Steuerklasse wechseln – Frist 30. November beachten!

- 23.11.2015 von Sonja Hess -

Steuerklassenwechsel und EhegattensplittingVerheiratete Arbeitnehmer können sich oft mit einem Wechsel der Steuerklasse bei der Lohnsteuer günstiger stellen. Wer in diesem Jahr noch profitieren will, muss spätestens bis zum 30. November handeln.

Mit der Wahl der Steuerklasse wird festgelegt, wie hoch die monatlichen Lohnsteuerabzüge beim Gehalt sind. Während alle Arbeitnehmer, die ledig oder alleinstehend sind, automatisch in die Steuerklasse I fallen, stehen Steuerpflichtigen, die verheiratet oder verpartnert sind, mehrere Möglichkeiten der Steuerklassenwahl offen. Welche Option am sinnvollsten ist, hängt vom Einkommen der Eheleute bzw. Lebenspartner ab.

Steuerklassenwechsel – auch rückwirkend wirksam

Dabei ist auch ein unterjähriger Steuerklassenwechsel denkbar. Üblicherweise lässt das Finanzamt aber nur einen einmaligen Wechsel pro Jahr zu. Wer also in diesem Jahr schon einmal davon Gebrauch gemacht hat, kann die Steuerklasse nicht nochmals ändern. Lediglich in bestimmten Ausnahmefällen – ein Ehegatte/Partner bezieht keinen Arbeitslohn mehr oder Wiederaufnahme einer Tätigkeit nach Arbeitslosigkeit – ist ein erneuter Wechsel möglich. Eine Änderung der Steuerklasse kann auch jetzt noch interessant sein: sie wird nämlich auch rückwirkend für dieses Jahr berücksichtigt. Wenn also bisher zu viel Lohnsteuer gezahlt wurde, erfolgt mit dem Wechsel eine nachträgliche Korrektur und der Lohnsteuer-Überschuss der Vormonate wird erstattet.

Dabei ist allerdings eine Frist zu beachten: der Steuerklassen-Wechsel muss bis spätestens zum 30. November beim Finanzamt beantragt werden, um noch für 2015 wirksam zu werden. Wenn diese Frist versäumt wird und die Umstellung erst später stattfindet, entfällt die rückwirkende Korrektur. Die neuen Steuerklassen werden dann erst 2016 angewandt. Das ist zwar grundsätzlich kein Problem. Denn im Rahmen der Einkommensteuererklärung im nächsten Jahr kann zu viel gezahlte Lohnsteuer immer noch korrigiert werden, als Steuerpflichtiger muss man sich allerdings länger gedulden.

Welche Steuerklassenwahl ist richtig?

Letztlich erhält der Fiskus durch die Fristversäumnis einen zinslosen Kredit – eine Art „Steuergeschenk durch den Steuerbürger“. Die fehlende Liquidität muss sich der Steuerpflichtige anderweitig beschaffen – unter Umständen gegen Zinszahlungen. „Steuern sparen“ ist mit dem Steuerklassenwechsel nicht möglich. Es geht vielmehr um die Gewinnung von Liquiditätsvorteilen. Welche Möglichkeiten zur Steuerklassenwahl haben verheiratete bzw. verpartnerte Arbeitnehmer? Hier ein Überblick:

1. Die Steuerklassenkombination III/V

Die klassische Kombination sind die Steuerklassen III und V. Dies ist in der Regel die beste Wahl, wenn ein Ehegatte/Partner Hauptverdiener (Steuerklasse III) ist und der andere kein oder nur ein deutlich geringeres Gehalt (Steuerklasse V) bezieht. Bei dieser Wahl werden die beiden steuerlichen Grundfreibeträge der Steuerklasse III zugeordnet, was dort zu einer erheblichen Reduzierung der Lohnsteuer führt. Die Mehrbelastung beim zweiten Gehalt macht sich dagegen wegen des geringeren Betrags nicht so stark bemerkbar. Unter dem Strich bleibt mehr übrig als bei einer gleichmäßigen Besteuerung.

2. Die Steuerklasse IV für beide

Wenn beide Eheleute/Partner in etwa gleich viel verdienen, bietet sich die Wahl der Steuerklasse IV für beide an. In diesem Fall werden beide Grundfreibeträge gleich aufgeteilt. Die zu zahlende Lohnsteuer ist dann ebenfalls annähernd gleich. Bei stark unterschiedlichen Gehältern führt die Wahl der Steuerklassen IV dagegen regelmäßig dazu, dass zu viel Lohnsteuer gezahlt wird. Hier kann sich also ein Wechsel lohnen, wenn man nicht auf die Erstattung im Rahmen der Einkommensteuererklärung warten will.

3. Die Steuerklasse IV mit Faktor

Seit 2010 gibt es eine weitere Möglichkeit: die Steuerklasse IV mit Faktor. Diese Option ist ebenfalls auf Eheleute/Partner mit unterschiedlichem Einkommen ausgerichtet. Im Unterschied zu der recht pauschalen Aufteilung der Grundfreibeträge bei der Kombination III/V wird hier exakt gerechnet. Die Grundfreibeträge werden dabei den voraussichtlichen tatsächlichen Arbeitseinkünften entsprechend aufgeteilt. Das Faktorverfahren wurde vor allem aus Gründen der Steuergerechtigkeit eingeführt, weil bei der Kombination III/V der geringer verdienende Teil einseitig benachteiligt wird.

Welches Verfahren auch gewählt wird – um ggf. noch rückwirkend zu profitieren, sollte man bei Bedarf jetzt schnellstmöglich den Antrag auf Lohnsteuerklassenwechsel stellen. / Fotoquelle: fotolia.de / © Joachim B. Albers

Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können