Elterngeld wird noch komplizierter – Steuerklasse rechtzeitig wechseln

- 25.01.2013 von Sonja Hess -

Die Bedingungen für das Elterngeld ändern sich in 2013 gravierend. Sobald die Schwangerschaft bemerkt wird, muss man sich daher beraten lassen und gegebenenfalls schnell die Steuerklasse ändern.

Durch die Änderungen bei der Berechnung des Elterngeldes müssen Eltern spätestens sieben Monate vor der Geburt in eine andere Steuerklasse wechseln, wenn sie keine Einbußen hinnehmen wollen. Nun ist in den ersten Schwangerschaftswochen nicht mehr die Einrichtung des Kinderzimmers und der Kauf der Erstausstattung das Wichtigste, sondern die Wahl der richtigen Steuerklasse. Eltern können mit der falschen Steuerklasse über einhundert Euro pro Monat beim Elterngeld verschenken. Daher sollte man sich rechtzeitig vom Steuerberater oder einer Lohnsteuerberatungsstelle beraten lassen.

Nahezu unbemerkt wurden die Gesetze geändert

Bereits im Sommer 2012 wurden die Gesetze geändert, die zum Beginn dieses Jahres die Änderungen beim Elterngeld verursachen. Eigentlich sollte damit für eine schnellere Auszahlung und eine Vereinfachung des Elterngeldes gesorgt werden. Tatsächlich werden aber nun Tausende von Eltern deutlich weniger Elterngeld erhalten. Ganz einfach weil sie nicht wussten, dass sie derartig frühzeitig ihre Steuerklasse ändern müssen.

Bisher galt der Nettolohn als Grundlage

Arbeitnehmer konnten bisher ganz simpel ersehen, wie viel Elterngeld sie erhalten würden, indem sie etwa 65 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens ausrechneten. Dabei gab es im Höchstfall 1.800 Euro je Monat für bis zu vierzehn Monate. Ab 2013 werden jedoch die Bruttolöhne als Berechnungsgrundlage angenommen und lediglich um vorgegebene Pauschalbeträge reduziert. Was wirklich auf der Lohnabrechnung steht, auch die Freibeträge, interessiert nicht mehr. So werden vor allem Eltern benachteiligt, die einen Freibetrag für ein behindertes Kind auf der Steuerkarte haben. Ob diese Ungerechtigkeit wirklich mit dem Grundgesetz vereinbar ist, könnte noch fraglich sein.

Lohnsteuerklasse wechseln trotzdem sinnvoll

Während das Elterngeld theoretisch kaum durch die Änderungen sinkt, wirken diese sich in der Praxis doch recht maßgeblich aus. Mit einem rechtzeitigen Wechsel der Steuerklassen können Verheiratete trotzdem noch ihr Nettoeinkommen deutlich erhöhen. Aber nun müssen sie dies bereits mindestens sieben Monate vor dem Geburtstermin tun, da nur die Steuerklasse Gültigkeit bei der Berechnung hat, die während der letzten zwölf Monate vor der Geburt am längsten auf der Steuerkarte eingetragen war. Damit werden Eltern sehr viel früher gezwungen, sich zu entscheiden, wer nach der Geburt bei dem Kind zuhause bleiben soll. Daher ist es besonders wichtig, sich frühzeitig umfassend steuerlich beraten zu lassen.

Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können