Berufliche Neuorientierung

- 24.04.2020 von Gaby Mertens -

Jobwechsel und BerufsberatungWenn allein schon der Gedanke an den täglichen Gang zur Arbeit quält oder sogar depressiv macht, dann ist eine berufliche Neuorientierung wahrscheinlich passende Ausweg. Doch wann, warum und wie kann sich ein Arbeitnehmer beruflich neu orientieren?

Von A wie Aufstiegsmöglichkeiten bis Z wie Zeitfaktor

Die Gründe für einen Neuanfang bei Arbeitnehmern, die eigentlich mit beiden Beinen fest im Beruf stehen, sind so verschieden, wie jeder Mensch an sich. Wo es den einen Arbeitnehmer massiv belastet, dass die Aufstiegsmöglichkeiten in seinem Job kaum gegeben sind, stört es den anderen wiederum, dass die Arbeitszeit immer mehr wird, ohne sich auf der Gehaltsabrechnung auszuwirken.

Mangelnde Flexibilität, allgemeine Unzufriedenheit, häufige Dienstreisen, wenig Zeit für die Familie oder das Privatleben, zu oft und zu viele Überstunden, keine Gehaltserhöhungen oder eine falsche Firmenpolitik – das alles können Gründe sein, warum dem Arbeitnehmer der tägliche Arbeitsweg immer schwerer fällt. Doch einfach von heute auf morgen kündigen und direkt in einem anderen Job durchstarten, ist nicht unbedingt der beste Weg. Eine berufliche Neuorientierung bedarf einiger wichtiger Überlegungen vorab, damit man letzten Endes auch wirklich so und dort Fuß gefasst hat, wie man es sich vorher erträumt hat.

Beruflicher Neuanfang – aber bitte mit Weitsicht, Realismus und einem Plan

Unabhängig, ob nun aus gesundheitlichen oder privaten Gründen oder aus Gründen der Unzufriedenheit, ein Jobwechsel mitten im Berufsleben ist kein ganz so einfaches Vorhaben. Naivität, Blauäugigkeit, Fantasterei und Selbstüberschätzung haben auf diesem Weg nichts zu suchen, sondern können im schlimmsten Fall zu einem beruflichen Super-GAU führen, welcher in eine finanziellen Lebenskrise gipfeln kann. Stattdessen sind Weitsicht, realistisches Denken, Planung und Vorbereitung der richtige Weg.

Beginnend mit einer Selbstreflexion: Warum möchte man in seinem Beruf nicht weiterarbeiten? Was stört genau, ist es das große Ganze oder sind es viele Kleinigkeiten? Soll nur das Unternehmen gewechselt werden oder wird die Ausübung eines vollkommen anderen Berufsfeldes angestrebt? Wie sehen die eigenen Möglichkeiten überhaupt aus? Auf welche Qualifikationen, Ausbildungen und Fähigkeiten kann zurückgeblickt werden? Erst wer sich mit all diesen und weiteren elementaren Fragen wirklich auseinandergesetzt sowie die passenden Antworten gefunden hat, sollte den nächsten Schritt gehen.

Die Arbeitsagentur als Ansprechpartner

Die Arbeitsagentur ist nicht nur bei Arbeitslosigkeit der richtige Ansprechpartner. Auch Arbeitnehmer mit dem Wunsch zur beruflichen Neuorientierung tun gut daran, dort ein Beratungsgespräch wahrzunehmen. Gemeinsam mit einem Berufsberater kann hier am besten ermittelt werden, wie und wohin es jobmäßig weitergeht. Das gilt ebenfalls für diejenigen, die schon ganz genau wissen, wohin es gehen soll. Bei der Arbeitsagentur wird nämlich unter anderem auch geklärt, ob für die berufliche Neuorientierung eine Umschulung absolviert werden muss. Gleiches trifft auch auf mögliche Praktika, Fortbildungen und weiteres zu.

Vom Jobfinder und Quereinsteiger

Die Arbeitsagentur bietet überdies auch einen besonderen Jobfinder-Test an. Denn nicht jedem, der auf der Suche nach neuen Aufgaben ist, sind die Berufszweige klar, die sich für ihn eignen und nicht jeder weiß, was sein künftiger Traumjob sein könnte. Mit Hilfe der Testfragen kann dieser aber ermittelt werden.

Und in vielen Branchen werden sogenannte Quereinsteiger immer beliebter. Also Arbeitnehmer, die in diesem Berufsfeld keine Ausbildung gemacht haben und dennoch jetzt mitten im Berufsleben, die Sparte wechseln möchten. Das liegt zum einen daran, dass in vielen Bereichen der Nachwuchs fehlt und zum anderen handelt es sich bei Quereinsteigern in der Regel um Personen, die bereits auf einen schönen beruflichen Background (Berufserfahrung, Wissen) zurückblicken können und deren tiefster Wunsch es ist, in genau diesem neuen Bereich zu arbeiten.

Sicherlich möchte ein Großteil der neuen Arbeitgeber innerhalb des Bewerbungsgesprächs erfahren, warum ein Quereinstieg bzw. Umstieg angestrebt wird, weshalb es für den Bewerber unbedingt ratsam ist, sich entsprechend mit dieser Art der Befragung im Gespräch auseinanderzusetzen.

Was gestern noch eine Zusage garantierte, bewirkt heute möglicherweise eine Absage

Der Wunsch nach einer beruflichen Neuorientierung entwickelt sich vor allem bei Arbeitnehmern, die bereits viele Jahre in ihrem aktuellen Job gearbeitet haben. Ab etwa 30 Jahren liegen Bewerbungen schreiben, Einstellungstests und Einstellungsgespräche schon einige Zeit in der Vergangenheit. Daher kann ein Bewerbungskurs das Zünglein an der Waage sein, um die Chancen auf den neuen Job zu erhöhen. / Fotoquelle: © Monster Ztudio – Shutterstock.com

Autor: Gaby Mertens

Auch Gaby war in der Versicherungsbranche tätig und hat schreibt schon seit 2011 für unser Magazin. Nach einer längeren Auszeit im Ausland ist sie nun wieder da, und wir freuen uns, dass sie uns wieder mit ihren Texten unterstützt und immer eine Tüte Gummibärchen für die Kollegen bereithält.