Berufsunfähigkeitsversicherung: Ist ein ausreichender Versicherungsschutz gegeben?

- 24.03.2011 von Marlen Schurr -

Die Berufsunfähigkeitsversicherung soll den Versicherten finanziell absichern, wenn er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage sein sollte, seinen Beruf auszuüben. Doch hält sie auch wirklich, was sie verspricht?

Worauf sollte man gezielt achten?

Zunächst sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass der Versicherungsvertrag keine sogenannte abstrakte Verweisungsklausel enthält. Denn das würde bedeuten, dass der Versicherte keine Leistungen erhält, wenn er theoretisch in einem anderen Beruf arbeiten könnte. Auch wenn der Versicherte gar keinen anderen Arbeitsplatz bekommt, es aber theoretisch für ihn möglich wäre, zahlt die Versicherung keinen Cent. Die bloße Möglichkeit, dass er in einem anderen Beruf arbeiten könnte, reicht schon aus, um die Zahlung zu verweigern. Dabei gilt, dass auch eine Verweisung in einen Beruf bei dem der Verdienst um bis zu 20% niedriger als im ursprünglich ausgeübten Beruf ist, als zumutbar gilt.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine Summenversicherung, das bedeutet, dass nicht der tatsächlich entstandene Schaden, sondern nur eine bestimmte Teilsumme des entstandenen Schadens von der Versicherung ersetzt wird. Die genaue Höhe der Berufsunfähigkeitsrente richtet sich nach den eingezahlten Beträgen, der Zahlungsdauer, den Vorerkrankungen, dem Beruf und einigen anderen Kriterien. Bei der Vertragsauswahl sollte unbedingt auf eine garantierte Steigerung der Auszahlungssumme geachtet werden. Diese dient dazu, dass die Inflationsrate und der daraus entstehende Wertverlust, aufgefangen werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt des Vertrages ist die Mindestdauer der prognostizierten Berufsunfähigkeit. Der Vertrag sollte besagen, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt, wenn der Versicherte mindestens sechs Monate seiner Arbeit nicht nachgehen kann. Ältere Verträge enthalten oft Klauseln, die besagen, dass die Versicherung erst einspringt, wenn die prognostizierte Berufsunfähigkeit mindestens drei Jahre dauern wird.

Außerdem sollte, aufgrund des um zwei Jahre nach hinten verlegten Renteneintrittsalters, darauf geachtet werden, dass die Versicherung bis zum Alter von 67 Jahren einspringen würde. Einige Verträge beschränken die Zahlungen der Berufsunfähigkeitsrente noch immer auf 65 Jahre, was dazu führt, dass die zwei Jahre bis zum tatsächlichen Renteneintritt weder durch die Berufsunfähigkeitsversicherung noch durch Rentenzahlungen abgedeckt sind.

Der Versicherungsvertrag sollte in jedem Fall ganz genau geprüft werden, bevor man sich zum Abschluss entscheidet. Außerdem sollte man sich möglichst von einem unabhängigen Experten gut beraten lassen und sich alles ganz genau ausrechnen und erklären lassen. Nur so kann man wirklich sicher sein, dass man im Versicherungsfall auch ausreichend Geld bekommt, um seinen Lebensstandard auf gleichem Niveau wie vorher halten zu können. Es sollte auch gründlich überlegt und durchgerechnet werden, ob eventuell eine andere Form der Absicherung für die individuelle Situation vorteilhafter wäre, oder ob man sich zusätzlich noch auf andere Weise absichern sollte. Denn wenn man bedenkt, dass die Versicherung in den ersten sechs Monaten gar nicht zahlt, und danach meist auch eine geringere Summe als man zuvor zum Leben zur Verfügung hatte, dann wird klar, dass mit dem Abschluss der Versicherung noch lange nicht für alle Eventualitäten vorgesorgt ist. / Fotoquelle: fotolia.de / © W. Heiber Fotostudio

>> informativer Berufsunfähigkeitsversicherung Vergleich auf nettolohn.de

Autor: Marlen Schurr

Eine Autorin der ersten Stunde und Frauchen von Emma. Marlen hat Betriebswirtschaft studiert und danach lange bei einer großen Bank gearbeitet. Finanzen und Wirtschaftsthemen sind ihr Steckenpferd, auch bei der Altersvorsorge weiß sie, wovon sie schreibt. Während ihrer Elternzeit hat sie zum Glück immer wieder Zeit gefunden, sich durch Seminare und Vorträge auf dem Laufenden zu halten und arbeitet inzwischen wieder stundenweise in ihrem alten Job, getreu dem Motto „einmal Banker, immer Banker“. Wir freuen uns, dass sie auch den Weg zu uns zurückgefunden hat und wieder da ist!