Kritik an Riester-Rente: Zu teuer und intransparent

- 06.10.2012 von Sonja Hess -

Rente und private AltersvorsorgeDie Riester-Rente galt bis vor Kurzem als sinnvolle Form der privaten Altersvorsorge. Nun wird die Kritik wegen niedriger Renditen lauter. Die Regierung hat an diesem staatlich geförderten Instrument inzwischen nachgebessert.

Private Altersvorsorge: Riester-Rente als Erfolgsmodell?

Im Jahr 2000 leitete die damalige rot-grüne Bundesregierung die größte Rentenreform der bundesdeutschen Geschichte ein. Aufgrund des demografischen Wandels war die gesetzliche Rentenversicherung in Nöte geraten, deswegen setzte Bundesarbeitsministerium Walter Riester auf eine ergänzende private Versicherung. Damit möglichst viele Beschäftigte einen solchen Vertrag abschließen, beschloss das Parlament damals attraktive staatliche Zulagen. Zudem wurde die Zertifizierung solcher Policen an Bedingungen geknüpft, welche für die Versicherungsnehmer vorteilhaft sind: So müssen ab Renteneintritt mindestens die Beiträge plus die Zuschüsse ausgezahlt werden und bei einem vorübergehenden Bezug von Alg2 ist das Angesparte geschützt. Viele Deutsche ließen sich davon überzeugen, mittlerweile wurden knapp 15,6 Millionen solcher Verträge abgeschlossen.

Wachsende Kritik an Riester-Verträgen: Zweifel an Rendite

Diese rasante Verbreitung der Riester-Rente dürfte nun aber an Geschwindigkeit abnehmen. Immer mehr Experten säen Zweifel an deren Attraktivität. Vor allem die Rentabilität gerät in den Fokus der Kritik. Die zahlreichen Versicherer, welche auf diesem Markt um Kunden werben, verdienen ordentlich mit. Verbraucherschützer vertreten die Auffassung, dass die hohen Gewinnspannen massiv zulasten der Sparer gehen. Selbst mit den staatlichen Zuschüssen lohnt sich für viele Beschäftigte ein Vertragsabschluss häufig nicht. Andere Formen der Altersvorsorge wie Fondssparpläne stellen angesichts geringere Verwaltunsgebühren für viele die bessere Alternative dar. Riester-Rente sollten nach Meinung von Fachleuten nur jene abschließen, die überdurchschnittlich von den Zulagen profitieren. Das trifft auf Geringverdiener sowie auf Versicherungsnehmer mit Kindern zu.

Neue Attraktivität durch gesetzlichen Änderungen?

Weitere Kritikpunkte sind mangelnde Transparenz und hohe Kosten bei einem Anbieterwechsel. Zumindest hier steuert die jetzige Bundesregierung entgegen. Ab sofort müssen Versicherer Interessierten einheitlich gestaltete Produktinformationen zur Verfügung stellen. Damit wird Verbrauchern die Vergleichbarkeit der Policen erleichtert. Zusätzlich begrenzt der Gesetzgeber die Gebühren, welche Anbieter bei der Übertragung des bisher angesparten Kapitals auf einen neuen Riester-Vertrag verlangen. Diese waren zum Teil so hoch, dass sich ein Wechsel auch zu einem wesentlich attraktiveren Versicherer nicht auszahlte. Auch das Wohn-Riestern wurde reformiert: Sparer können nun Beträge nun leichter aus dem Vertrag entnehmen. Experten begrüßen diese Änderungen, so zum Beispiel die Verbraucherschützer vom Bund der Versicherten. / Fotoquelle: fotolia.de / © bounlow-pic

Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können