Von der betrieblichen Gesundheitsförderung profitieren alle Beteiligten

- 19.04.2024 von Daniela Lütke -

BGF und flexible ArbeitszeitenRechnet man den Arbeitsweg mit ein und zieht gleichzeitig die Zeit für den Schlaf ab, sind Millionen von Bundesbürgern länger auf der Arbeit und unterwegs als zu Hause bei ihrer Familie. Gleichzeitig steigt die Zahl der chronisch Kranken immer weiter an. Bereits 40% der Bevölkerung sind betroffen. Da die Menschen einen großen Teil ihrer Zeit am Arbeitsplatz verbringen, kommt dem Arbeitgeber im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) eine besondere Verantwortung zu.

Was bedeutet betriebliche Gesundheitsförderung?

Der Begriff bezeichnet alle Maßnahmen, die der Arbeitgeber trifft, um die Gesundheit seiner Mitarbeiter zu fördern. Sie gehen über die Sorgfalts- und Fürsorgepflicht des Arbeitgebers hinaus. Diese beziehen sich in erster Linie auf die Vermeidung akuter Gefahren für Leben und Gesundheit der Mitarbeiter, während der Schwerpunkt der betrieblichen Gesundheitsförderung auf der Steigerung des Wohlbefindens der Beschäftigten liegt. Beide Bereiche ergänzen sich jedoch und gehen zumindest teilweise ineinander über. Allerdings ist die betriebliche Gesundheitsförderung nicht nur eine Angelegenheit der Arbeitgeber. Ohne die aktive Beteiligung der Arbeitnehmer und die Mitwirkung der Gesellschaft kann die betriebliche Gesundheitsförderung nicht umgesetzt werden.

Welche Vorteile hat die betriebliche Gesundheitsförderung?

Die Arbeitnehmer sind direkte Nutznießer der BFG. Durch die Teilnahme an den Maßnahmen verbessert sich ihr allgemeiner Gesundheitszustand und damit auch ihre Lebensqualität. Sie fühlen sich wohler, haben weniger oder gar keine Schmerzen mehr und können mehr Zeit mit der Familie oder mit Freunden verbringen.

Die Arbeitgeber profitieren davon, weil der Krankenstand in der Firma sinkt und es weniger Ausfälle gibt. Dadurch können Kosten gespart werden. Eine gesunde Belegschaft sorgt darüber hinaus für ein besseres Betriebsklima und weniger Fluktuationen. Das fördert die Produktivität und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

Die Gesellschaft gewinnt ebenfalls durch die betriebliche Gesundheitsförderung, weil es sich zum größten Teil um präventive Maßnahmen handelt. Die Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands der Bevölkerung reduziert die Belastung des öffentlichen Gesundheitswesens und somit des Staatshaushalts.

Wie wird die betriebliche Gesundheitsförderung in der Praxis umgesetzt?

Wie der Name bereits suggeriert, ist bei der betrieblichen Gesundheitsförderung zunächst der Arbeitgeber in der Pflicht. Jede Firma muss zunächst die Situation analysieren, um festzustellen, wo es Probleme und Schwachstellen gibt. Dazu eignen sich beispielsweise vertrauliche Gespräche mit den Mitarbeitern, eine Analyse des Krankenstandes und der Fehlzeiten sowie der Gründe für Kündigungen. Auf der Basis der Ergebnisse ergreift der Betrieb bestimmte Maßnahmen. Dabei kann es sich um folgende handeln:

  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen durch Reduzierung von Staub, Lärm, Hitze und/oder Zugluft.
  • Bereitstellung ergonomischer Arbeitsmittel wie Bürostühle, Schreibtische und Monitore.
  • Installation einer augenschonende Beleuchtung.
  • Den Betrieb zur rauchfreien Zone erklären.
  • Angebot von gesundem Kantinenessen.
  • Einführung flexibler Arbeitszeiten.
  • Hilfe und Unterstützung bei Mobbing.
  • Angebot von Schutzimpfungen und Vorsorgemaßnahmen durch den Betriebsarzt.
  • Bereitstellung von aktuellen Informationen und Tipps zur gesunden Lebensführung.

Diese Maßnahmen haben jedoch nur Aussicht auf Erfolg, wenn sie von den Arbeitnehmern akzeptiert und mitgetragen werden. Diese Akzeptanz steigt, wenn sie merken, dass ihre Sorgen und Beschwerden vom Arbeitgeber ernst genommen werden und sie von ihren Vorgesetzten ernst genommen werden. Depressionen und Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie werden oftmals durch Mobbing ausgelöst. Schreitet der Arbeitgeber rechtzeitig ein, kann er das Problem bereits im Keim ersticken.

Welche Probleme gibt es bei der Umsetzung der betrieblichen Gesundheitsförderung?

Einige der oben beschriebenen Maßnahmen können sehr teuer sein. Zudem kann die betriebliche Gesundheitsförderung nur dann erfolgreich sein, wenn alle Beteiligten ihren Anteil einbringen. Nicht jeder bringt dafür aber das notwendige Interesse auf. So mancher Arbeitnehmer hat zum Beispiel seine eigene Auffassung zum Thema gesunde Lebensweise und so mancher Vorgesetzte nimmt Beschwerden über Mobbing nicht ernst. Dazu kommt, dass die Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung Zeit benötigen, um die positiven Effekte zu entfalten. Wenn sich nicht schnell Verbesserungen im Krankenstand und in den Fehlzeiten zeigen, denken viele Arbeitgeber, die getroffenen Maßnahmen wären sinnlos und das Geld verschwendet. Das trifft aber nicht zu. Mit etwas Geduld und der Zusammenarbeit aller Angehörigen der Firma lässt sich viel erreichen. / Fotoquelle: © Zamrznuti tonovi – Shutterstock.com

Autor: Daniela Lütke

Daniela ist 2016 zu uns gestoßen. Als Journalistin und ehemalige Unternehmensberaterin hat sie sich ein enormes Wissen zu den Themen Ausbildung, Beruf & Karriere aufgebaut und versteht es, dieses geschickt in Worte zu fassen.