Durchsetzungsfähigkeit im Job

- 08.12.2023 von Daniela Lütke -

Meeting und DiskussionenIm Arbeitsalltag agieren eine Vielzahl von Menschen zusammen, die aus ganz unterschiedlichen sozialen Schichten und Gruppen stammen. Unter solchen Umständen ist es kein Wunder, dass es zu denselben Fragen und Problemen häufig unterschiedliche Meinungen gibt. Wenn man von der Weisungsbefugnis der Vorgesetzten einmal absieht, gewinnt in Diskussionen oder im Streit nicht unbedingt die beste Meinung, sondern die, die sich am besten durchsetzen kann.

Was ist Durchsetzungsvermögen?

Es handelt sich um eine Charaktereigenschaft, die auch Beharrlichkeit oder Entschlossenheit genannt wird. Bei manchen Menschen ist sie stark ausgeprägt, bei anderen dagegen nicht so sehr. Mit Durchsetzungsfähigkeit oder Durchsetzungsvermögen wird die Fähigkeit bezeichnet, eigene Ziele, Interessen und Absichten auch gegen Widerstände zu erreichen und sich für sie einzusetzen. Menschen mit Durchsetzungsvermögen lassen sich durch Hindernisse oder Widerstände nicht abschrecken. Sie verfolgen die von ihnen gesteckten Ziele und ändern höchstens die Methode, um das Ziel zu erreichen.

Woran erkennt man Menschen mit Durchsetzungsfähigkeit?

Viele denken, an ihrem lauten, herrischen Auftreten und imponierendem Verhalten. Das stimmt jedoch nicht. Im Gegenteil, derartige Verhaltensweisen dienen oft dazu, eine innerliche Unsicherheit zu verdecken und Stärke dort vorzutäuschen, wo in Wirklichkeit keine vorhanden ist. Menschen mit Durchsetzungsvermögen strahlen Selbstbewusstsein aus. Sie scheuen sich nicht, bei Diskussionen oder Streitgesprächen ihre Meinung zu sagen und diese auch dann zu vertreten, wenn sie angegriffen werden.

Selbst bei hitzigen Diskussionen behalten sie den sprichwörtlichen kühlen Kopf und argumentieren ruhig und sachlich. Ihre Argumente sind stets sachlich begründet oder basieren auf logischen Gesetzen. Sie versuchen nicht, ihren Standpunkt zu vertreten, indem sie die anderen mit ihrer Lautstärke übertönen oder sie beleidigen, sondern indem sie die ‘Gegner’ durch ihre Argumente überzeugen. Selbstbewusste Menschen versuchen auch nicht, immer und unter allen Umständen ihren Willen durchzusetzen. Sie sind durchaus begründeten Argumenten der Gegenseite zugänglich und fassen Kritik konstruktiv auf. Man muss auch nicht unbedingt immer recht haben. Manchmal ist es besser, nachzugeben. Das spart Zeit und Nerven, zumindest wenn es sich mit den langfristig gestellten Zielen vereinbaren lässt.

Wie wichtig ist die Fähigkeit, sich durchzusetzen?

Diese Fähigkeit gehört zu den sogenannten Soft Skills und wird im Arbeitsalltag immer mehr geschätzt. Nach wie vor ist Durchsetzungsvermögen natürlich für Führungskräfte besonders wichtig, weil sie ja zum Beispiel ihre Anweisungen in die Praxis umsetzen oder mit Geschäftspartnern verhandeln müssen. Doch auch gewöhnliche Mitarbeiter benötigen Durchsetzungsvermögen, denn immer mehr Unternehmen setzen auf Teamwork und eine flache Hierarchie. Das bedeutet, die Meinung der Mitarbeiter ist gefragt. Diese müssen natürlich eine eigene Meinung haben und es verstehen, sie auch zu vertreten, mit anderen Worten, andere von der Richtigkeit ihrer Auffassung zu überzeugen.

Menschen, die sich nicht durchsetzen können und zu allem Ja sagen oder keine eigene Meinung haben, erfahren im Allgemeinen im Alltag und im Berufsleben keine hohe Wertschätzung. Das kann ein ernstes Hindernis für die berufliche Entwicklung werden. Auch im Privatleben ist es gut, wenn man Durchsetzungsvermögen hat. Das können zum Beispiel alle Eltern von Teenagern bestätigen.

Wie wird Durchsetzungsvermögen trainiert?

Am wichtigsten sind Wissen und gute Vorbereitung. Wer seinen Standpunkt erfolgreich gegen Widerstände vertreten will, muss ihn auf Fakten basieren. Dazu muss man erst einmal genau wissen, worum es geht. Das allein genügt jedoch nicht. Wer eine ernsthafte Diskussion für sich entscheiden möchte, muss sich darauf gut vorbereiten. Er oder sie muss sich mit den Argumenten der Gegenseite auseinandersetzen und darauf treffende Antworten bereit haben.

Beim Durchsetzungsvermögen kommt es jedoch nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf die Form an. Damit ist in diesem Zusammenhang die Körpersprache gemeint. Selbstbewusste Körpersprache zeigt sich durch eine aufrechte Haltung, eine laute und deutliche Sprache und Blickkontakt zum Gesprächspartner. Anzeichen von Nervosität deuten dagegen auf Unsicherheit hin. Sehr wichtig ist auch, zu lernen, das Wort Nein zu sagen. Wer mit zu allen Dingen Ja und Amen sagt, tut sich selbst keinen Gefallen. Solche Personen werden höchstens ausgenutzt und insgeheim nicht ernst genommen. / Fotoquelle: © fizkes – Shutterstock.com

Autor: Daniela Lütke

Daniela ist 2016 zu uns gestoßen. Als Journalistin und ehemalige Unternehmensberaterin hat sie sich ein enormes Wissen zu den Themen Ausbildung, Beruf & Karriere aufgebaut und versteht es, dieses geschickt in Worte zu fassen.