EU-Fluggastrechte – Entschädigungen für Fluggäste

- 22.07.2020 von Sonja Hess -

Verspätungen oder gar gleich der Ausfall eines Fluges kann den Start in den Urlaub oder die Arbeitsreise beträchtlich beeinflussen. So unangenehm die Sache oft ist, steht den Reisenden in vielen Fällen aber zumindest eine Entschädigung zu. Wie groß diese ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Die Fluggastrechteverordnung Nummer 261/2004

Bewohner der Europäischen Union können sich beim Thema Fluggastrecht auf die Fluggastrechteverordnung Nummer 261/2004 berufen. In dieser sind die Voraussetzungen für eine Entschädigung von Fluggästen und auch die jeweiligen Summen geregelt. Wichtig ist dabei, dass die Fluggastrechteverordnung nur greift, wenn die Reise von einem EU-Flughafen beginnt oder das Flugzeug einen EU-Flughafen anfliegt, während die Airline selbst ihren Sitz in der EU hat.

Ist eine dieser Voraussetzungen erfüllt, dann haben alle Fluggäste einen Entschädigungsanspruch, unabhängig davon, ob sie selbst in der Europäischen Union leben. Jedoch kann sich ein EU-Bürger nicht auf die Verordnung berufen, wenn er außerhalb der EU unterwegs ist. Kommt es beispielsweise zu einer Flugverspätung von Moskau nach Peking mit einer chinesischen Fluglinie, dann greifen die Bestimmungen der EU-Fluggastrechteverordnung nicht.

Welche Entschädigungen stehen dem Fluggast zu?

Ob und welche Entschädigungen gezahlt werden, hängt davon ab, wie lange sich ein Flug verspätet und welche Strecke zurückgelegt werden soll. Grundsätzlich wird aktuell zwischen folgenden drei Stufen unterschieden:

  • 250 Euro – Entschädigung bei Kurzstreckenflügen bis 1500 Kilometer bei mindestens 3 Stunden Flugverspätung
  • 400 Euro – Entschädigung bei Mittelstreckenflügen von 1500 bis 3500 Kilometern bei mindestens 3 Stunden Verspätung
  • 600 Euro – Entschädigung bei Langstreckenflügen ab 3500 Kilometern bei mindestens 3 Stunden Verspätung (Ausnahme: innereuropäische Flüge, bei denen die Entschädigung maximal 400 Euro beträgt. Sollte die Verspätung zwischen drei und vier Stunden liegen, besteht die Möglichkeit, dass die Fluggesellschaft die Entschädigung um 50 Prozent reduziert.)

Relevant für den Anspruch auf eine Entschädigung ist der Zeitpunkt der Landung. Allerdings haben Kunden auch bestimmte Rechte, wenn es zu Startverzögerungen kommt und das Flugzeug noch gar nicht abgehoben ist. In diesem Falle muss die Airline für Betreuungsleistungen wie kostenfreie Mahlzeiten und Getränke sorgen sowie zwei kostenlose Telefonate, Faxe oder E-Mails garantieren. Ist die Verspätung so groß, dass der Flieger erst am nächsten Tag abhebt, muss zudem für eine Hotelübernachtung der Gäste gesorgt werden. Auch dann greifen aber wieder bestimmte zusätzliche Voraussetzungen. Bei Kurzstreckenflügen muss die Verspätung mindestens zwei Stunden betragen, bei Mittel- und Langstreckenflügen sind es mindestens drei Stunden.

Fällt der Flug gleich ganz aus, hat der Fluggast ebenfalls das Recht auf die genannten Betreuungsleistungen. Zudem kann er sich entweder den gesamten Preis für das Flugticket erstatten lassen oder aber eine anderweitige Beförderung zu seinem gewünschten Ziel fordern. Eine finanzielle Entschädigung steht dem Gast darüber hinaus noch zusätzlich zu und richtet sich aktuell nach folgenden Kriterien:

  • 250 Euro – Flugstrecke bis 1500 Kilometer
  • 400 Euro – Flugstrecke zwischen 1500 und 3500 Kilometern; Flugstrecke von mehr als 1500 Kilometern innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums
  • 600 Euro – Bei allen anderen Flugausfällen

Die Fluggesellschaft informieren

Die eigenen Rechte zu kennen, ist die eine Sache, sie anschließend auch durchzusetzen, eine andere. Wer seine Ansprüche geltend machen möchte, muss selbst aktiv werden. Dabei ist es wichtig, sich während des Vorfalls den Flugausfall oder die Verspätung von den Mitarbeitern der Fluglinie bestätigen zu lassen und alle notwendigen Belege aufzubewahren. Nicht selten reagieren die Airlines allerdings eher träge oder sogar gar nicht auf die Anfragen ihrer Kunden, wenn es um Entschädigungen geht. In solchen Fällen lohnt es sich, Schlichtungsstellen oder direkt einen Anwalt einzuschalten.

Mitunter ist die Fluggesellschaft allerdings auch nicht verpflichtet, ihre Kunden zu entschädigen. Dies ist immer dann der Fall, wenn die Verspätung oder der Ausfall auf höhere Gewalt wie beispielsweise Stürme zurückzuführen ist. Sollte eine solche Tatsache vorliegen, muss sie von der Airline aber bewiesen werden. / Fotoquelle: © Olena Yakobchuk – Shutterstock.com

Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können