Digitale Nomaden

- 30.12.2019 von Daniela Lütke -

Homeoffice und ArbeitserlaubnisIn den Medien ist immer öfter von digitalen Nomaden die Rede. Mit dem Begriff hat sich bereits ein Klischee verknüpft: Junge Backpacker, die um die Welt reisen und auf sozialen Kanälen von ihren Erlebnissen berichten. Damit und mit Gelegenheitsarbeiten vor Ort finanzieren sie ihren Lebensunterhalt.

Was sind digitale Nomaden tatsächlich?

Das Klischee spiegelt nur einen Teil der Realität wieder. Als digitale Nomaden werden alle bezeichnet, die ihr Geld online und das unabhängig von einem bestimmten Ort verdienen. Nicht alle Menschen aus dieser Kategorie ziehen von Ort zu Ort wie Nomaden (daher der Name). Viele arbeiten auch einfach von zuhause aus. Sie sind fest an ihrem Wohnort verwurzelt und leben im Alltag genauso wie ihre Mitbürger.

Sind alle digitalen Nomaden Freiberufler?

Die meisten schon, allerdings nicht alle. Einige von ihnen sind auch fest angestellt. Das betrifft insbesondere Journalisten und Korrespondenten, die aus aller Welt berichten. Leitende Angestellte großer Firmen sind vielfach auch digitale Nomaden. Sie reisen ständig umher von einer Niederlassung zur nächsten, denn heute unterhalten selbst mittelständische Unternehmen Filialen im Ausland.

Die Arbeitsbedingungen dieser fest angestellten Personen sind für gewöhnlich vertraglich geregelt. Ihre Firma kümmert sich um solche Dinge wie Krankenversicherung, Unterkunft, Arbeitserlaubnis und andere rechtliche Dinge. Transportkosten zum und vom Einsatzort werden in der Regel auch übernommen. Es gibt bezahlten Urlaub, eine Renten- und Pflegeversicherung wie bei jedem anderen Arbeitnehmer auch. Wenn sich der Arbeitgeber in Deutschland befindet, gelten die deutschen Bestimmungen, unabhängig von Einsatzort oder Tätigkeit des Arbeitnehmers. Freiberufler und Selbstständige haben es hierbei nicht so gut. Sie müssen sich um alles selbst kümmern.

Welche Tätigkeiten üben digitale Nomaden aus?

Die Klassiker, die es bereits vor dem digitalen Zeitalter gab, sind Schriftsteller und Journalisten. Digitale Nomaden im eigentlichen Sinn sind aber alle, die ausschließlich im Internet arbeiten. Die folgende Aufzählung stellt nur eine kleine Auswahl dar:

  • Webseiten-Designer
  • Grafiker
  • Softwareentwickler
  • Blogger
  • Übersetzer
  • Texter
  • Betreiber von Onlineshops

Ständig ergeben sich neue Möglichkeiten. Es gibt sogar Friseure oder Pizzabäcker, die ihre Dienstleistungen online anbieten und von Kunde zu Kunde ziehen.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Die technischen Voraussetzungen sind relativ gering. Digitale Nomaden benötigen im Grunde genommen nur einen leistungsfähigen Laptop und einen mobilen Drucker. In den meisten besseren Hotels überall auf der Welt gibt es WLAN, oft sogar kostenlos. Wo das nicht verfügbar ist, können mobile WLAN-Router verwendet werden. Das sind kompakte Router mit integrierten Akku und einem Steckplatz für eine SIM-Karte. Darin wird eine lokale SIM-Karte eingesetzt, die ein WLAN-Netzwerk aufbaut.

Bei den beruflichen und charakterlichen Voraussetzungen sind die Anforderungen wesentlich höher. Wer als digitaler Nomade sein Geld verdienen möchte, sollte wirklich gut in seinem Job sein. Es gibt immer Konkurrenten und der Wettbewerb online ist härter als in der örtlichen Firma. Am besten ist es, klein anzufangen, um zu sehen, ob es sich lohnt.

Auf die Dauer halten digitale Nomaden nur durch, wenn sie gut in ihrem Job sind, Spaß daran haben und genügend diszipliniert und motiviert sind, um auch bei schönstem Badewetter zu arbeiten.

Welche rechtlichen Dinge sind zu beachten?

Wer im Ausland arbeiten möchte, benötigt eine Arbeitserlaubnis. Innerhalb der EU ist das kein Problem, außerhalb müssen die jeweiligen Bestimmungen des Gastlandes beachtet werden. Das gilt auch für die zeitweilige oder ständige Aufenthaltserlaubnis. Ein weiterer Aspekt ist die Krankenversicherung. Eine gewöhnliche Auslandskrankenversicherung reicht nicht aus, es wird eine weltweit gültige Krankenversicherung benötigt. Die kann in der Regel für maximal 5 Jahre abgeschlossen werden und kostet ab ca. 50 Euro/Monat. Um Altersvorsorge und Pflegeversicherung müssen sich digitale Nomaden selbst kümmern.

Welche Vor- und Nachteile haben digitale Nomaden?

Sie können dort leben und arbeiten, wo andere Urlaub machen, sei es in Thailand, auf den Bahamas oder in Kenia. Dort warten eine Vielfalt von Eindrücken auf sie. Das Wetter ist meist besser als in Deutschland.

Nachteilig ist, dass digitale Nomaden oft einsam sind. Es fällt schwer, soziale Beziehungen zu etablieren. In fremden Ländern existiert die Sprachbarriere. Sitten und Gebräuche sind anders als zuhause. Es fehlen die Familie und Verwandten. Neue Freunde zu finden, ist nicht einfach und Weihnachten unter Palmen zu feiern, verliert nach ein paar Mal seinen Reiz. Über kurz oder lang stellt sich in den meisten Fällen Heimweh ein. Darüber hinaus müssen digitale Nomaden mit allen Nachteilen wie andere Selbständige auch fertig werden. / Fotoquelle: © rawiwano – Shutterstock.com

Autor: Daniela Lütke

Daniela ist 2016 zu uns gestoßen. Als Journalistin und ehemalige Unternehmensberaterin hat sie sich ein enormes Wissen zu den Themen Ausbildung, Beruf & Karriere aufgebaut und versteht es, dieses geschickt in Worte zu fassen.