Ist Urlaub in der Probezeit möglich?

- 07.05.2021 von Sebastian Nissen -

In der Mehrzahl der Fälle wird heute bei Beginn eines Arbeitsverhältnisses eine Probezeit vereinbart. Deren maximale Dauer ist vom Gesetzgeber auf 6 Monate begrenzt.

Was bedeutet die Probezeit aus arbeitsrechtlicher Sicht?

Die Probezeit ist so etwas wie eine Testphase, während der sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer kennen lernen. Während der Probezeit besitzt der Arbeitnehmer noch keinen Kündigungsschutz. Der Arbeitgeber kann das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen beenden, auch der Arbeitnehmer kann jederzeit kündigen. Ob und wie lange eine Probezeit vereinbart wird, steht im Arbeitsvertrag. Sie beginnt mit der Aufnahme der Arbeit und endet am vereinbarten Datum. Statt der maximalen Dauer von 6 Monaten kann auch eine kürzere Probezeit vereinbart werden, die meisten Firmen verkürzen allerdings nicht.

Besteht Urlaubsanspruch während der Probezeit?

Die Frage lässt sich grundsätzlich mit Ja beantworten. Wie alle anderen Beschäftigten haben auch Arbeitnehmer in der Probezeit Anspruch auf Urlaub. Wie hoch der Urlaubsanspruch ist, muss im Arbeitsvertrag vereinbart werden. Der Gesetzgeber sieht bei einer Arbeitswoche von 5 Tagen mindestens 20 Tage Urlaub vor, bei einer Arbeitswoche von 6 Tagen sogar 24 Urlaubstage pro Jahr.

Der Urlaubsanspruch wird anteilig erworben

Arbeitnehmer, die neu in der Firma anfangen, können natürlich nicht gleich nach ein paar Wochen Betriebszugehörigkeit ihren Jahresurlaub nehmen. Vielmehr müssen sie sich ihren Urlaubsanspruch erst durch Arbeit erwerben. Die Formel dafür ist ganz einfach. Pro Monat geleisteter Arbeit erwirbt der Mitarbeiter Anspruch auf ein Zwölftel seines vertraglich vereinbarten Jahresurlaubs. Wurden zum Beispiel 24 Tage Urlaub vereinbart, erwirbt der Beschäftigte pro Monat einen Anspruch auf 2 Tage Urlaub. Nach 4 Monaten Betriebszugehörigkeit könnte der neue Mitarbeiter also theoretisch 8 Tage Urlaub einreichen. Außer wenn dringende betriebliche Gründe dagegen sprechen, darf ihm der Arbeitgeber den anteilig erworbenen Urlaub nicht verwehren. Anspruch auf den gesamten Jahresurlaub besteht erst nach einer Wartezeit von 6 Monaten. Zu diesem Zeitpunkt ist jedoch die Probezeit bereits beendet.

Ist es empfehlenswert, Urlaub in der Probezeit zu nehmen?

Das kommt ganz auf die Umstände und auf das Arbeitsklima an. Der Arbeitnehmer hat zwar ein Recht auf seinen Urlaub, auch während der Probezeit, auf der anderen Seite gehört er noch nicht zur Stammbelegschaft und genießt keinen Kündigungsschutz. Setzt er sein Recht durch und nimmt sich Urlaub während der Probezeit, kann ihn das beim Arbeitgeber in ein negatives Licht setzen. Das kann zur Folge haben, dass er von seinem Kündigungsrecht Gebrauch macht und das Arbeitsverhältnis beendet. In der Regel ist es am besten, den Urlaubsanspruch während der Probezeit zu sammeln und den Urlaub erst zu nehmen, wenn der Arbeitnehmer in das reguläre Beschäftigungsverhältnis übernommen wurde. Einige Firmen vermerken bereits im Arbeitsvertrag, dass der angesammelte Urlaub erst nach der Probezeit genommen werden darf.

Wie sieht das mit Sonderurlaub aus?

Sonderurlaub wird bei besonderen Anlässen gewährt, beispielsweise bei der Geburt eines Kindes, der eigenen Hochzeit, einem Umzug oder dem Tod eines nahen Angehörigen. Im arbeitsrechtlichen Sinn handelt es sich nicht um Urlaub, sondern um bezahlte Freistellung von der Arbeit. Darauf besteht nur dann ein Anspruch, wenn es im Arbeits- oder Tarifvertrag ausdrücklich vereinbart wurde. Sollte das der Fall sein, hat auch ein Arbeitnehmer während der Probezeit einen Anspruch darauf.

Was passiert mit dem Urlaub bei einer Kündigung?

Es passiert immer wieder, dass ein Arbeitsverhältnis während der Probezeit beendet wird. Davon ist jedoch der Anspruch auf bereits erworbene Urlaubstage nicht betroffen. Grundsätzlich gibt es 2 Möglichkeiten: In der Regel wird dem gekündigten Mitarbeiter der erworbene Resturlaub gewährt. Sollte das nicht möglich sein, kann der Urlaubsanspruch auch in Geld ausgezahlt werden. Diese Variante ist jedoch weniger gut geeignet. Das ausgezahlte Geld muss versteuert werden. Außerdem kann es vorkommen, dass die Arbeitsagentur die ausgezahlte Summe bei der Berechnung des Arbeitslosengelds berücksichtigt und es von den Bezügen abzieht.

In der Praxis fahren Arbeitnehmer am besten, wenn sie während der Probezeit keinen Urlaub nehmen und damit warten, bis sie in ein reguläres Arbeitsverhältnis übernommen werden./ Fotoquelle: © Black Salmon – Shutterstock.com