Eine Ausbildung abbrechen? – Die Gründe und Folgen

- 17.06.2020 von Sonja Hess -

Berufswahl und KündigungsfristÜberraschend viele Auszubildende brechen ihre Ausbildung ab. Nach neueren Erhebungen entscheidet sich jeder vierte für einen Abbruch der Ausbildung, Tendenz steigend. Diesen Schritt sollte sich jeder genau überlegen, denn er hat weitreichende Folgen. Selbst nach Jahren kann er sich negativ auf die weitere Karriere auswirken.

Darum werden Ausbildungen abgebrochen

Eine gründliche Berufswahl und eine genaue Information über die zukünftige Tätigkeit kann einen leider Praxisschock nicht verhindern. Der Beruf ist auf den ersten Blick attraktiv, doch in Wirklichkeit entpuppt sich die Arbeit als öde und langweilig. Eine falsche Berufswahl ist ein wichtiger Grund für einen Abbruch. Hinzu kommen gelegentlich noch gesundheitliche Gründe: Eine angehende Friseurin stellt fest, dass das lange Stehen ihre Beine schädigt oder ein Bäcker reagiert allergisch auf den Mehlstaub. Manche Krankheiten haben nichts mit dem Beruf zu tun. Auch wenn eine junge Frau kurz nach dem Ausbildungsbeginn schwanger wird, ist das oft ein Grund, die Ausbildung abzubrechen.
Neben diesen persönlichen Gründen kommen häufig Probleme mit dem Betrieb vor. Der Auszubildende versteht sich nicht mit dem Vorgesetzten oder die lange Fahrtzeit wird zu einer Belastung.

Eine Ausbildung korrekt abbrechen

Einfach nicht mehr auf der Arbeit zu erscheinen ist keine gute Strategie. Wer sich gegen die begonnene Ausbildung entscheidet, sollte dabei zumindest korrekt vorgehen. Zunächst einmal ist zu beachten, wie lange die Ausbildung schon besteht. Die ersten vier Wochen gelten in der Regel als Probezeit. Innerhalb dieses Zeitraumes ist eine Kündigung ohne Angaben von Gründen und ohne eine Kündigungsfrist möglich. Geschieht die Kündigung nach diesem Zeitraum, beträgt die Frist vier Wochen. Nach der Kündigung muss der Auszubildende also weitere vier Wochen regelmäßig zur Arbeit gehen.

Eine Kündigung muss schriftlich auf Papier erfolgen. Einfach eine E-Mail zu schreiben oder eine WhatsApp-Nachricht zu senden genügt nicht. Also das Textverarbeitungsprogramm öffnen, die Kündigung freundlich formulieren und ausdrucken. Die Unterschrift darf nicht vergessen werden. Bei Minderjährigen unterschreibt auch der gesetzliche Vertreter. Nach der Probezeit müssen auf der Kündigung auch die Gründe genannt werden. Die Kündigung sollte dann mit der Post geschickt oder persönlich übergeben werden. Dabei sollte ein Zeuge anwesend sein. Ausnahmsweise ist auch eine fristlose Kündigung möglich. Dabei muss ein schweres Fehlverhalten vorliegen, sodass dem Auszubildenden die Fortsetzung der Ausbildung bis zum Ende der Kündigungsfrist nicht zugemutet werden kann.

So geht es nach der Kündigung weiter

Eine fristgerechte Kündigung sollte erst erfolgen, wenn der Auszubildende weiß, wie es weitergeht. Optimal hat sie oder er schon einen anderen Ausbildungsplatz oder ein Studienplatz in Aussicht.
Unter anderem gibt es folgende Optionen:

Die nachfolgende Ausbildung kann sofort und ohne Wartezeit begonnen werden. Falls momentan keine weitere Ausbildung geplant ist, führt der erste Weg zur Bundesagentur für Arbeit. Dort muss man sich arbeitslos bzw. arbeitsuchend melden. Das ist vor allem wichtig, wenn die Ausbildung länger als ein Jahr bestanden hat. In diesem Fall besteht unter Umständen ein Anspruch auf Arbeitslosenhilfe. Hat der Arbeitssuchende allerdings selbst gekündigt, bekommt er eine Sperrzeit von drei Monaten. Diese lässt sich umgehen, wenn der Antragsteller nachweisen kann, dass die Kündigung unvermeidbar war, etwa wegen Mobbings.

Auch andere Stellen müssen von der Kündigung benachrichtigt werden. Dazu gehören die Berufsschule, die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer und andere Stellen, die an der Ausbildung mitwirken. Das übernimmt in der Regel der ehemalige Ausbildungsbetrieb. Welche Stellen das sind, hängt von der Art der abgebrochenen Ausbildung ab.

Den Abbruch einer Ausbildung genau überlegen

Eine Ausbildung abzubrechen macht sich in einem Lebenslauf nicht besonders gut. Bei späteren Vorstellungsgesprächen muss man damit rechnen, dass das zur Sprache kommt. Sollte es in irgendeiner Form bei der Ausbildung Probleme geben, ist es besser, zunächst das direkte Gespräch zu suchen. Der erste Ansprechpartner ist der Arbeitgeber. Hilfreich können auch die Berufsschulen oder die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit sein. Erst wenn sämtliche Hilfen und Beratungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, sollte der Schritt einer Kündigung in Erwägung gezogen werden. / Fotoquelle: © mavo – Shutterstock.com

Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können