Unfall auf dem Arbeitsweg – Der Wegeunfall

- 02.08.2018 von Gaby Mertens -

Wegeunfall und BerufsgenossenschaftLeider kommt es immer wieder auf dem Weg zur Arbeit oder auf dem Nachhauseweg zu Unfällen. Befindet man sich hierbei auf dem direkten Arbeitsweg, dann handelt es sich um einen sogenannten Wegeunfall, der versicherungstechnisch anders abgehandelt wird als andere Unfälle.

Was genau ist ein Wegeunfall?

Über den Arbeitgeber ist jeder Beschäftigte bei der Berufsgenossenschaft (BG) versichert, die im Falle eines Wegeunfalls sämtliche Kosten übernimmt. Allerdings sollte jeder beachten, dass dieser Arbeitsweg keine Umwege beinhaltet.

So beginnt der Arbeitsweg mit Verlassen der Wohnung an der Wohnungstür und endet bei Ankunft in der Arbeitsstätte. Der Rückweg endet in umgekehrter Reihenfolge mit Öffnen der Wohnungstür und Betreten der Wohnung.

Bei Umwegen wird unterschieden. Werden morgens die Kinder in die Betreuungsstätte gebracht oder ist eine Fahrgemeinschaft vorhanden, wird dies als Weg zur Arbeit akzeptiert und ein Unfall gilt als Wegeunfall. Ereignet sich dieser auf einem Umweg, der einer Baustelle oder einer Umleitung zugrunde liegt, wird er ebenfalls als Wegeunfall angesehen.

Anders sieht es aus, wenn private Besorgungen getätigt werden. Führt der Umweg vor der Arbeit zum Beispiel dazu, ein Paket abzuholen und kommt es dort zu einem Unfall, ist dies kein Wegeunfall und die Abwicklung muss über die eigene Haftpflichtversicherung erfolgen.

Fahrlässigkeit führt zum Verlust des Versicherungsschutzes

Wer fahrlässig handelt, kann sich auf keine Versicherungsleistung der BG berufen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn eine Person unter Drogen- oder Alkoholeinfluss steht. Hier liegt Fahrlässigkeit vor und der Anspruch auf Versicherungsleistung erlischt. Inwieweit die eigene Haftpflichtversicherung die Kosten übernimmt oder diese selbst getragen werden müssen (da hier laut Gesetz ein Unfall ‘in Kauf genommen’ wird), muss der Unfallbeteiligte dann abklären.

Was passiert, wenn Wild vor das Auto läuft?

Wer in der Morgendämmerung mit dem Wagen fährt, kennt das Problem: Die Lichtverhältnisse und Nebelschwaden erschweren die Sicht. Doch was passiert, wenn ein Wildschwein oder ein Reh plötzlich auf die Straße läuft und es zu einer Kollision oder einem Ausweichmanöver mit Unfall kommt?

Der erste Schritt ist die Meldung des Unfalls bei einem Wildhüter oder der Polizei. Diese nehmen den Tathergang genau auf. Befindet sich der Unfall auf der direkten Strecke zum Arbeitsplatz, ist es möglich, dass es als Wegeunfall angesehen wird, wahrscheinlicher ist es jedoch, dass dieser als Wildunfall abgehandelt wird. Wer hier die Kosten übernimmt, wird anhand des Vorgangs genau geprüft (vgl. unseren Artikel Wildunfall – was tun und wer zahlt?).

Die richtigen Ansprechpartner

Nach einem Wegeunfall sollte auf jeden Fall ein Durchgangsarzt aufgesucht werden, der sich auf Unfallchirurgie spezialisiert hat. Nur dieser ist berechtigt, einen solchen richtig abzuschätzen und die nötigen Bescheinigungen auszustellen.

Außerdem sollte eine Unfallanzeige aufgegeben werden. Diese dient zur Klärung der Verhältnisse im Falle einer Schadensersatzforderung infolge des Unfalls.

Selbstverständlich ist es notwendig, den Arbeitgeber umgehend über den Vorfall zu informieren. Ist abzusehen, dass weniger als drei Tage zur Genesung ausreichen, werden in der Regel keine weiteren Schritte eingeleitet. Hat der Unfall eine Krankheitsdauer von mehr als drei Tagen zur Folge, muss er der Berufsgenossenschaft gemeldet werden. Diese Pflicht obliegt dem Arbeitgeber. Für die Meldung existieren spezielle Formulare der jeweiligen BG.

Ein Unfall auf dem Arbeitsweg – wer trägt die anfallenden Kosten?

Wie bereits erwähnt, müssen Unternehmen für jeden Angestellten Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung zahlen, über die die Berufsgenossenschaften im Falle eines Wegeunfalls verfügen kann.

Die BG kann aus diesem Topf verschiedene Leistungen bezahlen. Hierbei handelt es sich beispielsweise um Rehabilitationsmaßnahmen in Form eines stationären Aufenthaltes oder um Hilfsmittel wie Krücken oder den Umbau eines Fahrzeuges.

Nicht getragen werden die Kosten für Sachschäden. Wird zum Beispiel das Auto durch den Unfall beschädigt, kommt in der Regel die Kaskoversicherung dafür auf.

Steuern sparen durch einen Wegeunfall

Der Wegeunfall gibt auch die Möglichkeit, Steuern zu sparen. Sollte die Versicherung des Unfallverursachers tatsächlich nicht alle Kosten übernehmen, können diese in der Steuererklärung unter Werbungskosten abgesetzt werden.

Vermeidung von Wegeunfällen

Vor allem in der dunklen Jahreszeit ist es wichtig, dass Fußgänger und Radfahrer helle oder reflektierende Kleidung tragen. Personen, die mit dem Pkw oder Fahrrad zur Arbeit fahren, sollten früh genug losfahren, um nicht durch Unachtsamkeit aufgrund des Zeitdrucks einen Unfall zu verursachen. Zudem darf sich niemand übermüdet oder angetrunken ans Steuer setzen.

Übrigens sind Arbeitnehmer, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren, nachweislich seltener in Wegeunfälle verwickelt. Hier könnte der Arbeitgeber Vorarbeit leisten, indem er seinen Mitarbeitern kostenlose Monatskarten zur Verfügung stellt oder sich an deren Kosten beteiligt. / Fotoquelle: fotolia.de / © RioPatuca Images

Autor: Gaby Mertens

Auch Gaby war in der Versicherungsbranche tätig und hat schreibt schon seit 2011 für unser Magazin. Nach einer längeren Auszeit im Ausland ist sie nun wieder da, und wir freuen uns, dass sie uns wieder mit ihren Texten unterstützt und immer eine Tüte Gummibärchen für die Kollegen bereithält.