Rente mit 45 – so geht’s!

- 22.01.2020 von Deniz Wölk -

Frührente und FIREWas die Altersrente angeht, sagt der Gesetzgeber ganz klar, dass für alle, die nach 1964 geboren sind, das gesetzliche Rentenalter mit der Vollendung des 67. Lebensjahres beginnt. In letzter Zeit ist sogar die Rede davon, das Rentenalter auf 70 Jahre anzuheben. Vollkommen entgegengesetzt zu diesem Trend wollen manche aber bereits mit 45 Jahren in Rente gehen. Sie halten es unter bestimmten Umständen für praktikabel.

Rente mit 45 – wie soll das gehen?

Die Bewegung kam aus den USA. Dort nennen sich ihre Anhänger FIRE (Financial Independence, Retire Early). Das kann mit ‘finanzielle Unabhängigkeit und Frührente’ übersetzt werden. Auch in Deutschland gibt es Menschen, die diese Ansichten vertreten. Hierzulande nennen sie sich Frugalisten. Der Kern ihrer Ansichten ist im Grunde genommen ganz einfach. Wer nicht bis 67 oder gar noch länger arbeiten will, muss so zeitig wie möglich so viel Geld wie möglich zurücklegen, damit er in seinen späteren Jahren vom Ersparten leben kann, ohne arbeiten zu müssen.

Wie soll gespart werden?

Tagesgelder oder Festgelder bringen kaum noch Zinsen. Dasselbe trifft auch auf Kapitallebensversicherungen zu. Zum Teil liegt die zu erzielende Rendite unter der Inflationsrate. Das bedeutet, dass auf diese Art und Weise kein Geld gespart werden kann. Es wird durch die Inflation aufgefressen. Daher bleibt nur die Investition in Anlagemöglichkeiten mit höherer Rendite, wie beispielsweise Aktien. Über Jahre und Jahrzehnte wächst der Wert der Investitionen beträchtlich – wenn alles so funktioniert, wie man es sich erhofft.

Ist so etwas realistisch?

Für die meisten Menschen sicher nicht. Schon allein die Startvoraussetzungen haben nur wenig mit der Realität zu tun. Sie gehen davon aus, dass ein 25-jähriger ein Jahresgehalt von 40.000 Euro Brutto verdient. Das sind mehr als 3.300 Euro/Monat. Gerade junge Arbeitnehmer verdienen aber häufig nur einen Niedriglohn. Viele können von einem solchen Einkommen nur träumen.

Selbst wenn, sollen sie dann von ihrem Verdienst jeden Monat mehrere Hundert Euro, wenn nicht sogar mehr, investieren. Abgesehen davon, dass junge Menschen auch mal was vom Leben haben wollen, feiern, in den Urlaub fahren und modische Kleidung haben möchten, was ist mit Familienplanung und Wohneigentum? Das bleibt bei den Plänen der Frugalisten auf der Strecke.

Langfristige Planung ist nicht möglich

Wer mit 45 Jahren in Rente gehen will, setzt voraus, dass sein Leben für mindestens 20 Jahre exakt nach Plan verläuft. Das bedeutet, es darf weder Kinder geben, noch darf einem eine Krankheit oder Insolvenz des Arbeitgebers einen Strich durch die Rechnung machen. Ein Unfall kann dem ebenfalls entgegenwirken. Manch einen hat auch eine Scheidung oder der Tod eines nahen Angehörigen aus der Bahn geworfen.

Um Geld über Jahrzehnte nicht nur sicher, sondern auch gewinnbringend anzulegen, sind zudem einige Kenntnisse der Börse und beim Handel mit Aktien erforderlich. Jeder Trader wird zudem bestätigen, dass auch eine gewisse Intuition und Glück dazu gehören. Sicherheiten gibt es hierbei allerdings nicht.

Verzicht auf die gesetzliche Altersrente

Die Verfechter der Idee, mit 45 Jahren in Rente zu gehen, bedenken auch nicht, dass sie durch ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Arbeitsleben ihre Ansprüche aus der gesetzlichen Altersrente nicht erhalten können. Wer eine gesetzliche Altersrente beziehen will, muss mindestens 35 Beitragsjahre nachweisen können. Angenommen der Eintritt in das Berufsleben erfolgt bereits mit 16 (als Azubi), werden 35 Beitragsjahre erst mit 51 erreicht. Wer eher geht, hat keinen Anspruch auf die Altersrente. Da es sich jedoch um eine Pflichtversicherung handelt, müssen die Beiträge gezahlt werden.

Davon abgesehen haben die amerikanische FIRE Bewegung und die deutschen Frugalisten oftmals eine negative Einstellung zur Arbeit. Sie sehen Arbeit nur als Mühe und Plage an, der sie so zeitig wie möglich entrinnen wollen. Millionen von Menschen finden an ihrer Arbeit jedoch Freude und Erfüllung. Sie lieben ihren Beruf mitsamt seinen Herausforderungen. Viele arbeiten sogar freiwillig länger, selbst wenn sie eine gute Rente beziehen. Sie schöpfen Kraft aus dem Wissen, gebraucht zu werden und ihre Erfahrungen und ihr Können an Jüngeren weiter zu geben. / Fotoquelle: fotolia.de / © pressmaster

Autor: Deniz Wölk

Unser Hahn im Korb (der endlich Unterstützung bekommen hat). Deniz kommt aus der Versicherungsbranche und arbeitet schon lange als freiberuflicher Autor. Sein Wissen zu den Themen Versicherungen und Altersvorsorge ist unschlagbar und keiner schafft es, dieses so einfach herüber zu bringen wie er.