Wie gelangt man an ein Zwischenzeugnis?

- 31.10.2018 von Sebastian Rheingauer -

Arbeitszeugnis und JobwechselNach einem Zwischenzeugnis zu fragen, stellt für viele Arbeitnehmer ein Problem dar, denn niemand möchte in Verdacht kommen, sich eventuell gerade nach einem neuen Job umzusehen. Dabei wird es hierzu oftmals dringend benötigt. Einige Angestellte möchten aber auch einfach nur wissen, wie sie und ihre Arbeitskraft in der Firma ankommen.

Hat jeder Arbeitnehmer das Recht auf ein Zwischenzeugnis?

Jeder Arbeitnehmer hat – unabhängig vom Beruf oder der Größe des Unternehmens – das Recht auf die Ausstellung eines Zwischenzeugnisses. Triftige Gründe können neben der Jobsuche auch die Versetzung in eine andere Abteilung sein oder eine drastische Änderung des Aufgabengebiets im selben Unternehmen.

Eine regelmäßige Leistungsbeurteilung durch den Arbeitgeber kann offiziell eingefordert werden, sofern der Arbeitgeber der Pflicht einer Ausstellung nicht von alleine nachkommt. Ein gesetzlicher Anspruch auf eine Ausstellung des Zeugnisses besteht nicht, wenn keine Gründe vorliegen. Der Anspruch auf das Dokument wird häufig im Arbeitsvertrag oder dem Tarifvertrag geregelt. Außerdem besteht bei einem ‚berechtigten Interesse‘ ein Anspruch auf die unverzügliche Ausstellung – zu diesen Interessen zählen zum Beispiel eine drohende Kündigung oder die Schließung des ganzen Betriebs.

Ausschlussfristen sind bindend

Im Arbeitsvertrag können sogenannte Ausschlussfristen festgelegt werden, welche vorschreiben, innerhalb welchen Zeitraums das Zeugnis verlangt werden muss. Ist die Frist verstrichen, besteht kein Anspruch mehr auf die Ausstellung des Dokuments. Sogar wenn keine festen Fristen vereinbart wurden, kann das Recht auf eine Beurteilung verwirkt werden, wenn der Angestellte zu lange mit der Beantragung wartet. Nach dem endgültigen Ausscheiden aus einem Unternehmen besteht selbstverständlich kein Anspruch mehr auf das Aushändigen eines solchen Zeugnisses.

Sinn und Zweck eines Zwischenzeugnisses

Es ist auch sinnvoll, eine schriftliche Beurteilung anzufordern, wenn ein Arbeitnehmer über mehrere Jahre im Betrieb ist. Erstens erhält er somit ein schriftliches Feedback und zweitens muss das Zwischenzeugnis nicht erst angefordert werden, falls einmal der Entschluss zum Jobwechsel fällt.

Der Arbeitgeber ist laut Gesetz dazu verpflichtet, das Zeugnis wohlwollend zu formulieren – zwischen den Zeilen können natürlich, genau wie beim ‚richtigen‘ Arbeitszeugnis, alle möglichen Hinweise stehen. Um das Dokument beurteilen zu können, reicht daher das bloße Durchlesen nicht aus. Wer genau wissen möchte, wie der Arbeitgeber die Leistung beurteilt, sollte sich daher entweder über gängige Textbausteine informieren oder das Dokument einem Experten vorlegen. Ausfallzeiten dürfen in keinem Fall im Zwischenzeugnis erwähnt werden!

Zwischenzeugnis anfordern, ohne Misstrauen zu wecken

Da zur Beantragung des Zwischenzeugnisses ein triftiger Grund vorliegen muss, kann der Arbeitgeber auf die Angabe eines solchen bestehen. Da auch ein langjähriges Beschäftigungsverhältnis ohne einen Zwischenbericht als adäquater Grund gilt, genügt dieser völlig aus. Selbst wenn der wahre Anlass für die Frage nach einem Zeugnis ein Jobwechsel ist, muss das nicht mitgeteilt werden.

Wenn der aktuelle Vorgesetzte wechselt, ergibt sich daraus ebenfalls das Recht auf die Ausstellung eines Zwischenzeugnisses. Diese Chance sollte unbedingt genutzt werden, da sich hier ein triftiger Grund ergibt, welcher nicht allzu viel Skepsis beim Gegenüber wecken dürfte.

Leider kommt es recht häufig vor, dass sich der Arbeitgeber weigert, ein Zwischenzeugnis auszustellen. In diesem Fall muss der Wunsch nach einem Jobwechsel offengelegt werden, sofern kein anderer triftiger Grund vorliegt. Um unangenehmen Fragen vorzubeugen, sollten Arbeitnehmer daher in regelmäßigen Abständen ein Zwischenzeugnis beantragen, damit sich das Unternehmen im Ernstfall gar nichts bei einer Anfertigung des Dokuments denkt.

Auswirkungen des Zwischenzeugnisses auf das Arbeitszeugnis

Ein weiterer sehr guter Grund, um in gewissen Zeitabständen eine schriftliche Beurteilung anzufordern: Das Ergebnis hat eine konkrete Auswirkung auf das endgültige Arbeitszeugnis, welches Arbeitnehmer bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses bekommen. Wenn der Chef bereits im Zwischenzeugnis bescheinigt, dass der Angestellte eine sehr gute Leistung erbringt, so kann er bei der Ausfertigung des abschließenden Arbeitszeugnisses nicht das Gegenteil behaupten. Angestellte können sich somit also mit einem Zwischenzeugnis bereits für die Zukunft absichern. Sollte die Beurteilung nicht so ausfallen, wie sich der Arbeitnehmer das vorstellt, hat er damit die Möglichkeit, rechtzeitig auf das Ergebnis einzuwirken. / Fotoquelle: fotolia.de / © Marco2811

Autor: Sebastian Rheingauer

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