Berufliche Umschulung

- 14.08.2019 von Sonja Hess -

Berufswechsel und QualifikationNoch vor einer Generation war es üblich, dass die meisten Arbeitnehmer in ihrem erlernten Beruf auch in Rente gingen. Jemand, der häufig wechselte, galt als unzuverlässig und instabil. Heute dagegen gibt es viele berufliche Wechsel und jedes Jahr durchlaufen unzählige Arbeitnehmer eine berufliche Umschulung. Dafür gibt es die unterschiedlichsten Gründe.

Was sind das für Gründe?

Die Beweggründe für eine Umschulung können persönlicher oder betrieblicher Natur sein. Wer zum Beispiel nur eine Stelle als Hilfsarbeiter hat, kann durch eine Umschulung aufsteigen und eine Position als Facharbeiter bekommen. Wer bereits Facharbeiter ist, erhält die Chance, sich durch eine Umschulung zum Meister zu qualifizieren. Manchmal ist ein Arbeitnehmer auch einfach nicht zufrieden mit seiner Tätigkeit. Durch eine berufliche Umschulung kann er sich verändern und eine neue Tätigkeit ausüben, die mehr Spaß macht. Zufriedenheit im Job trägt sehr zum allgemeinen Wohlbefinden bei. Schließlich verbringen die meisten Menschen mehr Zeit auf der Arbeit und mit den Kollegen als mit der Familie.

Es kommt aber auch vor, dass die Firma eine Umschulung anbietet, wenn beispielsweise neue Maschinen oder Technologien eingeführt werden, für das die Mitarbeiter ausgebildet werden müssen. In anderen Fällen ist ein Mitarbeiter wegen seiner charakterlichen Eignung für eine Umschulung vorgesehen, kann die neue Tätigkeit aber erst nach einer Umschulung ausüben. Manchmal zwingen auch persönliche Umstände wie Krankheiten, Unfälle oder Arbeitslosigkeit zu einer beruflichen Umschulung.

Was sind die Voraussetzungen für eine Umschulung?

Arbeitnehmer, die daran denken, sich durch eine Umschulung zu verändern, müssen das 18. Lebensjahr vollendet haben. Für nahezu alle Umschulungs- und Qualifizierungsmaßnahmen sind sehr gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift eine Grundvoraussetzung. Je nach der Art der Umschulung kann der Förderträger auch auf eine abgeschlossene Berufsausbildung bestehen.

Eine Altersbegrenzung für Umschulungen gibt es nicht. Wenn ein Interessent jedoch kurz vor dem Eintritt in den Ruhestand steht, ist es fraglich, ob unter diesen Umständen eine Umschulung noch sinnvoll wäre. Außerdem sollte der Arbeitnehmer vor Beginn der Umschulung wissen, ob er den physischen und psychischen Anforderungen des neuen Jobs überhaupt gewachsen ist. Beispielsweise sollte jemand mit massiven Problemen der Wirbelsäule keine Umschulung zur Pflegekraft anstreben. Für eine alleinerziehende Mutter mit Kindern wäre eine Umschulung zu einer Stelle im Schichtdienst wenig sinnvoll. Eine grundsätzliche Umschulung in alle Berufe ist deswegen nicht möglich, da viele Berufe Anforderungen stellen, die nicht jeder erfüllen kann.

Welche Arten von Umschulungen gibt es?

Je nach Art der Umschulung sind verschiedene Modelle möglich. Bietet beispielsweise der Arbeitgeber eine Umschulung an, handelt es sich häufig um Kurzlehrgänge, die nur ein paar Tage dauern (Schweißerpass, Staplerschein, Brandschutzbeauftragter). Die Maßnahmen finden fast immer in Vollzeit statt. Die Teilnehmer erhalten eine bezahlte Freistellung vom Arbeitgeber. Das trifft auch auf längere Umschulungsmaßnahmen wie Umschulung zum Meister oder Qualitätsprüfer zu.

Wer Umschulungen privat in Angriff nimmt, kann dafür entweder Bildungsurlaub in Anspruch nehmen, der in einigen Bundesländern gewährt wird, er muss seine Freizeit oder den Urlaub opfern oder kann eine unbezahlte Freistellung beantragen.

Sehr viele Lehrgänge werden auch als Fernstudium angeboten. Nur zu Tests oder Prüfungen ist es dann notwendig, die Ausbildungsstätte zu besuchen. Oft ist ein Fernstudium oder ein Fernlehrgang die einzige Möglichkeit zur Umschulung für in Vollzeit beschäftigte Arbeitnehmer. Allerdings kostet das dann besonders viel Willenskraft und Energie und dauert auch erheblich länger als ein Direktstudium.

Wer finanziert die Umschulung?

Wenn der Arbeitgeber oder die Agentur für Arbeit eine Umschulung vorschlagen, übernehmen sie auch die Kosten dafür. Oft verpflichten sie jedoch den Arbeitnehmer im Gegenzug dazu, nach der Umschulung eine gewisse Zeit lang im neuen Beruf bzw. der Firma zu arbeiten, sonst muss ein Teil der Kosten zurückerstattet werden. Ähnliches kann auch passieren, wenn der Teilnehmer die Abschlussprüfung nicht bestehen sollte.

Wer eine private Umschulung plant, muss sich auch selbst um die Finanzierung kümmern. In diesem Fall gibt es verschiedene staatliche Förderungen wie zinsgünstige Bildungskredite von der KfW Bank oder Privatbanken oder auch das sogenannte Aufstiegs-BAföG. Wer eine Umschulung plant, sollte sich rechtzeitig vorher bei der Arbeitsagentur oder einem Bildungszentrum informieren. Die Beratung dort ist kostenlos. Die Experten können einschätzen, ob eine Umschulung im Einzelfall sinnvoll ist und welche Möglichkeiten es zur Förderung und Finanzierung gibt. / Fotoquelle: fotolia.de / © stadtratte

Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können