Pflege-Bahr: Einfuehrung mit Hindernissen

- 31.10.2012 von Sonja Hess -

Aufstockung der PflegeversicherungEin neues Schlagwort hält Einzug in die Versicherungsbranche: Pflege-Bahr. Benannt nach dem amtierenden Gesundheitsminister soll diese neue private Pflegezusatzversicherung mit staatlicher Förderung ab 2013 am Markt erscheinen. Die Sache hat nur einen Haken: Versicherungsunternehmen zögern bislang damit, die entsprechenden Tarife zu entwickeln.

Was bringt der Pflege-Bahr den Versicherten?

Sinn und Zweck dieser neuen privaten Zusatzversicherung soll es zum einen sein, für die hohen Eigenkosten aufzukommen, die von der bereits existierenden staatlichen Pflegeversicherung nicht mit abgedeckt werden. Hinzu kommt eine Förderung der Police vom Staat: Werden Beiträge in Höhe von mindestens 10 Euro gezahlt, schießt die staatliche Förderung noch einmal 5 Euro hinzu. Das klingt zumindest für Versicherungsnehmer erst einmal ganz gut.

Versicherungsunternehmen zögern mit der Einführung

Jedoch haben Versicherungsgesellschaften damit so ihre Probleme, denn für diese besteht der sogenannte Kontrahierungszwang. Das bedeutet, dass sie jeden Bürger in eine solche Versicherung aufnehmen müssen. Risikozuschläge und Gesundheitsprüfungen dürfen keine vorgenommen werden. Die Risiken sind also für Versicherungsunternehmen nur schwer abzuwägen, weswegen die meisten erst einmal mit der Einführung neuer Tarife warten.

Einige Versicherungen wie beispielsweise die AXA kündigten Tarife für das kommende Jahr an. Die Unternehmen fürchten, dass Menschen mit gesundheitlichen Problemen, die zur Zeit bei keiner Pflegeversicherung angenommen werden, zukünftig sehr hohe Kosten verursachen können. Die neue Zusatzversicherung sei nämlich vor allem für Menschen rentabel, die bereits krank sind. Das betrifft vor allem Menschen mit Vorerkrankungen, die damit rechnen, nach dem Ende einer 5-jährigen Wartezeit zu einem Pflegefall zu werden. Laut des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft ist bereits von sogenannten Unsicherheitszuschlägen die Rede, die in verschiedene Produkte mit einkalkuliert werden müssten und so die Tarife insgesamt verteuern würden.

Weitere Änderung: Einführung von Unisex-Tarifen ab Dezember 2012

Hinzu kommt noch, dass ab dem 21. Dezember das Unisex-Prinzip für alle neuen Versicherungsverträge verpflichtend wird. Es darf bei Neuverträgen also nicht mehr zu geschlechterspezifischen Unterschieden bei den Prämien kommen. Bei Versicherungen, die vor allem die Gesundheit betreffen, bedeutet dies für Männer in erster Linie Beitragsanhebungen, was daran liegt, dass Frauen statistisch gesehen länger Leben und dadurch eben mehr Kosten verursachen, die fortan von Männern mit getragen werden müssen. Dafür können Männer zukünftig bei Lebensversicherungen von günstigeren Beiträgen profitieren, wohingegen die Prämien an dieser Stelle für Frauen teurer werden. / Fotoquelle: fotolia.de / © DOC RABE Media

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Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können