Wie funktioniert das E-Rezept?

- 12.07.2023 von Sebastian Nissen -

elektronisches Rezept und digitales RezeptFür die meisten Versicherten gehörte es bis vor Kurzem noch zur Standardprozedur, dass der Arzt nach der Untersuchung und dem Patientengespräch ein Rezept ausstellte. Dieser allseits bekannte rosafarbene Zettel heißt im Behördenjargon „Muster-16-Formular“. Schon bald wird dieses Formular aber der Vergangenheit angehören, denn es wird schrittweise durch das E-Rezept abgelöst.

Was ist das E-Rezept?

Die Abkürzung bedeutet elektronisches Rezept. Mitunter wird es auch digitales Rezept genannt. Es kommt im Prinzip vollkommen ohne Papier aus. Das Funktionsprinzip ist einfach. Der Arzt stellt in seiner Praxis ein digitales Rezept aus. Das Rezept wird auf einen Server hochgeladen. Der Apotheker greift auf den Server zu, ruft das Rezept auf und händigt dem Patienten die Medizin aus. Die Einführung des E-Rezepts erfolgte schrittweise. Zuerst konnte es für Patienten ausgestellt werden, die eine Videosprechstunde besuchten. Seit Sommer 2022 sind alle Apotheken in der Lage, E-Rezepte einzulösen. Die Arztpraxen sind noch nicht so weit. Einige von ihnen können noch keine E-Rezepte ausstellen. Das E-Rezept wurde eingeführt, um den Arbeitsaufwand zu reduzieren und das Bestellen in Online-Apotheken zu erleichtern.

Wie erhalten die Patienten ihre Medizin mit dem E-Rezept?

Die einfachste Methode ist seit dem 1. Juli 2023 verfügbar: das Einlösen Mithilfe der elektronischen Gesundheitskarte. Diese eGK gibt es bereits seit einigen Jahren. Sie ersetzte nach und nach die vorher üblichen Karten mit Magnetstreifen. Der Patient geht mit seiner eGK zur Apotheke. Dort steckt sie der Apotheker in das Kartenterminal und stellt eine Verbindung zum Server her. Die eGK dient zur Identifizierung des Patienten. Der Apotheker greift auf das Rezept zu, das der Arzt ausgestellt hat und gibt die Medizin aus.

Gibt es noch andere Methoden?

Ja, insbesondere für das Bestellen in Online-Apotheken kann eine E-Rezept App verwendet werden. Zur Nutzung der App benötigt der Patient eine PIN, die ihm von seiner Krankenkasse zur Verfügung gestellt wird. Mithilfe der App kann das E-Rezept an eine Online-Apotheke gesendet werden. Es ist auch möglich, mit dem Smartphone zur Apotheke zu gehen und sie an das Kartenlesegerät zu halten. Dazu müssen jedoch Smartphone und Terminal per NFC miteinander kommunizieren können. Die App öffnet für den Apotheker den Zugang zum Server, von dem er das Rezept abrufen und die Medizin bereitstellen kann.

Was machen Menschen, die kein Smartphone haben?

Sie müssen das ihrem Arzt mitteilen. Dieser kann daraufhin einen Papierausdruck bereitstellen, auf dem ein QR-Code angegeben ist. Der Patient geht mit dem Zettel (der nicht rosafarben ist) in die Apotheke seiner Wahl. Der Apotheker scannt den Code und erhält dadurch Zugriff auf das E-Rezept auf dem Server. Übrigens können Arztpraxen, die noch keine E-Rezepte ausstellen können, übergangsweise bis zum 31.12.2023 die klassischen rosa Zettel (Muster-16-Formular) ausstellen. Erst ab dem 1. Januar 2024 wird das E-Rezept verpflichtend eingeführt.

Welche Vorteile hat das E-Rezept?

Für die Arztpraxen und Apotheken reduziert es den Aufwand bei der Verwaltung und Buchhaltung. Auch für die Patienten bringt es eine Reihe von Erleichterungen. Bisher kam es beispielsweise ziemlich häufig vor, dass der Arzt vergaß, sein Rezept zu unterschreiben. Patienten mussten extra noch einmal in die Praxis gehen und die Unterschrift einholen. Weil das E-Rezept mit einer digitalen Unterschrift versehen wird, genügt es, in der Praxis anzurufen. Dasselbe trifft auch zu, wenn chronisch Kranke ein neues Rezept benötigen. Sie müssen nicht mehr in die Praxis kommen, sondern brauchen einfach nur anzurufen. Da alle E-Rezepte auf dem Server gespeichert werden, sieht der Apotheker die Rezepte verschiedener Ärzte und wird dadurch auf Wechselwirkungen aufmerksam.

Welche Nachteile hat das E-Rezept?

Zur Nutzung des E-Rezepts ist eine stabile und schnelle Internetverbindung erforderlich, die jedoch nicht überall vorhanden ist. Wenn der Arzt das E-Rezept ausstellt, kann der Patient nicht sehen, was er verschreibt. Dadurch kann es zu Fehlern und Irrtümern kommen. Ärzte und Apotheker kritisieren, dass die Krankenkassen den meisten Nutzen vom E-Rezept haben. Privatversicherte haben aktuell (07.2023) noch keinen Zugriff auf E-Rezepte. / Fotoquelle: © Gorodenkoff – Shutterstock.com