Krank am ersten Arbeitstag – was nun?

- 22.05.2024 von Sebastian Nissen -

Krankheit und KrankengeldDer erste Arbeitstag ist aufregend. Man lernt die neuen Kolleginnen und Kollegen kennen, bekommt einen Einblick in das Unternehmen und erhält eine ausführliche Einweisung durch den Chef. Doch was passiert, wenn man am ersten Arbeitstag krank wird? Das macht nicht nur einen schlechten Eindruck. Eine Erkrankung unmittelbar nach einem Firmenwechsel wird auch anders behandelt als die Erkrankung eines langjährigen Mitarbeiters.

Wer zahlt das Krankengeld?

Normalerweise bekommt der Arbeitnehmer im Krankheitsfall sechs Wochen lang eine Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber. Dies gilt jedoch erst ab einer Betriebszugehörigkeit von vier Wochen. Wer am ersten Arbeitstag im Unternehmen krank wird, erhält Krankengeld. Dieses mildert die finanziellen Folgen einer Erkrankung ab, ist aber niedriger als der normale Lohn. Das Krankengeld wird auf der Grundlage des Einkommens der letzten zwölf Monate berechnet und beträgt 70 Prozent des Bruttolohns, höchstens jedoch 90 Prozent des Nettolohns. Weihnachtsgeld wird berücksichtigt. Das Krankengeld beträgt maximal 120,75 Euro pro Tag.

Wer zuvor einige Zeit arbeitslos war, erhält in der Regel Krankengeld in Höhe des Arbeitslosengeldes, da von dem ohnehin stark reduzierten Betrag nicht noch ein Teil abgezogen wird. Vom Krankengeld sind weiterhin Sozialabgaben zu zahlen, lediglich der Beitrag zur Krankenversicherung entfällt während der Krankheit.

Krankheit und Probezeit

Bei Arbeitsbeginn befindet sich der neue Arbeitnehmer noch in der Probezeit. Diese kann individuell zwischen dem Arbeitnehmer und dem Unternehmen vereinbart werden. Sie beträgt maximal sechs Monate. Ist eine kürzere Probezeit vereinbart, greift der volle Kündigungsschutz trotzdem erst nach sechs Monaten. Die Probezeit wird durch eine Krankheit nicht verlängert.

Kann man wegen Krankheit gekündigt werden?

Viele Arbeitnehmer glauben, dass sie wegen Krankheit nicht gekündigt werden können. Dies ist jedoch ein Irrtum. Einem fest angestellten Mitarbeiter, der häufig krank ist, droht durchaus die Kündigung, da die Kosten für das Unternehmen zu hoch sind.

Etwas anders sieht es bei einem Mitarbeiter aus, der erst einen Tag im Unternehmen ist. Hier beträgt die Kündigungsfrist 14 Tage. Beide Seiten können ohne Angabe von Gründen kündigen. Dies dient dazu, dass sich der Arbeitnehmer und das Unternehmen kennenlernen können. Bei Problemen in der Zusammenarbeit ist eine Trennung ohne weiteres möglich. Bei einer Krankheit gleich am ersten Tag besteht die Gefahr, dass der Chef sofort die Kündigung ausspricht, bevor noch mehr in den Mitarbeiter investiert wird.

Das Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen

Ob man zu Beginn der Arbeit einen Tag oder mehrere Wochen ausfällt, es ist auf jeden Fall unangenehm. Um eine Kündigung zu vermeiden, empfiehlt es sich, aktiv zu werden. Zunächst ist es wichtig, unverzüglich das Gespräch mit dem Vorgesetzten zu suchen. Dabei ist es nicht nötig, ins Detail zu gehen, sondern es reicht, dem Chef klarzumachen, dass es sich um eine Ausnahme gehandelt hat und es schadet nicht, zu erwähnen, dass es einem sehr unangenehm ist.

Trotzdem bleibt ein schlechter erster Eindruck zurück, an dem man zunächst nichts ändern kann. Der neue Mitarbeiter sollte nun aber zeigen, dass er einen wertvollen Beitrag für das Unternehmen leisten kann. Sein Engagement muss überdurchschnittlich sein, und wenn es Arbeit zu erledigen gibt, wäre es ein Fehler, dies anderen zu überlassen. Wer so mit dem Problem umgeht, hat gute Chancen, dass der „Fehlstart“ bald vergessen ist. / Fotoquelle: © Subbotina Anna – Shutterstock.com