Die Berufshaftpflichtversicherung

- 01.07.2020 von Deniz Wölk -

Freiberufler und selbstständigDie meisten Menschen haben eine Haftpflichtversicherung. Für das private KFZ ist sie vorgeschrieben, für andere Fälle sinnvoll. Angestellte und Arbeitgeber denken über eine Berufshaftpflicht normalerweise nicht nach. Das ist auch nicht notwendig, denn diese Versicherung richtet sich in erster Linie an Unternehmer und Freiberufler.

Was ist eine Berufshaftpflichtversicherung und warum ist sie wichtig?

Angenommen, jemand erbt 100.000 Euro und will das Geld gewinnbringend anlegen. Er geht zu einem Finanzberater. Dieser berät ihn umfangreich. Er hält sich an die Tipps des Fachmannes und verliert sein gesamtes Vermögen. Der Finanzberater muss für den Schaden haften und ihm das verlorene Geld aus seinem privaten Vermögen ersetzen, falls man ihm eine falsche Beratung nachweisen kann. In diesem Fall springt eine Berufshaftpflichtversicherung ein und verhindert einen größeren Vermögensschaden.

Eine Berufshaftpflichtversicherung kann normalerweise nur von Selbstständigen abgeschlossen werden. Angestellte sind über die Berufshaftpflichtversicherung des Betriebes mitversichert. Das unterscheidet sie von einer normalen Haftpflichtversicherung, die Privatleute abschließen.

Neben dem Finanzberater gibt es viele weitere Berufsgruppen, die für entstandene Schäden haftbar gemacht werden können. Einige müssen, andere sollen eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen. Durch eine falsche Diagnose, ein unbeaufsichtigtes Kind oder eine nicht erreichbare Internetseite können hohe Schäden entstehen. Einen Unternehmer bringt das unter Umständen an den Rand des Ruins.

Eine Berufshaftpflichtversicherung ist nicht für alle Berufsgruppen verpflichtend

Für einige Berufsgruppen ist eine Berufshaftpflichtversicherung gesetzlich vorgeschrieben. Bei anderen ist der Beitritt in eine Berufskammer vom Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung abhängig. Grundsätzlich handelt es sich um Berufe, die einen großen Vermögensschaden verursachen können. Unter anderem sind das:

  • Apotheker
  • Ärzte
  • Versicherungsvermittler
  • Rechtsanwälte
  • Wirtschaftsprüfer
  • Bewachungsunternehmer

Diese Liste ist nicht vollständig. Wer sich in einem Beruf selbständig machen möchte, sollte sich zunächst erkundigen, ob eine Versicherungspflicht besteht.

Für die nachfolgenden Berufe gilt zwar keine Versicherungspflicht, sie ist aber dennoch sinnvoll. Oft enden Unstimmigkeiten über eine angefertigte Arbeit in langwierigen und teuren Prozessen. Kleinere Betriebe können sich das nicht leisten.

  • Grafikdesigner
  • Heilpraktiker
  • Psychotherapeuten
  • Unternehmensberater
  • Übersetzer
  • Webentwickler und Programmierer

Auch diese Liste ist nicht vollständig.

Benötigen Angestellte eine Berufshaftpflichtversicherung?

Wie oben erwähnt, benötigen Angestellte normalerweise keine Berufshaftpflichtversicherung. Entsteht durch ein Fehlverhalten ein Vermögensschaden, haftet die Berufshaftpflichtversicherung des Betriebs.
Dies gilt allerdings nicht für alle Angestellten. Hat dieser eine Leitungsfunktion, kann er direkt in Haftung genommen werden. Dies gilt zum Beispiel für Manager, Vorstände, Unternehmensleiter und Aufsichtsratsmitglieder. Besitzt der Angestellte eine Sonderfunktion, ist er etwa Sicherheitsbeauftragter, besteht auch eine Haftungspflicht. Dafür gibt es eine sogenannte D&O-(Directors and Officers)Versicherung. Diese schließt entweder das Unternehmen für den Angestellten ab oder der Angestellte entscheidet sich für eine private Versicherung.

Was leistet eine Berufshaftpflichtversicherung?

  • Sie sichert reine Vermögensschäden ab: Wird ein Kunde falsch beraten, übernimmt die Versicherung die entstehenden Kosten.
  • Nicht alle Ansprüche sind berechtigt. Erkennt die Versicherung, dass die Forderungen unberechtigt sind, wehrt sie diese ab.
  • Es ist nicht nur der Geschäftsinhaber versichert, sondern auch alle Angestellten, Praktikanten und Hilfskräfte.

Zusatzoptionen:

  • Eine Berufshaftpflichtversicherung gilt normalerweise nur im Inland. Bei manchen Versicherungen ist die Auslandsversicherung enthalten, bei anderen kann man diese als zusätzliche Option wählen.
  • Für manche Berufsgruppen ist die Erweiterung auf Personen- und Sachschäden sinnvoll. Dann übernimmt die Versicherung auch die notwendigen Kosten einer Heilbehandlung oder für Reparaturen.

Die Berufshaftpflichtversicherung sieht bei jedem Beruf ein wenig anders aus. Ein Arzt wird andere Leistungen benötigen als ein Rechtsanwalt.

Die Kosten einer Berufshaftpflichtversicherung

Da die Leistungen stark von der Berufsgruppe abhängig sind, ist eine Aussage über die Kosten schwierig. Hier ist eine gute Beratung durch einen Versicherungsexperten notwendig.
Ein wichtiger Punkt ist die Deckungssumme. Diese sollte sich an dem größtmöglichen Schaden orientieren. Weitere Faktoren, welche die Höhe des Beitrages bestimmen, sind:

  • Jahresumsatz
  • Anzahl der Mitarbeiter
  • Die Höhe der ausgezahlten Löhne
  • Die Art der beruflichen Tätigkeit

Vor dem Abschluss beraten lassen

Der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung ist komplexer als eine normale Haftpflichtversicherung. Die Tarife und die Leistungen können sich stark unterscheiden. Da manche beruflichen Tätigkeiten ohne diese Versicherung nicht ausgeübt werden können, ist es sinnvoll, sich rechtzeitig um die passende Versicherung zu kümmern. So gerät der Interessent nicht unter Zeitdruck und kann sich für den passenden Anbieter entscheiden. / Fotoquelle: © REDPIXEL.PL – Shutterstock.com

Autor: Deniz Wölk

Unser Hahn im Korb (der endlich Unterstützung bekommen hat). Deniz kommt aus der Versicherungsbranche und arbeitet schon lange als freiberuflicher Autor. Sein Wissen zu den Themen Versicherungen und Altersvorsorge ist unschlagbar und keiner schafft es, dieses so einfach herüber zu bringen wie er.