Unfall beim Betriebsausflug – wer haftet?

- 26.09.2016 von Daniela Lütke -

Fotoquelle: fotolia.de / © DOC RABE MediaZu den verschiedensten Jahreszeiten veranstalten mehr und mehr Firmen Betriebsausflüge. Meist steckt das Ziel dahinter, das Betriebsklima zu verbessern und die Kollegen auch privat miteinander bekannt zu machen. War in früheren Jahren das gesellige Miteinander völlig ausreichend, werden heute so genannte Team-Building-Übungen immer beliebter. Hier müssen die Kollegen gemeinsam Aufgaben lösen und lernen, sich untereinander zu vertrauen und zu kooperieren. Solchen Veranstaltungen bieten leider auch ein höheres Unfallrisiko, denn es wird geklettert, gepaddelt oder balanciert. Was, wenn dabei tatsächlich ein Unfall passiert?

Ist ein Unfall beim Betriebsausflug ein Arbeitsunfall?

Ob es sich um einen Unfall oder einen Arbeitsunfall handelt, das hängt ganz von den jeweiligen Umständen ab. Damit ein Unfall während des Betriebsausflugs als Arbeitsunfall gewertet wird, müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein:

  • Es muss sich um eine offizielle Veranstaltung des Unternehmens handeln. Dafür muss der Betriebsausflug entweder allen Kollegen oder bei Großunternehmen den Kollegen einer bestimmten Abteilung offen stehen.
  • Mindestens ein Vorgesetzter muss anwesend sein und die Leitung der Veranstaltung übernehmen.
  • Beginn und Ende der Veranstaltung müssen klar definiert sein. Am besten ist es, wenn Anfang und Ende bereits auf der Einladung schriftlich vermerkt sind.
  • Der Versicherungsschutz schließt auch den direkten Weg zu und vom Veranstaltungsort ein.

Wann greift die gesetzliche Unfallversicherung nicht?

Dieser Fall tritt zum Beispiel dann ein, wenn einige Kollegen in ihrer Freizeit privat etwas unternehmen wollen, beispielsweise wenn sie sich zu einer Radtour oder einem Wanderausflug verabreden. Selbst wenn alle Teilnehmer aus derselben Firma kommen, handelt es sich trotzdem um eine private Veranstaltung. Der gesetzliche Versicherungsschutz erlischt auch, wenn Kollegen während eines Betriebsausflugs Alkohol oder Rauschmittel zu sich nehmen und in diesem Zustand einen Unfall verursachen. Ähnliches trifft ebenfalls zu, wenn beim Team-Building Geräte oder Fahrzeuge benutzt werden, für die eine Berechtigung erforderlich ist (beispielsweise Quads), die aber einige Kollegen nicht besitzen.

Der Versicherungsschutz erlischt, wenn Kollegen nach dem offiziellen Ende noch weiter feiern. Sobald der Betriebsausflug von einem Vorgesetzten offiziell für beendet erklärt wurde, nehmen alle, die weiter feiern, an einer privaten Veranstaltung teil, für die der Versicherungsschutz der Firma nicht gilt.

Der Versicherungsschutz erlischt auch, wenn sich die Teilnehmer an einem Betriebsausflug nach dessen Ende nicht auf direktem Weg nach Hause begeben, sondern irgendwo einen Zwischenstopp einlegen, beispielsweise um noch ein paar Bier zu trinken, jemanden zu besuchen oder um Zigaretten zu kaufen. Diese Grundsätze gelten nicht nur bei Betriebsausflügen, sondern bei allen betrieblichen Veranstaltungen, darunter zum Beispiel betriebliche Weiterbildung oder Weihnachtsfeiern.

Eine Besonderheit bilden Familienangehörige oder andere Gäste, die an einem Betriebsausflug teilnehmen. Sollten diese sich in irgendeiner Form verletzen, läuft dieses nicht über den Versicherungsschutz der Firma, da es sich hierbei nicht um einen Arbeitsunfall handelt.

Wie können Probleme vermieden werden?

Zunächst einmal sollten sich alle Teilnehmer an die Weisungen des Veranstalters halten. Falls ein Kollege beispielsweise nicht klettern kann oder möchte, weil er nicht schwindelfrei ist oder Höhenangst hat, ist es keine Schande, das rechtzeitig zu sagen. Niemand wird gezwungen, an solchen Veranstaltungen teilzunehmen oder alles mitzumachen. Ein anderer Grundsatz besteht darin, bei Übungen, die potentiell gefährlich sind, Alkohol zu meiden, weil dieser erwiesenermaßen die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt und das Urteilsvermögen trübt.

Damit ein Unfall während eines Betriebsausflugs nicht in einer finanziellen Katastrophe endet, empfiehlt sich für jeden Arbeitnehmer zusätzlich der Abschluss einer privaten Unfallversicherung. Diese Versicherung ergänzt den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung und greift auch bei privaten Veranstaltungen und Freizeitaktivitäten. Unfallstatistiken sagen sowieso aus, dass sich die meisten Unfälle nicht während der Arbeitszeit, sondern in der Freizeit bzw. zu Hause ereignen. / Fotoquelle: fotolia.de / © DOC RABE Media

Autor: Daniela Lütke

Daniela ist 2016 zu uns gestoßen. Als Journalistin und ehemalige Unternehmensberaterin hat sie sich ein enormes Wissen zu den Themen Ausbildung, Beruf & Karriere aufgebaut und versteht es, dieses geschickt in Worte zu fassen.