Was ist ein Arbeitszeitkonto und wie funktioniert es?

- 03.04.2024 von Daniela Lütke -

Plusstunden und MinusstundenArbeitgeber und Arbeitnehmer schließen in der Regel einen schriftlichen Arbeitsvertrag ab. In dem sind wichtige Eckdaten festgeschrieben, wie beispielsweise die Art der Tätigkeit, die Entlohnung, der Urlaubsanspruch und die Arbeitszeit. Meistens wird eine wöchentliche Zahl von Arbeitsstunden vereinbart. Da die Auftragslage jedoch in vielen Branchen stark schwankt, kann die vereinbarte Arbeitszeit nicht immer eingehalten werden. Der Ausgleich kann über ein Arbeitszeitkonto erfolgen.

Was ist ein Arbeitszeitkonto?

Im Prinzip handelt es sich um eine ähnliche Einrichtung wie ein Bankkonto, mit dem Unterschied, dass ein Arbeitszeitkonto auf der Basis von Arbeitsstunden funktioniert, nicht auf der Basis von Geld wie ein Bankkonto. In vielen Unternehmen ergeben sich Situationen, in denen die vertraglich vereinbarten Arbeitsstunden nicht eingehalten werden können. Bei einer guten Arbeitslage sind die Arbeitnehmer zum Teil sogar verpflichtet, Überstunden zu machen. Existiert ein Arbeitszeitkonto, werden diese Überstunden nicht vergütet, sondern als Plusstunden (Guthaben) auf dem Arbeitszeitkonto eingezahlt. Andererseits kann es jedoch auch vorkommen, dass die Auftragslage schlecht ist. In diesem Fall greift der Arbeitgeber auf das Arbeitszeitkonto seines Mitarbeiters zu und zahlt ihm die Vergütung für die volle Stundenzahl, obwohl diese nicht geleistet wurden. Im Gegenzug werden diese Stunden als Minusstunden vom Guthaben des Arbeitszeitkontos abgezogen.

Voraussetzung für die Einführung eines Arbeitszeitkontos ist jedoch eine exakte Zeiterfassung. Dafür gibt es elektronische Systeme mit Zugangskarten oder Chips oder sogar einfache Programme, bei denen der Arbeitnehmer nur durch einen Klick an seinem Arbeitscomputer bestätigt, dass die Arbeitszeit an dem Tag beginnt oder endet.

Welche Vorteile haben Arbeitszeitkonten?

Das Modell hat sowohl für den Arbeitgeber als auch für den Arbeitnehmer mehrere Vorteile. Arbeitgeber werden durch das Zeitkonto flexibler. Sie können den Rhythmus der Produktion besser an die schwankende Auftragslage anpassen. Arbeitnehmer haben den Vorteil, dass bei einem Freizeitausgleich die Vergütung im Verhältnis 1:1 erfolgt. Das bedeutet, für eine geleistete Überstunde erhalten sie eine Stunde Freizeit. Lassen sie sich die Überstunden dagegen auszahlen, werden sie mit dem Höchstsatz der Einkommensteuer besteuert. Dadurch arbeiten sie praktisch fast die Hälfte der Zeit für den Staat. Zudem können sie Plusstunden ansammeln und sie, je nach Kontomodell, gegen eine längere Auszeit eintauschen. Diese kann beispielsweise für eine große Reise oder eine Fortbildungsmaßnahme oder für ein wichtiges persönliches Vorhaben genutzt werden.

Welche Nachteile haben Arbeitszeitkonten?

Für den Arbeitgeber bedeuten Arbeitszeitkonten immer auch ein Risiko. Häufen sich zu viele Plusstunden an, wachsen damit auch die Probleme. Zum Abbau der Stunden müssen mehrere Mitarbeiter zugleich nach Hause geschickt werden. Das könnte in der Produktion und auch im Büro Probleme verursachen. Sollen die Überstunden stattdessen ausgezahlt werden, kann das die Liquidität des Unternehmens belasten.

Für Arbeitnehmer hat ein Arbeitszeitkonto ebenfalls Nachteile. Sie können über ihre Plusstunden meistens nicht so verfügen, wie sie wollen, sondern müssen sich mit dem Arbeitgeber abstimmen. Die Mehrzahl der Arbeitnehmer möchte zum Beispiel freitags oder montags oder an Brückentagen frei haben, um ein verlängertes Wochenende zu genießen. Allen Mitarbeitern an diesen Tagen frei zu geben ist jedoch nicht möglich. Daher werden Arbeitnehmer gebeten, freie Tage mitten in der Woche zu nehmen oder die Zeit stundenweise abzubauen.

Welche Arten von Arbeitszeitkonten gibt es?

Es wird grundsätzlich zwischen Kurzzeitkonten und Langzeitkonten unterschieden. Kurzzeitkonten sind Arbeitszeitkonten, bei denen der Ausgleich der Arbeitszeit innerhalb eines Jahres erfolgt. Es gibt auch Modelle, bei denen 3 oder 6 Monate als Zeitraum festgelegt sind. Langzeitkonten laufen dagegen länger als 1 Jahr, mitunter sogar bis zum Eintritt ins Rentenalter. Bei diesen Modellen könnte sich der Arbeitnehmer nach einiger Zeit ein Sabbatical nehmen, ein arbeitsfreies Jahr bei voller Bezahlung, in dem er seinen eigenen Interessen nachgeht. Bei anderen Modellen können die angesparten Plusstunden dazu genutzt werden, um früher aus dem Arbeitsleben auszuscheiden oder zumindest ab einem bestimmten Alter nur noch Teilzeit zu arbeiten.

Worauf muss bei einem Arbeitszeitkonto geachtet werden?

Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, ein derartiges Konto zu führen. Er kann anfallende Überstunden auch einfach mit Geldzahlungen abgleichen. Auch beim Einrichten eines Arbeitszeitkontos gelten die gesetzlichen Bestimmungen über die Höchstarbeitszeit. Im Arbeitszeitkonto muss ein Höchstbetrag festgelegt werden, bis zu dem Plusstunden und Minusstunden angesammelt werden können. Ebenfalls muss ein Zeitraum festgelegt werden, innerhalb dessen sie ausgeglichen werden müssen.

Eventuell muss auch die Auszahlung der Plusstunden erfolgen oder das Kurzzeitkonto in ein Langzeitkonto umgewandelt werden. Minusstunden dürfen dem Arbeitnehmer nicht vom Lohn abgezogen werden, wenn sie durch den Arbeitgeber angeordnet wurden. Der Ausgleich mit Urlaubstagen ist ebenfalls nicht zulässig. Als Minusstunden im eigentlichen Sinn gelten Fehlzeiten durch Zuspätkommen, Überziehen von Pausen oder Arztbesuche bzw. das Erledigen persönlicher Dinge während der Arbeitszeit. Idealerweise werden sie mit Überstunden verrechnet. / Fotoquelle: © Quality Stock Arts – Shutterstock.com

Autor: Daniela Lütke

Daniela ist 2016 zu uns gestoßen. Als Journalistin und ehemalige Unternehmensberaterin hat sie sich ein enormes Wissen zu den Themen Ausbildung, Beruf & Karriere aufgebaut und versteht es, dieses geschickt in Worte zu fassen.