Steigende Löhne für Pflegefachkräfte erwartet

- 31.10.2012 von Sonja Hess -

Pflege und PflegepersonalIn Deutschland wird, wie in anderen Industrieländern auch, die Bevölkerung immer älter. Das ist nicht nur positiv, sondern hat auch negative Auswirkungen. Eine davon ist der aktuell herrschende Pflegenotstand, der sich zu einer echten Pflegekrise ausweiten könnte, falls auch weiterhin keine Maßnahmen ergriffen werden.

Wo liegen die Ursachen den Fachkräftemangels?

Die Hauptursache des Pflegekräftemangels ist die wachsende Zahl der Pflegebedürftigen bei gleichzeitig sinkender Zahl der Pflegekräfte. Bereits heute sind in Deutschland mehr als 2,5 Millionen Menschen pflegebedürftig. Diese Zahl wird in den nächsten Jahren ständig weiter anwachsen, da sich Pflegebedürftigkeit meist erst im Alter einstellt. Berechnungen von Experten haben beispielsweise ergeben, dass sich die Zahl der Demenzkranken alle 20 Jahre verdoppeln wird.

Gleichzeitig gibt es immer weniger Fachkräfte, die sich um die pflegebedürftigen Menschen kümmern. Heute fehlen bereits 50.000 Fachkräfte deutschlandweit, in 10 Jahren werden es etwa 150.000 Stellen sein, die nicht besetzt werden können. Dafür gibt es mehrere Ursachen. So wurden besonders im Bereich der stationären Pflege massiv Stellen abgebaut. Der Zivildienst, der besonders in der Altenpflege engagiert war, wurde abgeschafft. Das Berufsbild der Pflegefachkraft ist wenig attraktiv, da der Lohn eines Altenpflegers in keinem Verhältnis zur geleisteten Arbeit steht. Schichtdienst und Einsätze am Wochenende oder an Feiertagen sind die Regel, nicht die Ausnahme.

Diese Arbeitsumstände brachten viele viele Pflegekräfte dazu, sich beruflich anderweitig zu orientieren. Der Pflegedienst hat zudem auch selbst unter der Überalterung zu leiden. Es steht immer weniger Nachwuchs zur Verfügung. Da die Tätigkeit sowohl körperlich als auch seelisch sehr belastend ist, können ihn nur wenige Mitarbeiter bis zur Rente durchhalten.

Was wird gegen den Pflegenotstand getan?

Bereits jetzt kann von 3 offenen Stellen im Bereich der Pflege lediglich eine besetzt werden. Um diesem Zustand entgegenzuwirken, ergreifen die Krankenkassen und Pflegedienste in den Bundesländern Niedersachsen und Thüringen nun konkrete Maßnahmen. Mit ihrem jüngst in die Wege geleiteten Pflegepakt wollen Kassen und Pflegedienste gemeinsam den Beruf des Pflegers attraktiver machen.

Das soll durch eine bessere Bezahlung der Pflegefachkräfte erreicht werden. Die Krankenkassen sind beispielsweise bereit, höhere Tariflöhne zu zahlen, während die Pflegeverbände höhere Pflegesätze fordern, die sie in die Lage versetzen werden, ihren Mitarbeitern höhere Gehälter zu bezahlen. Zudem soll der Pflegeberuf auch durch eine Verbesserung der beruflichen Ausbildung attraktiver gemacht werden. So wird die Ausbildung an Fachschulen mit monatlichen Geldbeträgen bezuschusst und die Ausbildungszeit einheitlich auf 2 Jahre festgesetzt.

Ausländische Abschlüsse im Bereich der Pflege sollen zukünftig unkompliziert anerkannt werden. Auch Quereinsteiger werden auf ihrem Weg unterstützt, indem die Kosten für notwendige Qualifizierungsmaßnahmen vollständig übernommen werden. Der Pflegepakt soll mehr Menschen dazu bringen, einen Beruf im Bereich Pflege zu wählen. Inwieweit die Arbeitsbedingungen bisheriger Beschäftigter im Pflegesektor sich wirklich verbessern werden, bleibt aber abzuwarten. Steigende Löhne für Pflegefachkräfte sind angesichts der zunehmenden Nachfrage am Arbeitsmarkt allerdings eine sichere Prognose. / Fotoquelle: fotolia.de / © Lack-O’Keen

Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können