Essen am Arbeitsplatz

- 06.05.2020 von Sonja Hess -

Essen und PausenraumBeim Thema Essen am Arbeitsplatz scheiden sich die Geister. In manchen Betrieben ist es üblich, dass der Mitarbeiter während er am Computer tippt, nebenbei einen Apfel oder einen kleinen Snack zu sich nimmt. Andere Chefs sind strikt dagegen und schicken Angestellten, die trotzdem zwischendurch essen, eine Abmahnung.

Für die Nahrungsaufnahme am Arbeitsplatz gibt es keine allgemeinen Vorschriften

Es gibt keine klaren Vorgaben für die Nahrungsaufnahme am Arbeitsplatz. Der Arbeitgeber kann dies erlauben oder verbieten. Natürlich hat sich der Mitarbeiter daran zu halten, selbst wenn keine schriftliche Vereinbarung vorliegt. Handelt er entgegen den Wünschen seines Chefs, muss er mit einer Rüge, einer Abmahnung und bei Uneinsichtigkeit sogar mit der Kündigung rechnen.

Es gibt bestimmte Fälle, in denen verbietet es sich von selbst, keine Nahrung zu sich zu nehmen. Wer zum Beispiel in einer Behörde mit viel Kundenverkehr arbeitet, tritt dem Kunden besser nicht mit vollem Mund entgegen. In manchen Betrieben ist das Essen während der Arbeit schon aus hygienischen Gründen untersagt. Oft ist Essen sogar ein Sicherheitsrisiko, etwa wenn beide Hände zum Bedienen schwerer Maschinen benötigt werden.

Nicht immer gibt es einen konkreten Grund, warum der Arbeitgeber das Essen und Trinken verbietet. Manche fürchten einfach, dass dadurch die Konzentration leidet.

Wer haftet bei Schäden durch Lebensmittel?

Durch Essen und Trinken am Arbeitsplatz können Schäden an Maschinen entstehen. Hier stellt sich die Frage der Haftung. In Betrieben gilt die sogenannte beschränkte Arbeitnehmerhaftung. Wird durch Brotkrümel eine Maschine in einem Wert von hunderttausend Euro stark beschädigt, muss der Arbeitnehmer diese normalerweise nicht ersetzen. Das wäre unverhältnismäßig. Oft handelt es sich aber nur um einen Laptop oder einen Drucker. In diesem Fall richtet sich der Schaden nach dem Grad der Fahrlässigkeit. Wenn der Mitarbeiter seinen Kaffee neben dem Laptop trinkt und ihn verschüttet, kann man das durchaus als grobe Fahrlässigkeit ansehen. In diesem Fall müsste er den Schaden ganz ersetzen. Solche Fälle landen häufig vor dem Arbeitsgericht. Es ist für einen juristischen Laien nicht immer leicht zu erkennen, ob es sich um eine leichte, mittlere oder grobe Fahrlässigkeit handelt. Hat der Mitarbeiter hingegen aus Ärger über seinen Chef seinen Kaffee über die Maschine geschüttet, stellt sich die Frage der Haftung gar nicht. In diesem Fall kommt selbstverständlich der Verursacher für den Schaden auf.

Beim Essen während der Arbeitszeit aufeinander Rücksicht nehmen

Selbst wenn Essen und Trinken erlaubt ist, sollten die Mitarbeiter aufeinander Rücksicht nehmen. Manche lieben Zwiebeln oder Knoblauch. Sie würzen damit den Salat, das Butterbrot oder das Schinkensandwich. Doch nicht jeder mag diese Gerüche. Wer am Arbeitsplatz nehmen einem Mitarbeiter sitzen muss, der jeden Tag einen stark riechenden Snack zu sich nimmt, dem wird die Arbeit bald keinen Spaß mehr machen.

Ein Snack bei der Arbeit ist also besser neutral im Geruch. Gegen einen Apfel oder ein Schinkenbrot ist wenig zu sagen. Anders sieht es aus, wenn sich der Angestellte jeden Tag ein kräftig gewürztes Gulasch mit zur Arbeit nimmt, dessen Geruch noch lange im Raum nachhängt. Zur gegenseitigen Rücksichtnahme gehört auch die Art der Nahrungsaufnahme. In manchen Kulturkreisen gehört Rülpsen zum guten Ton. In Deutschland ist das nicht der Fall und manche Mitarbeiter könnten sich dadurch gestört fühlen. Wer beim Essen laut schmatzt, kann ebenso Ärger bekommen wie der Mitarbeiter, der seine fettigen Speisen mit den Fingern isst und danach die Tastatur bedient. Fühlt sich ein Kollege durch diese Dinge in irgendeiner Form gestört, ist es ein Gebot der Höflichkeit, das Verhalten zu unterlassen.

Das Essen besser in einem separaten Raum zu sich nehmen

Nur die größeren Firmen haben eine eigene Kantine. Jede Firma hat zumindest einen kleinen Pausenraum, manche sogar eine Küche. Wann immer es möglich ist, sollte der Mitarbeiter seine Mahlzeiten außerhalb der Arbeitsstätte zubringen. Dadurch erspart er sich nicht nur Konflikte mit den Kollegen und seinem Chef, es ist auch gesünder.

Es gibt noch einen weiteren Grund, sein Essen nicht im Arbeitsraum zu sich zu nehmen. Ist der Angestellte während des Essens mit einer anderen Tätigkeit beschäftigt, nimmt der Körper die Nahrungsaufnahme verzögert wahr. Das Sättigungsgefühl setzt später ein und er isst zu viel. Dies kann früher oder später zu Übergewicht führen. / Fotoquelle: © RomarioIen – Shutterstock.com

Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können