Mit 45 bereits zu alt für einen neuen Job?

24.04.2017 von Daniela Lütke

Eine Bewerbung mit 45+? Was vor Jahren noch als negativ angesehen wurde, erlebt derzeit einen Wandel. Denn ältere Menschen bringen nicht nur jede Menge Erfahrung mit, sondern sind oft auch zuverlässiger und belastbarer.

Warum so spät noch nach einem neuen Job suchen?

Manchmal ist es einfach an der Zeit, einen neuen Weg einzuschlagen. Dabei ist es egal, wie alt man ist. Eine berufliche Veränderung kann sinnvoll sein, wenn Langeweile während der Arbeit auftritt. Besonders ältere Menschen arbeiten schon viele Jahre in einem Unternehmen und möchten vielleicht etwas Neues kennenlernen oder sich verändern.

Ein weiterer Grund kann das Vorliegen einer Kündigung sein. Mit 45 oder 50 ist das Rentenalter noch lange nicht erreicht. Für viele kommt es nach der Kündigung aber nicht infrage, auf der faulen Haut zu liegen. Ein neuer Job muss deshalb her. Doch wie sieht eine erfolgreiche Präsentation der eigenen Person aus?

Das Alter ist nicht immer entscheidend

Ältere Menschen haben oft das Gefühl, dass Unternehmen gezielt Studienabgänger oder junge Menschen mit viel Dynamik suchen. Nicht selten wird in der Stellenausschreibung von dem “jungen, dynamischen Team” geschrieben, für welches Unterstützung gesucht wird. Gerade junge Mitarbeiter können in der neuen Firma nach ihrem Belieben geformt werden, ohne dass großer Widerspruch zu erwarten wäre. Auch sind die Gehaltsvorstellungen oftmals geringer als bei Arbeitnehmern mit Erfahrung. Allerdings ändern immer mehr Unternehmen diesen Kurs. Sie möchten nicht nur Mitarbeiter einstellen, die günstig sind und die zu allem nur stumm nicken und es hinnehmen, damit ihre Anstellung nicht gefährdet ist.

Es zeugt von Selbstbewusstsein, dem Chef direkt zu sagen, wenn ein Fehler entdeckt wurde oder eine andere Meinung vorliegt. Doch genau das möchten heute viele Arbeitgeber von ihren Mitarbeitern; die Fähigkeit mitzudenken und zu seiner Meinung zu stehen, selbst dann, wenn die letzte Entscheidung nicht bei ihnen liegt.

Und das ist der Punkt, an dem ältere Menschen ihr Potenzial aufzeigen können. Sie haben in ihrer Laufbahn viel Erfahrung gesammelt, sie sind an Hindernisse geraten und haben gelernt, diese aus dem Weg zu räumen. Für sie stellen viele Aufgaben keine Hürde mehr dar, an denen sich junge Menschen die Zähne ausbeißen. Außerdem haben sie einen direkten Vergleich und können von Lösungen berichten, die in anderen Firmen bereits positiv umgesetzt werden.

Das Potenzial der Älteren nutzen

Die Erfahrung spielt bei der Bewerbung für einen neuen Arbeitsplatz natürlich eine große Rolle. Allerdings sollten ältere Menschen ihre weiteren Vorzüge in das richtige Licht stellen. Sie sind in der Regel sehr zuverlässig, lange Partynächte gehören meistens bereits der Vergangenheit an. Die Kinder sind in vielen Fällen schon groß und ein Ausfall durch eine Schwangerschaft oder die Krankheit eines Kindes ist gering, was für die Firma ein großer Vorteil ist.

Tipps für eine richtige Bewerbung

Wer sich mit 45+ bewirbt, sollte sich, wie alle anderen natürlich auch, im richtigen Licht darstellen. Wichtig ist es, von vornherein gewisse Vorurteile auszuräumen. Die Bewerbung sollte deshalb auf digitalem Wege versendet werden. Das kann direkt über ein Bewerbungsportal des gewünschten Unternehmens sein oder per E-Mail. Das zeigt, dass der Bewerber auf dem aktuellen Stand der Technik ist.

Im Anschreiben sollte die Berufserfahrung ausreichend thematisiert werden. Der Bewerber sollte aufzeigen, welche Erfahrungen er bereits gesammelt hat und warum ihn diese für die neue Stelle qualifizieren. Allerdings sollte das Anschreiben trotzdem nur eine DIN A4 Seite umfassen. Im Lebenslauf sollten an erster Stelle die beruflichen Stellen aufgezeigt werden, die durchlaufen wurden. Vorhandene Fort- und Weiterbildungen finden hier ihren Platz.

Im Vorstellungsgespräch sollten ältere Bewerber aufzeigen, welchen Mehrwert sie dem Unternehmen bieten können. Dabei sollte darauf geachtet werden, nicht nur alle Stärken aufzuzählen, sondern auch Schwächen zuzugeben. Fehlen z.B. Kenntnisse in einem bestimmten Programm, sollte der Bewerber dies offen sagen und die Bereitschaft zeigen, diese Wissenslücken zu schließen. Die typischen Fehler einer Branche sind den meisten älteren Bewerbern schon unterlaufen. Im Gespräch sollten sie darauf hinweisen, dass sie genau wissen, worauf sie achten müssen und sie es gelernt haben, sich schnell auf neue und komplexe Situationen einzustellen. / Fotoquelle: fotolia.de / © VadimGuzhva