Steuerentlastungen: Aufstockung des Grundfreibetrags beschlossen

- 13.11.2012 von Sonja Hess -

Einkommenssteuer und SteuerentlastungEinkommenssteuerzahler können sich 2013 und 2014 über mehr Netto vom Brutto freuen: Die Bundesregierung will den Grundfreibetrag um insgesamt 348 Euro anheben. Grundlage dieser Entscheidung ist der aktuelle Existenzminimumbericht. Doch wie hoch ist die tatsächliche Steuerentlastung für jeden Einzelnen konkret?

Notwendige Anpassung des Grundfreibetrags

Bisher können erwerbstätige Personen im Jahr 8004 Euro verdienen, ohne dass sie auf diese Summe Einkommenssteuer zahlen müssen. Der Gesetzgeber stellt mit diesem Grundfreibetrag sicher, dass jeder über das sogenannte Existenzminimum ohne Steuerabzüge verfügen kann. Im Abstand von zwei Jahren prüft die Bundesregierung, ob der bisher festgestellte Betrag hierfür noch ausreicht. Im vor Kurzem veröffentlichten Existenzminimumbericht verneinten dies die Autoren für die nächsten Jahre. Deswegen sieht sich die Regierungskoalition gezwungen, den Grundfreibetrag schrittweise anzuheben: Im ersten Schritt steigt er zu Jahresbeginn 2013 um 120 Euro, 2014 erfolgt eine weitere Anhebung um 228 Euro auf dann 8352 Euro. 2014 dürften zudem die Kinderfreibeträge ausgeweitet werden, genaue Zahlen liegen allerdings noch nicht vor. Experten gehen nur von einer geringen Erhöhung aus.

So wird der Grundfreibetrag berechnet

Um den Grundfreibetrag zu bestimmen, zieht die Bundesregierung das Sozialhilferecht heran. Empfänger von Sozialleistungen erhalten genau so viel Geld, wie sie zur Sicherung ihrer Existenz laut Gesetz und richterlichen Urteilen benötigen. Aus drei Bestandteilen setzt sich dieser Satz zusammen: dem Regelbedarf sowie den Kosten für eine Wohnung und deren Beheizung. Bei Kindern kommt noch eine Zusatzsumme hinzu, welche Bildung und gesellschaftliche Teilhabe sichern soll. Dies ergibt dann den Grundfreibetrag. Dabei handelt es sich stets um Prognosen für die beiden kommenden Jahre, etwaige Preissteigerungen werden also nur geschätzt.

Die Auswirkungen für Steuerzahler

Erwerbstätige dürfen sich von der Anhebung des Grundfreibetrags nicht zu viel versprechen. Die tatsächliche Entlastung hält sich in engen Grenzen. Laut Steuerrechtsexperten zahlt ein durchschnittlicher Alleinverdiener 2013 etwa 23 Euro weniger Steuern. Das entspricht einer finanziellen Entlastung von knapp zwei Euro im Monat. 2014 folgt dann eine Steuerreduzierung über weitere 43 Euro jährlich. Diese Einsparungen erzielen nur Erwerbstätige, die mehr als 13 000 Euro Jahreseinkommen haben. Bei weniger Gehalt minimiert sich auch die Steuerersparnis. Die Ausweitung des Grundfreibetrags muss zudem noch vom Bundestag sowie dem Bundesrat beschlossen werden. Die Zustimmung gilt jedoch als sicher, SPD und Grüne haben bereits Unterstützung signalisiert. Schlechter sieht es für weitere Steuerentlastungen in Höhe von knapp 6 Milliarden Euro aus, welche die Bundesregierung durch eine Änderung des Tarifverlaufs herbeiführen will. Die Mehrheit der Bundesländer lehnt diesen Vorschlag ab. / Fotoquelle: fotolia.de / © Wolfilser

Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können