Wer erbt in Patchworkfamilien?

- 17.01.2024 von Daniela Lütke -

Erbrecht und ErbfolgeIn Deutschland sind Schätzungen zufolge ungefähr 14 Prozent aller Familien sogenannte Patchworkfamilien. So werden Familien bezeichnet, in die beide Partner Kinder aus früheren Beziehungen mit in die neue Ehe oder Partnerschaft bringen. Das kann für alle eine Bereicherung sein, denn Patchworkfamilien funktionieren oftmals überraschend gut. Stirbt aber einer der Eheleute oder Lebenspartner, kann es Probleme geben. Das deutsche Erbrecht ist sowieso schon kompliziert und im Fall von Patchworkfamilien kann es noch schwieriger werden.

Was sagt das Erbrecht über Patchworkfamilien?

Diese werden durch die gesetzliche Erbfolge klar benachteiligt, weil im Erbrecht der Fall von Patchworkfamilien überhaupt nicht vorgesehen ist. Stirbt ein Mensch, erbt in der Regel der überlebende Ehe- oder Lebenspartner und die leiblichen Kinder oder Angehörigen des bzw. der Verstorbenen. Die Kinder des Partners werden als Stiefkinder bezeichnet. Sie sind von der Erbfolge ausgeschlossen. Das wird zwar nicht ausdrücklich gesagt, aber sie werden im Erbrecht überhaupt nicht erwähnt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass noch bis vor relativ wenigen Jahren Patchworkfamilien relativ selten waren. Jetzt dagegen nimmt ihre Zahl immer mehr zu. Nicht selten haben die beiden Ehe- oder Lebenspartner sogar verschiedene Nationalitäten. Dann wird der Fall noch komplizierter.

Was kann getan werden, um das Problem zu lösen?

Ein gewöhnliches Testament ist im Fall einer Patchworkfamilie in der Regel ungeeignet. Wenn der Erblasser darin festlegt, dass seine Stiefkinder erben sollen, ist das nichtig, weil Stiefkinder keine Erbberechtigung haben. Verstößt ein Testament gegen geltendes Recht, ist es ungültig. Ein Testament würde bei einer Patchworkfamilie nur dann Sinn ergeben, wenn der Erblasser keine eigenen Kinder hat. Das Problem lässt sich relativ einfach lösen, wenn der Erblasser die Kinder des Ehe- bzw. Lebenspartners adoptiert. Dann haben sie auf jeden Fall Anspruch auf das Pflichtteil des Erbes. In diesem Zusammenhang muss auch beachtet werden, dass die Erbberechtigung des Ehe- oder Lebenspartners erlischt, wenn die Beziehung offiziell endet.

Welche Regelungen kommen für Patchworkfamilien in Betracht?

Die Probleme mit dem Erbrecht können auf verschiedene Art gelöst werden. Die Ehegatten können zum Beispiel bereits bei der Eheschließung vertraglich eine Gütertrennung vereinbaren. Eine andere Option besteht darin, dass die Partner nur ihre jeweiligen leiblichen Kinder als Erben einsetzen und darauf verzichten, einander zu beerben. Dazu müssen sie einen Erb- und Pflichtteilsverzicht abgeben.

Falls das Vermögen ungleich verteilt ist, also ein Partner wesentlich vermögender ist als der andere, kann der Erblasser den Partner als Vorerben einsetzen und seine eigenen Kinder als Nacherben. Der Begriff Vorerbe bedeutet, dass der überlebende Erbe das Vermögen des verstorbenen Partners lebenslang nutzen kann, um finanziell abgesichert zu sein. Erst nach dem Tod des Partners können die leiblichen Kinder des Erblassers ihr Erbe antreten. Die Ehepartner können sich einigen, dass auch die Kinder des anderen als Gleichgestellte behandelt werden. Dazu müssen sich die Ehepartner gegenseitig als Erben einsetzen. Stirbt auch der zweite Ehepartner, erben die Kinder der beiden Ehepartner das Vermögen zu gleichen Teilen.

So bald wie möglich klare Verhältnisse schaffen!

Wie aus den bisherigen Ausführungen hervorgeht, greift das Erbrecht bei Patchworkfamilien nicht, da diese Art von Familien vom Gesetzgeber nicht berücksichtigt wurde. Wer mit einem neuen Partner eine Patchworkfamilie gründet, sollte sich darum die Zeit nehmen und Regelungen für den Todesfall treffen. Konkrete Ratschläge können jedoch im Rahmen dieses Ratgebers nicht gegeben werden, da die Situation in jeder Patchworkfamilie anders ist.

Experten empfehlen, dass sich die Eheleute zunächst einmal zusammensetzen und sich über das Thema Erbe unterhalten. Wichtig ist, dass sie sich einig werden, was zu tun ist. Danach sollten sie unbedingt einen Notar aufsuchen und sich beraten lassen. Die Juristin bzw. der Jurist kann dann aufgrund der persönlichen Situation Empfehlungen geben, welche Maßnahmen sich am besten eignen und eventuell sogar ein notariell beglaubigtes Testament aufsetzen. Das kostet zwar ein Honorar, erspart aber unter Umständen langwierige und teure Gerichtsprozesse. / Fotoquelle: © fizkes – Shutterstock.com

Autor: Daniela Lütke

Daniela ist 2016 zu uns gestoßen. Als Journalistin und ehemalige Unternehmensberaterin hat sie sich ein enormes Wissen zu den Themen Ausbildung, Beruf & Karriere aufgebaut und versteht es, dieses geschickt in Worte zu fassen.