Wenn dem Arbeitgeber die Kleidung nicht passt – wann darf er mitreden?

- 22.11.2023 von Daniela Lütke -

Arbeitskleidung und SchutzkleidungViele Arbeitgeber haben Regeln erlassen, die den Mitarbeitern vorschreiben, wie sie auszusehen haben. Das betrifft nicht nur die Arbeitskleidung, sondern auch das äußere Erscheinungsbild, wie zum Beispiel die Frisur oder Schmuck bzw. modische Accessoires. Immer wieder führen solche Dinge zum Streit, der mitunter sogar vor dem Arbeitsgericht landet. Vom Standpunkt des Gesetzgebers aus darf der Arbeitgeber tatsächlich einige Vorschriften machen, ihm sind jedoch auch Grenzen gesetzt.

Wann darf der Arbeitgeber Vorschriften in Bezug auf die Arbeitskleidung machen?

Hier gilt, dass die Sicherheit der Arbeitnehmer an erster Stelle steht. Das bedeutet, wenn der Arbeitgeber eine PSA (persönliche Schutzausrüstung) vorschreibt, muss sie auch getragen werden. Das betrifft nicht nur Arbeitshosen und -jacken oder Overalls bzw. Latzhosen, sondern auch Sicherheitsschuhe, Schutzhelme, Gehörschutz oder Schutzbrillen. Arbeitnehmer sind verpflichtet, diese Kleidungs- oder Ausrüstungsgegenstände während der Arbeit zu tragen, selbst wenn sie nicht modisch oder unbequem sind. Das kann sogar Schmuck wie Ringe, Halsketten, Uhren oder lange Haare betreffen, wenn sie den Träger oder die Trägerin gefährden. Weigert sich der Arbeitgeber, der Weisung Folge zu leisten, kann das disziplinarische Maßnahmen nach sich ziehen, die unter Umständen zu einer Kündigung führen können.

Ähnliches gilt auch, wenn der Beruf das Tragen einer Uniform oder einer Berufskleidung vorsieht. Neben Polizisten, Soldaten und Feuerwehrleuten sind Krankenschwestern und Pfleger typische Beispiele. In Branchen wie der Lebensmittelindustrie oder der Gastronomie ist eine bestimmte Bekleidung aus hygienischen Gründen vorgeschrieben. Auch in solchen Fällen besitzt der Arbeitgeber ein Weisungsrecht. Einige Arbeitgeber schreiben auch das Tragen von Firmenbekleidung, sogenannte Corporate Clothing, vor. Die Mitarbeiter sollen einheitlich aussehen, um ein geschlossenes Erscheinungsbild auszudrücken. Schließlich gibt es noch Berufe, in denen ein bestimmter Kleidungsstil vorgeschrieben ist, weil die Personen entweder engen Kontakt mit der Öffentlichkeit haben oder ein Image pflegen müssen. Dazu gehören beispielsweise Angestellte von Versicherungen und Finanzinstituten, Anwälte oder Unternehmensberater und ähnliche Berufsgruppen.

Wo hört das Weisungsrecht des Arbeitgebers in Bezug auf die Arbeitskleidung auf?

Es endet offensichtlich außerhalb der Arbeitszeit. In der Freizeit oder im Urlaub dürfen Arbeitnehmer tragen, was sie wollen. Selbst während der Arbeitszeit haben viele Mitarbeiter weitgehende Freiheiten in Bezug auf ihr persönliches Aussehen. Dabei gilt jedoch immer, dass der Arbeitgeber kein berechtigtes Interesse daran haben darf, eine bestimmte Art von Kleidung vorzuschreiben. Von einem Bankangestellten mit Kundenkontakt darf der Arbeitgeber zum Beispiel verlangen, dass er zur Arbeit mit Anzug und Krawatte erscheint, bzw. bei Frauen mit seriöser Kleidung. Bei solchen Berufsgruppen kann der Arbeitgeber auf einer allgemein gepflegten Erscheinung bestehen. Er darf jedoch keine disziplinarischen Maßnahmen gegen Arbeitnehmer ergreifen, weil ihm deren Kleidungsstil aus persönlichen Gründen nicht gefällt, beispielsweise weil er sie als zu altmodisch, schmutzig oder anstößig empfindet.

Welche Grenzen müssen Arbeitnehmer beachten?

Selbst wenn es weder Sicherheitsvorschriften noch hygienische Bestimmungen oder einen bestimmten Dresscode gibt, dürfen Arbeitnehmer nicht tragen, was sie wollen. In vielen Firmen ist zum Beispiel Kleidung mit politischen Aussagen nicht erlaubt. Dazu gehören oft Logos oder Losungen von Parteien oder politischen Organisationen. Das Tragen von Symbolen oder Logos von verfassungsfeindlichen Organisationen ist ebenfalls durch den Gesetzgeber verboten. Trägt ein Mitarbeiter so etwas während der Arbeitszeit offen sichtbar, ist der Arbeitgeber sogar verpflichtet, es zu verbieten. Falls nicht, macht er sich ebenfalls strafbar.

Was tun in einem Streitfall?

Es zahlt sich aus, wenn die Beteiligten nicht sofort auf Konfrontationskurs gehen, sondern erst einmal miteinander reden. Nicht selten steckt ein Missverständnis dahinter oder bestimmte Informationen wurden nicht richtig verstanden. Wenn beide Seiten aufeinander zugehen, lässt sich in den meisten Fällen ein Kompromiss aushandeln. Mitunter ist es auch eine gute Idee, bei solchen Streitfragen einen Vermittler einzuschalten. Das kann ein Vertreter des Betriebsrats oder ein Gewerkschaftsvertreter sein. Der Gang zum Gericht sollte stets nur das letzte Mittel bleiben, wenn alle anderen Vermittlungsversuche versagt haben. / Fotoquelle: © Ground Picture – Shutterstock.com

Autor: Daniela Lütke

Daniela ist 2016 zu uns gestoßen. Als Journalistin und ehemalige Unternehmensberaterin hat sie sich ein enormes Wissen zu den Themen Ausbildung, Beruf & Karriere aufgebaut und versteht es, dieses geschickt in Worte zu fassen.