Altersarmut in Deutschland

- 04.04.2018 von Kim Teschner -

Altersarmut und GrundsicherungStändig stößt man in den Medien auf Berichte über Altersarmut, die aussagen, dass bei Millionen von Rentnern die Rente nicht mehr zum Leben reicht. Unterstützt wird diese Aussage durch die Eindrücke von alten Menschen, die in Mülltonnen nach Pfandflaschen suchen oder selbst im hohen Alter noch einen Nebenjob ausüben müssen, weil die Rente nicht ausreicht.

Wie sieht die Realität aus?

Aktuelle Studien, darunter die der renommierten Bertelsmann Stiftung zum Thema Altersarmut, belegen eindeutig, dass die Zahl der Rentner, deren Bezüge nicht zum Leben ausreichen, ständig ansteigt. Bezogen 2013 knapp 500.000 Menschen Grundsicherung im Alter, so waren es 2016 schon fast 550.000 Personen oder etwas weniger als 3 Prozent aller Altersrentner. Laut der bereits erwähnten Studie der Bertelsmann Stiftung könnten im Jahr 2036 bis zu 20 Prozent aller Rentner davon betroffen sein. In der Praxis wird es wahrscheinlich nicht ganz so schlimm werden, weil das Problem inzwischen jedem bekannt sein sollte und sich jeder, der bis dahin in Rente geht, jetzt schon vorsorgen kann.

Allerdings muss man auch erwähnen, dass es nicht jedem Rentner, der heute arbeitet, finanziell schlecht geht. Ein großer Teil der Senioren arbeitet nicht nur, um ihre Rente aufzustocken, sondern weil es ihnen Spaß macht und sie weiter aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben möchten. Zudem sind zum aktuellen Zeitpunkt Rentner weniger armutsgefährdet als die durchschnittliche Bevölkerung, bei dem der Anteil armutsgefährdeter Personen bei 8 Prozent liegt.

Ab wann gilt man als armutsgefährdet?

Dazu gibt es genaue statistische Zahlen. Jeder, dessen Nettoeinkommen unter 823 Euro pro Monat liegt, gilt offiziell als armutsgefährdet. Wenn kein Zusatzeinkommen vorhanden ist, empfiehlt der VdK den Betroffenen, Grundsicherung im Alter zu beantragen. Fast die Hälfte der Bezugsberechtigten macht von dieser Möglichkeit übrigens keinen Gebrauch. Meist sind Scham oder Unkenntnis die Ursachen. Die reinen Zahlenangaben sagen noch nicht viel über die tatsächlichen Verhältnisse aus. Während ein Rentner in einer Großstadt mit 823 Euro im Monat kaum über die Runden kommt, kann eine Person mit derselben Rente in der Provinz durchaus zurecht kommen.

Wer ist besonders von Altersarmut gefährdet?

Am meisten betroffen sind die sozial schwachen Schichten der Gesellschaft, die nicht viel verdienen und demzufolge auch keine großen Einzahlungen in die Rentenkasse machen können. Der Mehrzahl dieser Menschen fehlen auch die Mittel, um privat für ihr Alter vorzusorgen. Zu den gefährdeten Personen zählen alleinerziehende Mütter oder Väter, Mini-Jobber, Geringverdiener, Langzeitarbeitslose, Menschen mit Behinderung, aber auch viele Freiberufler oder Selbstständige, denen die Mittel fehlen, um Rücklagen fürs Alter zu bilden. Auch Menschen mit geringer Qualifikation sowie Migranten ohne Ausbildung gehören zu der Gruppe, weil sie häufig nur ungelernte Tätigkeiten mit geringem Verdienst und damit nur geringen Rentenansprüchen ausüben können.

Warum steigt die Altersarmut in Deutschland?

Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Einer davon ist das wachsende Durchschnittsalter der Bevölkerung. Immer mehr Menschen beziehen Rente, zugleich gibt es immer weniger im arbeitsfähigen Alter. Dadurch sinkt langfristig das allgemeine Rentenniveau. Auch andere Trends begünstigen die wachsende Altersarmut. So steigt zum Beispiel die Zahl der Arbeitnehmer kontinuierlich an, die in Minijobs beschäftigt sind und daher keine Beiträge in die Rentenkasse einzahlen. Die Zahl der Menschen mit „unterbrochener Erwerbs-Geschichte“ wächst ebenso. Das sind besonders Arbeitnehmer mit befristeten Verträgen, bei denen sich immer wieder Perioden der Beschäftigung mit Zeiten der Arbeitslosigkeit abwechseln. Davon sind auch Auswanderer betroffen, die ihr Glück in der Fremde versuchen, dort scheitern und wieder nach Deutschland zurückkommen. Seit langem gibt es zudem immer mehr alleinerziehende Mütter oder Väter, die aus den verschiedensten Gründen ihre Kinder ohne den Partner großziehen müssen.

Was kann gegen Altersarmut getan werden?

Grundsätzlich gilt, je eher etwas dagegen unternommen wird, um so wirksamer sind die Maßnahmen. Wer in jungen Jahren eine private Rentenversicherung abschließt, muss nur ein paar Euro im Monat bezahlen und kann sich später über einen beachtlichen Zuschuss zur gesetzlichen Altersrente freuen. Mini-Jobber können darüber hinaus freiwillig Beiträge in die Rentenkasse einzahlen und so ihr Rentenniveau anheben. Auch wenn man bei seinem Berufsstart noch nicht dran denken möchte, lohnt es sich also, frühzeitig etwas für seine finanzielle Absicherung im Alter zu tun. / Fotoquelle: fotolia.de / © PhotographyByMK

Autor: Kim Teschner

Kim ist bereits seit 2012 bei uns. Damals hat sie hauptberuflich bei einem Steuerberater gearbeitet und wollte ihr Wissen gerne einem breiten Publikum zur Verfügung stellen. Nach Mutterschutz und Elternzeit ist sie nun endlich wieder da und unterstützt uns in den Bereichen Finanzen, Gehalt und Steuern.