Junge Arbeitslose – Bundesagentur für Arbeit sucht neue Wege

- 18.02.2013 von Sonja Hess -

Ausbildung und JugendarbeitslosigkeitImmer mehr Unternehmen, die keine geeigneten Auszubildenden finden und immer mehr Jugendliche, die arbeitslos sind. Wie passt das zusammen? Mit ihrem jüngsten Vorschlag versucht die Bundesagentur für Arbeit diese widersprüchlichen Entwicklungen zusammenzuführen und produktiv zu machen.

Der Arbeitsmarkt in Deutschland sendet seit Jahren widersprüchliche Signale aus. Jahr für Jahr steigt der Fachkräftemangel, viele Betriebe, vor allem mittelständische Unternehmen und Handwerksbetriebe, haben immer größere Schwierigkeiten, geeignete Azubis zu finden. Auf der anderen Seite bildet sich ein fester Sockel von Hartz 4-Empfänger, zu denen immer mehr junge Menschen gehören. Schulabbrecher, Studienabbrecher, Jugendliche, die ihre Lehre nicht zu Ende führen, sie alle laufen Gefahr ohne Umweg über den ersten Arbeitsmarkt in der Hartz 4-Falle zu landen. Keine Qualifikation das ist in der Regel gleichbedeutend mit: keine oder schlecht bezahlte und befristete Jobs, oft auf 450-Euro-Basis.

Qualifizierung statt schneller Vermittlung

Bislang versuchte die Bundesagentur für Arbeit und ihre Jobcenter vor Ort, diese jungen Leute so schnell wie möglich irgendwo unterzubringen. Die Betonung liegt auf „irgendwo“ – welche Art der Beschäftigung und wie nachhaltig die Vermittlung war, spielte dabei eine eher untergeordnete Rolle. Im Vordergrund stand der schnelle Erfolg. Die jüngsten Zahlen jedoch sind alarmierend: Rund ein Sechstel der jungen Menschen sind ohne berufsqualifizierenden Abschluss, sie besuchen auch keine Schulen, absolvieren kein Studium und auch keine sonstige Ausbildung. Auf sehr bittere Art ist so ein unter Jugendlichen kursierender Witz zur Realität geworden: „Was willste mal werden? Isch werd‘ Hartz 4.“

Dieser Entwicklung will die Bundesagentur für Arbeit jetzt gegensteuern. Statt in die direkte Beschäftigung sollen junge Arbeitslose jetzt in Ausbildungsstellen vermittelt werden. Die Erfolgsmarge pro Jahr wurde mit 25.000 recht hoch angesetzt. Das Konzept vom schnellen Vermittlungserfolg ist damit also vom Tisch – jetzt gilt es „nur“ noch, Betriebe davon zu überzeugen, dass auch ältere Jugendliche und junge Erwachsene geeignet sind, eine Lehre zu absolvieren.

Gute Voraussetzungen

Die Rahmenbedingungen für ein solches Programm sind auf dem deutschen Arbeitsmarkt derzeit (noch) günstig. Anders als in den südeuropäischen Krisenländern ist bei uns die Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen in erster Linie ein Problem mangelnder Qualifizierung. Während in Spanien oder Griechenland auch hochqualifizierte junge Arbeitssuchende kaum eine Chance haben, einen gut bezahlten festen Job zu finden, werden hierzulande immer wieder neue Kapriolen geschlagen, um geeignete Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt anzulocken. Diese Bemühungen, man denke nur an die sogenannten „Computerinder“ , waren bislang wenig erfolgreich. Naheliegender ist es da ohnehin, auf das Potenzial im eigenen Land zurückzugreifen. Im Interesse der öffentlichen Kassen, mehr aber noch im Interesse der jungen Hartz 4-Empfänger. Ihnen bleibt nicht mehr viel Zeit, sich auf den Weg in eine gute Zukunft zu machen. / Fotoquelle: fotolia.de / © Marco2811

Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können