Gehaltsvorstellung in der Bewerbung: Das sollte beachtet werden

09.08.2016 von Daniela Lütke

Fotoquelle: fotolia.de / © StockPhotoProBei der Bewerbung geht es nicht nur um die Präsentation der eigenen Person: Immer häufiger wird in Stellenanzeigen bereits im Bewerbungsschreiben eine Gehaltsvorstellung verlangt. Immer mehr Unternehmen sind nicht mehr an Tarifverträge gebunden; bei leitenden Mitarbeitern gilt die einheitliche Vergütung ohnehin kaum. Wie lässt sich das richtige Maß für den gewünschten Verdienst ermitteln?

Zu viel oder zu wenig – das Dilemma der Gehaltsvorstellung

Nüchtern betrachtet können bei der Gehaltsvorstellung zwei Fehler gemacht werden: Der Wunschbetrag kann zu hoch oder zu niedrig angesetzt werden. Ist Ersteres der Fall, könnte der Bewerber möglicherweise schon aus diesem Grund für den Arbeitgeber uninteressant werden. Es ist also keinesfalls sinnvoll, einen überhöhten Betrag anzugeben, in der Hoffnung, für folgende Verhandlungen noch einen größeren Spielraum nutzen zu können. Auf der anderen Seite mag falsche Bescheidenheit die Chancen auf eine Einladung zum Bewerbungsgespräch verbessern, dafür aber den Verdienst schmälern. Abgesehen von entgangenen Einnahmen kann ein zu geringes Gehalt für die geleistete Arbeit auch frustrierend wirken.

Wie einen realistischen Verdienst ermitteln?

Die eigentliche Problematik liegt also darin, den realistischen Marktwert als Bewerber zu ermitteln. Wer sich fragt, welches Gehalt angemessen ist, wird in der Regel gerade die Ausbildung abgeschlossen oder die Uni verlassen haben. Andernfalls dient natürlich der Verdienst im vorherigen Job als Maßstab. Die Online-Recherche im Gehaltsvergleich auf nettolohn.de bringt schnell erste Ergebnisse hervor, die sich allerdings zumeist auf Durchschnittswerte beziehen. Solche Mittelwerte gelten als Richtwert, bei dem im Nachhinein noch einige Punkte berücksichtigt werden sollten: Berufseinsteiger verdienen in jedem Job weniger; der gefundene Wert ist für die Bewerbung möglicherweise zu hoch angesetzt. Zudem werden die gleichen Jobs in Industrieunternehmen meist höher vergütet als bei Dienstleistern. Genauso muss nach Region, Branche und Unternehmensgröße differenziert werden. Großunternehmen zahlen erfahrungsgemäß höhere Gehälter, wenngleich die Vergütung in diesen Firmen in einem Tarifvertrag geregelt ist und nicht mehr den Verhandlungen unterliegt.

Gehalt von vielen Faktoren abhängig

Die Suche im Internet ist trotzdem hilfreich: Es finden sich auch Statistiken, die nach genauen Studiengängen und gar Universitäten aufschlüsseln und so eine genauere Ermittlung der Verdienste ermöglichen. Auch regionale Unterschiede werden in einigen Erhebungen bedacht. Der Bewerber sollte sich natürlich auch im klaren sein, dass die Lebenshaltungskosten in einer Großstadt wie Hamburg höher sind als in den meisten ländlichen Gegenden. Zusätzlich veröffentlichen auch Berufsverbände, die Industrie- und Handelskammer sowie Wirtschaftszeitschriften aktuelle Zahlen zu den Gehältern. Darüber hinaus können natürlich auch Erfahrungen im Freundes- und Bekanntenkreis genutzt werden.

Verhandlungsspielraum einkalkulieren

Eine Gehaltsvorstellung findet sich üblicherweise als einer der letzten Sätze im Bewerbungsanschreiben. Weniger eindeutig ist die Frage, ob die Gehaltsvorstellung als Fixbetrag oder als Spanne angegeben werden sollte. Empfehlenswerter erscheint es vermutlich, einen Fixbetrag anzugeben und einen Verhandlungsspielraum von 10 bis 15 Prozent einzukalkulieren. Bei einer Spanne können sich Bewerber zumeist auf eine Vergütung an der unteren Grenze einstellen, dafür entfällt das Feilschen im Bewerbungsgespräch oft. Das Unternehmen weiß bereits, welche Forderungen keinesfalls unterschritten werden dürfen. Nur sehr selten wird versucht, selbst diese Angaben noch zu unterbieten.

Fixbetrag oder Spanne: Was ist sinnvoll?

Wichtiger als die Frage nach der formalen Angabe des Gehalts ist allerdings die Begründung: Fremdsprachenkenntnisse, Aus- und Weiterbildungen sowie eine mögliche Berufserfahrung oder ein abgeschlossenes Hochschulstudium sollten in die Waagschale geworfen werden, um die Gehaltsvorstellung zu rechtfertigen. Wer im Bewerbungsgespräch argumentiert, dass das Wunschgehalt dem eigenen Marktwert entspricht, bringt starke Argumente vor. Sollte das Gegenüber dennoch auf ein niedriges Gehalt bestehen, muss abgewogen werden. Ob eine Ablehnung oder Annahme des Gegenvorschlags sinnvoll ist, kann nur individuell bewertet werden – letztlich muss der Bewerber selbst beurteilen, ob er auf höher dotierte Alternativen zugreifen oder auch mit dem geringeren Gehalt leben kann. / Fotoquelle: fotolia.de / © StockPhotoPro