Mehrbelastung der Arbeitnehmer durch höhere Sozialversicherungsbeiträge 2014

- 10.01.2014 von Marlen Schurr -

Rueckzahlung BAfoeGDie deutsche Wirtschaft blickt, anders als noch vor einem Jahr, optimistisch in das gerade begonnene Jahr 2014. Der Export brummt, das Konsumklima ist gut – diese Tendenz hat nicht zuletzt das zurückliegende Weihnachtsgeschäft bestätigt. Die Inflationsrate ist niedrig wie lange nicht, überdurchschnittlich viele Unternehmen planen nach Jahren der Zurückhaltung neue Investitionen – auch die Arbeitslosenquote, so die Experten, wird weiter sinken. Und doch gibt es ein paar Themen, die den optimistischen Blick in die Zukunft trüben. Eines davon: Die Sozialversicherungsbeiträge.

Große Koalition für Beitragserhöhungen

Schon seit Jahren sind die – im europäischen Wettbewerb – überdurchschnittlich hohen Sozialversicherungsabgaben in der Bundesrepublik ein immer wieder kontrovers diskutierter Streitpunkt. Jetzt scheint klar zu sein: Auch 2014 wird hier keine Trendwende bringen, im Gegenteil. Im Rahmen der Koalitionsvereinbarung einigten SPD und CDU sich darauf, die geplanten Senkungen der Rentenbeiträge nicht umzusetzen. Durch die turnusmäßige Anpassung der Beitragsbemessungsgrenze werden die Sozialabgaben stattdessen kräftig steigen. Auch in der Kranken- und Pflegeversicherung sind die bundeseinheitlichen Bemessungsgrenzen gestiegen, so dass auch hier die Kostenlast steigt. Darüberhinaus sind weitere Änderungen bei Kranken- und Pflegesicherung bereits absehbar. Warm anziehen, heißt hier die Devise, auch wenn der Winter derzeit noch auf sich warten lässt.

Anpassung der Beitragsbemessungsgrenze

Die Höhe der Sozialabgaben richtet sich nach der Höhe der sogenannten Beitragsbemessungsgrenze. Das ist die Summe des Bruttolohns, die als Basis für die Berechnung der Abgaben herangezogen wird. Diese Beitragsbemessungsgrenze orientiert sich an der allgemeinen Lohnentwicklung und wird nach einer gesetzlich geregelten, statistischen Formel berechnet. Im Jahr 2012 sind die Löhne um durchschnittlich 2,5% gestiegen – das lag um einiges über der Lohnentwicklung der Vorjahre. Entsprechend deutlich schlägt im Jahr 2014 die Anpassung der Beitragsbemessungsgrenze zu Buche. Besonders ärgerlich, weil im Jahr 2013 die reale Lohnentwicklung mit 1,5% wieder niedriger ausgefallen ist.

Bei einer Steigerung von monatlich 150 Euro liegt die neue Beitragsbemessungsgrenze in den westlichen Bundesländern jetzt bei 5950,- Euro, im Osten beträgt sie 5000,- Euro. Bis zur Bemessungsgrenze sind Einkommen von Arbeitern und Angestellten sozialabgabepflichtig, Angestellte mit mittleren Gehältern werden die Anpassung besonders deutlich zu spüren bekommen.

Rückzieher bei den Rentenbeiträgen

Aber wie sieht es aus mit den Rentenbeiträgen? Sie hätten – so noch der Stand im Sommer 2013 vor der Bundestagswahl – eigentlich im Jahr 2014 sinken sollen und zwar von 18,9% auf 18,3%. Diese Beitragssenkung hätte die durch die höhere Bemessungsgrenze steigenden Sozialabgaben in etwa kompensieren können – hätte, denn statt Geld zu sparen werden Arbeitnehmer jetzt stattdessen Geld verlieren. 21,9% Sozial- und Rentenversicherungsbeiträge bei gestiegener Bemessungsgrenze – das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Mehrbelastung von bis zu 300 Euro. Heißt im Klartext: de facto sinken die Nettolöhne. Wäre der Rentenbeitrag gesunken, hätte die Mehrbelastung wesentlich niedriger ausfallen können. Wie gesagt: Hätte.

Kranke Kassen? Mehr statt weniger

Die gute Nachricht zuerst: Die Krankenkassenbeiträge sollen im Jahr 2014 stabil bleiben, allerdings stehen für das Jahr 2015 bereits die nächsten Änderungen ins Haus.

Bereits konkret angedacht ist die Erhöhung des Beitrags zur Pflegeversicherung. In einem ersten Schritt um 0,3% , in einem zweiten könnten noch einmal 0,2% folgen. Sollte sich – wie von der Zeitung „Welt“ spekuliert – zudem auch noch die Erhöhung der Krankenversicherung um bis zu 40 Euro monatlich bewahrheiten, müsste also ab 2015 mit weiteren erheblichen Belastungen für den privaten Geldbeutel und die Wirtschaft gerechnet werden. Über weitere Änderungen – z.B. die einer Neuregelung bei der Berechnung der Zusatzbeiträge – wird ebenfalls diskutiert. Dabei geht es vor allem darum, zusätzliche finanzielle Spielräume für die Krankenkassen zu schaffen. Deren finanzielle Lage gilt zwar derzeit als weitgehend stabil, ist mittelfristig aber eher im Argen. Nach wie vor übersteigen die Ausgaben bei weitem die Einnahmen. Die Rede ist von einer zu erwartenden Lücke von bis zu vier Milliarden Euro.

Bleibt also zu hoffen, dass sich die guten Aussichten für die Wirtschaft bewahrheiten und eine weitere positive Entwicklung der Löhne für Ausgleich sorgt. Denn sinkende Sozialabgaben bleiben beim gegenwärtigen politischen Szenario bis auf Weiteres illusorisch.

Autor: Marlen Schurr

Eine Autorin der ersten Stunde und Frauchen von Emma. Marlen hat Betriebswirtschaft studiert und danach lange bei einer großen Bank gearbeitet. Finanzen und Wirtschaftsthemen sind ihr Steckenpferd, auch bei der Altersvorsorge weiß sie, wovon sie schreibt. Während ihrer Elternzeit hat sie zum Glück immer wieder Zeit gefunden, sich durch Seminare und Vorträge auf dem Laufenden zu halten und arbeitet inzwischen wieder stundenweise in ihrem alten Job, getreu dem Motto „einmal Banker, immer Banker“. Wir freuen uns, dass sie auch den Weg zu uns zurückgefunden hat und wieder da ist!