Über das eigene Gehalt sprechen erlaubt – Mitarbeiter tun es ungern

- 25.08.2012 von Kim Teschner -

Gleichbehandlungsgrundsatz und SchweigeklauselEin gutes Beschäftigungsverhältnis soll Spaß machen und fordern sowie fördern. Genau so wichtig ist jedoch eine angemessene Bezahlung. Schließlich ist die übergroße Mehrheit auf das Arbeitseinkommen angewiesen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Doch ist das Sprechen über das Gehalt auch immer erlaubt?

Welche Bedeutung hat das Gehalt?

Neben dem Beitrag zum Lebensunterhalt ist das Gehalt auch Ausdruck der Wertschätzung des Unternehmens. Je höher der Lohn oder das Gehalt des Mitarbeiters, desto wertvoller ist seine Tätigkeit für die Firma. Trotzdem ist das Thema Arbeitseinkommen zumindest in Deutschland bis heute noch verpönt. Im Allgemeinen gilt die Regel: je höher die Position des Mitarbeiters, um so größer ist die Verschwiegenheit zum Thema Gehalt. Das ist einerseits historisch bedingt, da es bis heute in Deutschland als gierig oder prahlerisch gilt, über sein Einkommen zu sprechen. Viele Arbeitsverträge enthalten sogar eine Klausel, die dem Arbeitnehmer verbietet, über sein Gehalt oder Lohn zu sprechen. Dies wird meist damit begründet, dass dadurch der Betriebsfrieden gewahrt werden soll und Neid und Klatsch unter den Kollegen gestoppt oder begrenzt werden sollen.

Über das Gehalt darf gesprochen werden

Das Landesarbeitsgericht Rostock stellte in einem Präzedenzfall fest, dass die Schweigeverpflichtung zum Thema Gehalt nicht rechtswirksam ist, da die Mitarbeiter dadurch benachteiligt werden. Sie können dadurch zum Beispiel Verstöße gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz (gleicher Lohn für gleiche Arbeit) nur schwer feststellen. oder Gewerkschaften für ihre Rechte kämpfen lassen, da sie ja auch gegenüber Gewerkschaftern ihr Arbeitseinkommen nicht angeben dürften. Nach und nach lockern sich jedoch die Regeln, auch ohne bedeutende Gerichtsurteile. Besonders Mitarbeiter auf den unteren Rängen der Unternehmenshierarchie vergleichen immer öfter ihre Lohnzettel.

Wie sieht die Situation im Ausland aus?

In vielen Ländern, besonders im angelsächsischen Kulturkreis, spricht man offener über die Fragen Lohn und Gehalt. Dort ist es üblich, bei der Stellenausschreibung für Führungskräfte das Jahresgehalt anzugeben. Bei Mitarbeitern der unteren Rangstufen dagegen gibt man bei der Ausschreibung die Lohngruppe an. Die Lohngruppen sind exakt definiert und hängen in der Firma aus. Dadurch weiß jeder, was er verdienen wird.

Transparenz bringt Vorteile

Natürlich sollten Sie nicht die Aufhebung der sogenannten Schweigeklausel dazu nutzen, Lohn- oder Gehaltsfragen bei jeder Gelegenheit zu diskutieren. Durch den Vergleich des Arbeitseinkommens können Sie jedoch schnell auf Ungereimtheiten aufmerksam werden. So nutzen viele Firmen die Schweigeklausel, um bei Neueinstellungen den Lohn zu drücken. Wenn es bekannt wird, haben Gewerkschaften oder Betriebsräte gegebenenfalls die Möglichkeit, dagegen vorzugehen. / Fotoquelle: fotolia.de / © fotomek

Autor: Kim Teschner

Kim ist bereits seit 2012 bei uns. Damals hat sie hauptberuflich bei einem Steuerberater gearbeitet und wollte ihr Wissen gerne einem breiten Publikum zur Verfügung stellen. Nach Mutterschutz und Elternzeit ist sie nun endlich wieder da und unterstützt uns in den Bereichen Finanzen, Gehalt und Steuern.