mit dem Arbeitsplatz oder dem Arbeitsumfeld zusammenhängen. Eine der häufigsten Ursachen ist Mobbing durch Kollegen oder Vorgesetzte. Für viele Arbeitnehmer gleicht der Arbeitsalltag einem Spießrutenlauf. Tag für Tag werden sie durch Kollegen verspottet und erniedrigt. Die Situation wird verschlimmert, wenn Vorgesetzte wegschauen und nicht eingreifen. Es kommt auch vor, dass cholerische Chefs ihre Mitarbeiter anschreien und vor den Kollegen lächerlich machen. Andere Ursachen sind zum Beispiel Termindruck und Unterbesetzung oder überhöhte Anforderungen, die die Betroffenen unmöglich erfüllen können. Manchmal können auch geplante Umstrukturierungen oder Versagensängste der Auslöser für Arbeitsphobie sein.
Warum ist Arbeitsphobie so schädlich?
Weil sie weit verbreitet ist, aber von der Gesellschaft weitestgehend ignoriert wird. In den Augen der Öffentlichkeit wird Arbeit als positiv wahrgenommen. Wer fleißig seine Arbeit macht und die an ihn gestellten Anforderungen erfüllt, gilt als Vorbild. Wer dagegen weniger leistet, wird als Versager und Faulenzer abgestempelt, selbst wenn es für das Verhalten einen realen Grund gibt: die Arbeitsphobie. Das damit verbundene Vermeidungsverhalten schädigt den Betroffenen und die Firma gleichermaßen.
Arbeitsphobie führt in der Regel zu häufigen Krankschreibungen. Dabei müssen die Personen oft noch nicht einmal simulieren, denn ein über längere Zeit erhöhter Stresslevel kann tatsächlich krank machen. Er führt zum Beispiel zu Bluthochdruck oder chronischen Rückenschmerzen und begünstigt das Auftreten von Diabetes und Übergewicht. Setzt sich das Vermeidungsverhalten über längere Zeit fort, kann es zum Verlust des Arbeitsplatzes oder unter Umständen sogar zur Frühverrentung führen. Das wirkt sich nicht nur auf die Betroffenen, sondern letztendlich auch auf das Unternehmen negativ aus.
Wie kann Arbeitsphobie therapiert werden?
Zu diesem Punkt muss gesagt werden, dass Vermeidungsverhalten keine Lösung ist, sondern die Arbeitsphobie sogar noch verstärkt. Dadurch wird die Konfrontation mit dem Ereignis, das die Angst auslöst, nicht beseitigt, sondern nur hinausgeschoben. Kehrt der Betroffene an den Arbeitsplatz zurück, treten die Symptome in verstärktem Maß auf.
Wie wird Arbeitsphobie therapiert?
Die Angst vor der Arbeit oder dem Arbeitsplatz lässt sich gut behandeln, vorausgesetzt Betroffene sehen ein, dass etwas nicht stimmt und sind entschlossen, dagegen etwas zu unternehmen. Die Erfolgsaussichten sind wesentlich besser, wenn sie dabei von einer Vertrauensperson unterstützt werden. Idealerweise ist das jemand aus dem Arbeitsumfeld: ein guter Kollege oder ein verständnisvoller Vorgesetzter.
Eine Arbeitsphobie wird häufig durch konkrete Umstände am Arbeitsplatz ausgelöst, die durch Außenstehende nicht nachvollziehbar sind. Darum sind klassische Verfahren der Psychotherapie bei einer Arbeitsphobie kaum wirksam. In der Praxis hat es sich aber schon oft bewährt, wenn Betroffene so weit wie möglich im Home-Office arbeiten. Unter Umständen kann es auch helfen, den Arbeitsplatz zu wechseln, insbesondere wenn Mobbing hinter dem Auftreten der Arbeitsphobie steckt. Ein Neuanfang in einer freundlichen Arbeitsatmosphäre kann Wunder bewirken. / Fotoquelle: © Andrey_Popov – Shutterstock.com

