Steuererleichterungen 2016 – wirklich mehr Geld in der Tasche?

- 25.01.2016 von Sonja Hess -

SteuerfreibetragSchon seit einiger Zeit hat die Bundesregierung mit großem Aufwand Steuererleichterungen für die Bürger angekündigt. Viele hofften, dadurch mehr Geld in den Taschen zu haben. Wie so oft im Leben haben sich diese Hoffnungen als Seifenblasen herausgestellt, die im rauen Wind der Realität geplatzt sind.

Welche Steuererleichterungen sind 2016 in Kraft getreten?

Der Grundfreibetrag steigt 2016 von 8.472 auf 8.652 Euro. Das bedeutet, auf ein jährliches Einkommen bis zu dieser Höhe brauchen keine Steuern gezahlt zu werden. Der Kinderfreibetrag erhöht sich um 48 Euro, von 2.256 Euro auf 2.304 Euro. Gleichzeitig erhöht sich das Kindergeld um 2 (!) Euro pro Monat. Für die ersten beiden Kinder gibt es je 190 Euro pro Monat, für das dritte 196 Euro und ab dem vierten Kind 221 Euro pro Monat. Weitere 7.248 Euro pro Jahr und Kind bleiben zusätzlich steuerfrei, wenn die so kalkulierte Steuerersparnis größer als das ausgezahlte Kindergeld ist. Liegt das Kindergeld jedoch darüber, tritt dieser Steuerfreibetrag nicht in Kraft. Insgesamt 22.767 Euro pro Jahr können als Beiträge zu einer Rürup-Rente, der gesetzlichen Rentenversicherung oder einem berufsständischen Versorgungswerk zu 82 Prozent von der Steuer abgesetzt werden. Zum Abbau der kalten Progression gibt es eine Inflationsbereinigung der Steuertarife von ungefähr 1,5 Prozent.

Was ist die kalte Progression?

In der Finanzwirtschaft bezeichnet man mit kalter Progression einen Vorgang, bei dem es trotz erhöhtem Einkommen zu einer vermehrten Steuerbelastung kommt. Das passiert folgendermaßen: der Steuerzahler erhält eine Lohnerhöhung. Dadurch wächst aber seine Kaufkraft nicht, weil die Lohnerhöhung durch die Inflation zunichte gemacht wird. Die Kaufkraft des Einkommens (Reallohn) bleibt daher in etwa gleich. Da jedoch das Einkommen bedingt durch die Lohnerhöhung nominal gestiegen ist, steigt auch die steuerliche Belastung. In der Praxis bedeutet das, dem Arbeitnehmer bleibt am Ende weniger Geld in der Tasche. Dagegen will die Regierung jetzt ankämpfen.

Höhere Belastung trotz Steuererleichterung

Das sind doch alles gute Nachrichten, da können doch alle zufrieden sein, oder? Leider trifft das nicht zu, da den Steuererleichterungen an anderer Stelle erhöhte Abgaben gegenüber stehen. An erster Stelle ist hier der Zusatzbeitrag zu den gesetzlichen Krankenkassen zu nennen, der von den Arbeitnehmern allein zu tragen ist. Er erhöht sich im Durchschnitt um 0,2 Prozent, bei einigen Krankenkassen sogar um bis zu 0,6 Prozent. Schon jetzt steht fest, dass 2017 die Beiträge zur Pflegeversicherung diesem Beispiel folgen werden.

Eine weitere Abgabenerhöhung trifft ebenfalls beinahe jeden. Die EEG Umlage für Strom steigt 2016 von 6,17 auf 6,35 Cent pro Kilowattstunde. Das bedeutet, dass Strom teurer wird. Andere Erhöhungen im neuen Jahr treffen in der Hauptsache Besserverdiener. Die Beitragsbemessungsgrenze, das monatliche Höchsteinkommen, für das Beiträge zur Renten- und Sozialversicherung fällig sind, steigt in den alten Bundesländern um 150 Euro auf 6.200 Euro und in den neuen Ländern um 200 Euro auf 5.400 Euro. In der Kranken- und Pflegeversicherung wurde dieser Betrag einheitlich um 112,50 Euro auf 4.237,50 Euro pro Monat angehoben. Das bedeutet, dass Steuerzahler, die von diesen Änderungen betroffen sind, im Monat durchschnittlich 25 Euro mehr bezahlen müssen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Steuererleichterungen, obwohl sie insgesamt mehr als 1,5 Milliarden Euro betragen, bei den Steuerzahlern kaum zu einer nennenswerten Entlastung führen, da sie von Erhöhungen an anderer Stelle wieder ausgeglichen werden. Im internationalen Vergleich ist die Steuerbelastung deutscher Arbeitnehmer immer noch sehr hoch. / Fotoquelle: fotolia.de / © Photographee.eu

Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können