Die geplante Börsensteuer belastet vor allem Privatanleger

- 21.02.2013 von Sonja Hess -

Finanzmarkt und BörseZur Regulierung des Finanzmarktes haben die EU-Finanzminister nun beschlossen, dass eine neue Börsensteuer auf den Weg gebracht wird. Diese „Finanztransaktionssteuer“ wird vermutlich schon im Jahr 2014 eingeführt werden. Sie soll nicht in der gesamten EU gelten, sondern vorerst in elf Ländern, darunter auch Deutschland und Frankreich.

Genauer Aufbau noch unklar

Wie genau die Börsensteuer aussehen wird, ist noch nicht entschieden. Vorgeschlagen wurde unter anderem, 0,1 % des Transaktionswertes zu besteuern, wenn mit Aktien und Anleihen gehandelt wird. Ein Aufschlag von 0,01 % soll auch bei Derivaten erfolgen. Ziel der Steuer ist es, den Finanzsektor in den Kampf gegen die Schuldenkrise mit einzubeziehen. Die geplante Steuer würde auch eine Entschleunigung des automatisierten Hochfrequenzhandels bedeuten.

Belastungen für den Privatkunden

Bei näherer Beschäftigung mit der Finanztransaktionssteuer wird deutlich, dass letztendlich vor allem der Verbraucher mit zusätzlichen Belastungen zu rechnen hat. Denn auch deren private Aktiengeschäfte werden besteuert. Durchschnittlich kaufen Anleger jeden Monat eine Aktie, bzw. 12x im Jahr. Umgerechnet würde dann eine Mehrbelastung von 1,2 % auf die investierte Summe als Steuer an den Staat abgeführt werden. Konkret wären das etwa 40 Euro jährlich. Nach den Plänen der EU sollen jedoch auch die Versicherer und Pensionsfonds, die regelmäßig Aktien und Anleihen kaufen bzw. verkaufen, an die Zahlung der Börsensteuer gebunden sein. Somit sind indirekt auch Menschen von der neuen Steuer betroffen, die gar nicht mit Aktien handeln. Laut Professor Christoph Kaserer von der TU München müssen sich Sparer auf einen Renditeverlust von bis zu 5,5% einstellen. Die Transaktionssteuer wird voraussichtlich ihr Ziel, die Eindämmung von risikoreichen Spekulationsgeschäften, verfehlen. Die professionellen Anleger werden wohlmöglich dazu übergehen, ihre Anleihen- und Aktiengeschäfte in eines der steuerfreien Nachbarländer zu verlagern.

Nicht alle Länder ziehen mit

Damit die Steuer erfolgreich eingeführt werden kann, muss im EU-Parlament eine Mehrheit von zwei Dritteln bestehen. Positiv für die Einführung haben sich bereits Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich ausgesprochen. Negativ äußerten sich hingegen Großbritannien und Schweden. Beide Länder wehren sich gegen den Beschluss einer Finanztransaktionssteuer. Als Kritik wird angeführt, dass dadurch Finanzplätze in Europa negativ beeinflusst werden können und ein wichtiger Wirtschaftssektor verloren gehen könnte.

Fazit: Nutzen fraglich

Es wird erwartet, dass die die Steuer EU-weit jährlich rund 57 Milliarden Euro einbringt. Dies ist im Grunde eine gute Prognose, wäre nicht bereits jetzt schon deutlich, dass die Belastung hauptsächlich von den Privatanlegern getragen wird. Da die professionellen Anleger jedoch über weitaus mehr Mittel verfügen, bleibt fraglich, ob mit Einführung der Börsensteuer tatsächlich eine Regulierung der Finanzmärkte erreicht werden kann. / Fotoquelle: fotolia.de / © grafikplusfoto

Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können