Was taugen kontaktlose Bezahlsysteme wie PayPass oder PayWave?

- 16.04.2013 von Sonja Hess -

Das Szenario gehört zum Alltag. Man steht irgendwo an einer Kasse und der Vordermann bezahlt mit Kreditkarte. Und das auch dann, wenn er nur einen Joghurt gekauft hat. Zwar heißt es, dass bargeldloses Zahlen durchschnittlich nur halb so lang dauert wir mit Bargeld, aber der Alltag hat da seine Tücken – und sei es nur die falsch eingegebene Geheimzahl oder einfach aus Versehen die PIN der Karte, die man gerade nicht benutzt. Aber das, glaubt man der Kreditwirtschaft, wird alles bald der Vergangenheit angehören.

Mit „Antenne“ bezahlen?

Near Field Communication heißt das Zauberwort, das für die Revolution im bargeldlosen Zahlungsverkehr steht. Die Kreditkarte der Zukunft, genauer gesagt derzeit noch die der laufenden Pilotprojekte für die bargeldlose Zukunft, verfügt über einen Chip, der mittels Kleinstantennen Funkkontakt zu einem entsprechenden Lesegerät aufnehmen kann und einen Zahlungsvorgang in weniger als einer Sekunde erledigt. Der Kunde hält seine Karte einfach im geeigneten Abstand, etwa vier Zentimeter, vor das Lesegerät und schon ist alles erledigt. Der zu bezahlende Betrag wird im Display des Lesegeräts gezeigt, von dem Chip der Karte erkannt, bestätigt und bei der Bank abgebucht und dem Händler gut geschrieben. Alles Ratz Fatz und ohne Probleme. Inzwischen bietet E-Plus die NFC-Technologie auch per Chip fürs Handy an. Ob sich da ein Verdrängungswettbewerb zwischen Handy und Kreditkartensystem abzeichnet, lässt sich derzeit noch nicht bewerten. Noch stehen die neuen Kreditkarten im Mittelpunkt des kontaktlosen Zahlens.

Pilotprojekte sind angelaufen

Mitte 2012 startete die Deutsche Kreditwirtschaft im Großraum Hannover ein Pilotprojekt für die neuen Karten. Rund 1,2 Millionen Karten mit NFC Chip wurden an die Kunden der Sparkassen und der Volks- und Raiffeisenbanken ausgegeben. Das Pilotprojekt war, wie sollte es anders sein, erfolgreich. Weitere Regionen – Rhein-Main, Rhein-Ruhr und Hamburg – sollen 2013 folgen. Und natürlich wollen auch Kreditkartenanbieter wie Mastercard und VISA die Revolution nicht verpassen und setzen auf die neue Technik. Paywave heißt das bei VISA und Mastercard geht mit Paypass ins Rennen. Bislang hat VISA 500.000 Kunden mit den neuen Karten ausgestattet, beim Konkurrenten sind es schon 1,3 Millionen.

Kontaktlose Bezahlung bald Alltag?

Wie aber bewähren sich die NFC-Karten im Alltag? Schenkt man entsprechenden Testberichten Glauben, so ist der Bekanntheitsgrad der neuen Technik auch in ausgewiesenen Einsatzgebieten äußerst gering und der Wunsch kontaktlos zu bezahlen sorgt für einiges Aufsehen. Auch scheint das Personal auf die neue Technik nur unzulänglich vorbereitet. Insbesondere bei VISA Paywave scheinen die Startschwierigkeiten noch ziemlich groß zu sein. Ebenfalls noch weitgehend unbekannt für Kunden und Händler ist anscheinend, wer wo mit welcher Karte bezahlen kann. Die Probleme scheinen allerdings eher im Bereich Information/Kommunikation, Schulung und Logistik zu liegen und weniger im rein technischen Bereich. Insofern dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die neue Technologie flächendeckend zum Einsatz kommt. Bis dahin schadet es aber nicht, als Nutzer der neuen NFC-Kreditkarten ein wenig Bargeld bei sich zu haben. Schließlich verzichtet man ungern auf seine Kaffepause, nur weil es bei der Karte nicht so recht funkt.

Wo erhalte ich eine Paypass- oder Paywave-Kreditkarte?

Inwischen verfügen alle neu herausgegebenen Mastercard- und VISA-Kreditkarten über einen integrierten Paypass- bzw. Paywave-Chip. Viele Kreditinstitute geben die Kreditkarten inzwischen kostenlos an ihre Kunden heraus. Manche Karten bieten, neben der zukunftsweisenden NFC-Technik, auch zusätzlichen Versicherungsschutz, Tankrabatte oder weitere Bonusprogramme an. Eine Übersicht der verschiedenen Angebote kann man sich auf www.kreditkarten-ratgeber.de verschaffen. Wer seine Kreditkarte bei seiner Hausbank vor Ort beantragt, dem entgehen meist die günstigeren Konditionen der Online-Angebote. Im Effekt zahlt man entweder drauf oder verzichtet auf kostenlose Zusatzleistungen.

Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können