Zwar schaffte Niedersachsen als letztes Bundesland zu Beginn des Wintersemesters 2014/15 die Studiengebühren ab, trotzdem ist Studieren nicht gerade billig. Laut den Berechnungen des Studentenwerks betrugen die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten eines Vollzeitstudenten im Jahr 2012 fast 800 Euro im Monat. Das war vor der Explosion der Mietpreise und der Inflation. Daher überrascht es nicht, dass viele Studenten ihr Einkommen durch einen Nebenjob aufbessern müssen. Im Prinzip ist das möglich, wenn ein paar Dinge beachtet werden.
Was sagt die Universität oder die Hochschule?
Die Uni oder Hochschule, an der man immatrikuliert ist, stellt sozusagen den Arbeitgeber dar. Er muss mit dem Nebenjob einverstanden sein. Während der Vorlesungszeit dürfen deshalb an den meisten Hochschulen Studenten maximal 20 Stunden pro Woche in einem Nebenjob arbeiten. Sie sind schließlich in erster Linie zum Studium an der Hochschule. Außerdem darf das Studium nicht unter dem Nebenjob leiden. In den Semesterferien sind die Bestimmungen gelockert. Für Werkstudenten gelten großzügigere Bestimmungen.
Die Nebentätigkeit darf sich jedoch auf keinen Fall negativ auf das Studium auswirken. Unter Umständen kann sich die Hochschule das Recht vorbehalten, die Ausübung eines Nebenjobs zu verbieten.
Wer ein Stipendium oder Fördergelder eines Bildungsfonds bezieht, sollte sich zum Thema Nebenjob rechtzeitig vor Aufnahme einer Nebentätigkeit erkundigen. Bei Verstößen gegen die Bestimmungen kann die finanzielle Unterstützung gestrichen werden.
Wie hoch ist die Verdienstgrenze für studentische Nebenjobs?
In dieser Beziehung sind Studenten allen anderen Arbeitnehmern gleichgestellt. Wenn sie einen Minijob ausüben, dürfen sie im Jahr 2024 bis zu 538 Euro im Monat dazuverdienen, ohne dass sie Steuern und Versicherungsbeiträge bezahlen müssen. Bis zu dieser Einkommensgrenze können sich Studenten ebenfalls in der GKV der Eltern im Rahmen der kostenlosen Familienversicherung versichern lassen. Übersteigt das Einkommen dauerhaft diese Grenze, müssen Studenten eine eigene Krankenversicherung abschließen. Diese studentische Krankenversicherung kostet aktuell zwischen 90 und 101 Euro im Monat.
Wie sieht die Situation für Empfänger von BAföG aus?
Jede Veränderung der Einkommenssituation muss von BAföG-Empfängern an das zuständige Amt für Ausbildungsförderung gemeldet werden. Das gilt auch für die Aufnahme einer Nebentätigkeit. Hierbei gilt aktuell eine Verdienstgrenze von 520 Euro im Monat. Einkommen, das diese Grenze übersteigt, wird mit dem BAföG verrechnet.
Dürfen Studenten als Selbstständige oder Freiberufler arbeiten?
Wie jedem anderen Arbeitnehmer steht auch Studenten diese Möglichkeit offen. Sie müssen jedoch ein paar Besonderheiten beachten. Wenn sie noch in der krankenversichert sind, dürfen das monatliche Einkommen 505 Euro und die wöchentliche Arbeitszeit 20 Stunden nicht übersteigen. Werden diese Limits überschritten, geht die Krankenkasse von einer hauptberuflichen Tätigkeit aus und der Student muss sich eigenständig krankenversichern. Selbstständige und Freiberufler sind zudem verpflichtet, ihre Tätigkeit beim Finanzamt anzumelden und eine Steuernummer zu beantragen. Für eine Reihe von Tätigkeiten ist ein Gewerbeschein erforderlich.
Was gilt für kurzfristige Nebenjobs?
Viele Studenten arbeiten nur vorübergehend in einem Nebenjob, meist während der Semesterferien oder einer längeren Zeit ohne Vorlesungen. Für befristete Nebentätigkeiten gelten die oben aufgeführten Beschränkungen nicht, vorausgesetzt, sie werden nicht länger als 3 Monate oder 70 Arbeitstage pro Kalenderjahr ausgeübt.
Vor- und Nachteile von Nebenjobs während des Studiums
Der offensichtlichste Vorteil eines Nebenjobs besteht darin, dass er eine zusätzliche Einkommensquelle darstellt und die finanzielle Situation verbessert. Dazu kommen noch weitere positive Effekte. Bei der Arbeit können Studenten erste praktische Erfahrungen sammeln. Auch im Lebenslauf macht sich ein Nebenjob gut. Er beweist Personalern, dass der Betreffende zielstrebig ist, gut mit seiner Zeit umgehen kann und bereits Erfahrungen mit der Arbeitswelt besitzt. Darüber hinaus hilft ein Nebenjob auch dabei, soziale Kontakte außerhalb der Uni zu knüpfen. Eines Tages können sich diese Kontakte als wertvoll erweisen.
Nachteilig bei studentischen Nebenjobs ist, dass sie Kraft und Zeit erfordern, die dann für das Studium fehlt. Vollzeitstudenten, die zusätzlich einen Nebenjob ausüben, dürften in der Regel kaum noch Freizeit haben. Es ist gut möglich, dass sich dadurch die Studienzeit verlängert. Zumindest ist eine vermehrte Kraftanstrengung notwendig, um das Studium erfolgreich abzuschließen. / Fotoquelle: © fizkes – Shutterstock.com

